Schweiz
Bern

Phishingbetrug über Ricardo: Berner verliert 40'000 Franken

Berner will Schuhe auf Ricardo verkaufen – 3 Tage später ist er 40'000 Franken ärmer

Ein Berner wollte eigentlich nur ein Paar Schuhe auf Ricardo verkaufen. Wenige Tage später war das Familienkonto leer. Selbst die Zwei-Faktor-Authentifizierung der Bank konnten sie umgehen.
02.06.2026, 15:1802.06.2026, 15:18

Die Masche ist bekannt, doch selbst vorsichtige Menschen sind nicht vor ihr geschützt: Phishing. Ein Berner hat durch die Betrugsart nun 40'000 Franken verloren.

Begonnen hatte die Geschichte Anfang März, wie der Tages-Anzeiger schreibt. Damals wollte der 34-Jährige ein Paar Schuhe über Ricardo verkaufen – zum ersten Mal überhaupt.

Auf das Inserat meldete sich ein Interessent, der im Bericht «Tiago» genannt wird. Zuerst habe alles unkompliziert gewirkt, der User habe die Schuhe persönlich abholen wollen. Für die Klärung der Verkaufsdetails habe «Tiago» vorgeschlagen, auf Whatsapp zu wechseln, da es die Nachrichten im Ricardo-Chat angeblich nicht anzeige.

Schritt für Schritt zu den Login-Daten der Bank

Alles schien trotzdem echt und normal. «Ich dachte, er sehe auf Whatsapp ja meine Telefonnummer nicht, und wähnte mich deshalb in Sicherheit.» Doch dann wollte «Tiago» plötzlich, dass er die Schuhe doch per Post schickt, da der Anfahrtsweg zu lang sei. Die Kosten würde er übernehmen.

Auch beim Bezahlen hatte der Interessent plötzlich einen Sonderwunsch. Da er kein Twint habe, würde er gerne die Ricardo-App mit Banküberweisung nutzen. Dafür benötige er nur die Mail-Adresse des Berners. Es war eine Masche, um dem 34-jährigen Familienvater ein Phishing-Mail zukommen zu lassen. Denn das Mail, das vermeintlich von Ricardo stammte, forderte ihn auf, auf einen Link zu klicken, um angeblich an das Geld zu kommen.

Über den Link gelangte der Mann schliesslich auf die vermeintliche Login-Seite seiner Bank, wo er Benutzername und Passwort eingab. Doch nicht der Berner war auf der echten Login-Seite unterwegs, sondern die Betrüger, die die Daten gleichzeitig eingaben, worauf beim 34-Jährigen eine Push-Meldung der Bank erschien, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu bestätigen.

Nur 8 Franken blieben übrig

So erhielten die Betrüger Zugang zum Bankkonto der Familie. Damit tätigten sie Käufe und Überweisungen ins Ausland. Die 40'000 Franken verschwanden in alle Richtungen, bis drei Tage später nur noch 8 Franken auf dem Konto waren. Es war der Moment, als die Frau des Berners eine Rechnung bezahlen wollte, was nicht ging.

Während die Polizei dem 34-Jährigen erklärt habe, dass ihn keine Schuld treffe, sieht das die Bank anders. Schliesslich habe er die Zwei-Schritt-Authentifizierung freigegeben, so die Begründung. Trotz Einsicht, viele Fehler gemacht zu haben, will der Berner das nicht so stehen lassen: «Dass nirgendwo Alarm geschlagen wird, wenn das gesamte Geld eines Kontos in wenigen Stunden ins Ausland überwiesen wird, ist für mich nicht nachvollziehbar.»

Dennoch verweist die Bank auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» lediglich darauf, dass es klare Prozesse und Zuständigkeiten zur Identifikation von Betrugsfällen gebe. Dafür arbeite man auch mit erfahrenen externen Zahlungsdienstleistern zusammen. Dass die Familie ihr Geld zurückerhält, erscheint unwahrscheinlich. Die Hoffnung auf Kulanz hat sie aber noch nicht aufgegeben. (vro)

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101 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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purzelbau0
02.06.2026 15:45registriert September 2018
Auch wenn ich vorsichtig und aufmerksam bin, kann dies fast jedem passieren. Für mich gibt es aktuell nur eine Lösung, um mich halbwegs tauglich vor solchen Betrügerein zu schützen. Spar und Lohnkonto auf einer Bank, das Konto für den Zahlungsverkehr bei einer anderen. Vom Lohnkonto wöchtenlich nur den benötigten Betrag überweisen. So können Verbrecher nur den Wochenbetrag auf dem Zahlungskonto klauen. Denn auch wenn sie an diese Logindaten herankommen, gibt es keinen direkten Zugung auf die Konten mit den grossen Beträgen. Schadensbegrenzung halt.
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domin272
02.06.2026 15:44registriert Juli 2016
Ich verstehe auf einer Seite die Schwierigkeiten in die der Mann dadurch gekommen ist und möchte es ihm gönnen würde man eine gütliche Lösung finden. Auf der anderen Seite muss ich hier allerdings zum ersten mal auch der Bank einen guten Punkt zugestehen. Wie kommt man bitte auf die Idee über einen Link eines unbekannten auf Whatsapp auf seine Bank zuzugreifen?! Das stinkt ja schon von 1000 Kilometer gegen den Wind nach Betrug, gerade wenn der angebliche Käufer so viele Abmachungen kurzerhand spontan ändert und das aus fadenscheinigen Gründen.
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kusel
02.06.2026 15:21registriert Januar 2015
Gut habe ich keine Schuhe
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