Schweiz
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Nach «Charlie Hebdo»-Attentat

Oberster Muslim in der Schweiz: «Ich erhalte jede Woche Schimpf- und Drohbriefe»

Der Terroranschlag auf «Charlie Hebdo» hat die Stimmung gegen die rund 430'000 Muslime in der Schweiz angeheizt. Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), zeigt sich besorgt und wünscht sich vom Bundesrat ein Zeichen der Solidarität.



Hisham Maizar, Praesident der Foederation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz (FIDS), aeussert sich an einer Medienkonferenz in der El-Hidaje-Moschee, in welcher am Freitag, 22. August 2014, ein Mann erschossen wurde, am Donnerstag, 28. August 2014, in St. Gallen-Winkeln. Ein 51-jv§hriger Mann albanischer Abstammung hatte mit einer Faustfeuerwaffe mehrmals auf das Opfer ‚Äì ebenfalls mit albanischen Wurzeln ‚Äì geschossen. Das Opfer verstarb noch am Tatort. Die Kantonspolizei St. Gallen stellte bei ihren Ermittlungen eine Verbindung her zwischen dem aktuellen Toetungsdelikt und einer Ausseinandersetzung im Jahr 1997 in Walenstadt zwischen dem Opfer sowie dem mutmasslichen Taeter und dessen Bruder. Dabei sei der Bruder ums Leben gekommen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Hisham Maizar: «Gewalt lehnen wir Muslime grundsätzlich ab.» Bild: KEYSTONE

Hisham Maizar (73) lobt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre öffentliche Aussage: 

«Der Islam gehört zu Deutschland»

Ein solches Zeichen wünsche er sich auch von der Schweizer Landesregierung, sagt der Arzt und gebürtige Palästinenser.

Die Ressentiments gegen die muslimische Bevölkerung bekommt Maizar, der seit über 30 Jahren Schweizer Bürger ist und als gemässigt und besonnen gilt, ganz persönlich zu spüren: Er erhalte jede Woche einen oder zwei Schimpf- und Drohbriefe, erzählt er.

Welle anti-islamischer Vorfälle in Frankreich

Nach den Terroranschlägen in Paris ist die Zahl anti-islamischer Vorfälle in Frankreich sprunghaft angestiegen. In den zwei Wochen nach der islamistischen Anschlagsserie von Paris wurden fast so viele islamfeindliche Akte gemeldet wie im gesamten Vorjahr. Dies teilte die islamische Dachorganisation Frankreichs (CFCM) am Freitag in Paris mit. Im einzelnen seien es 33 Aktionen gegen Moscheen und islamische Einrichtungen gewesen sowie 95 weitere Drohungen, die seit dem Attentat auf «Charlie Hebdo» etwa in Briefen formuliert wurden. Mit bis zu fünf Millionen Gläubigen und mehr als 2300 Gebetshäusern ist der Islam die zweitgrösste Religion im Land. (sda/dpa)

Die Schweizer Islam-Verbände verurteilten den Terroranschlag von Paris. In einer von Maizar mitunterzeichneten Stellungnahme zeigten sie sich zutiefst betroffen, dass ein Massenmord im Namen des Islam begangen wurde. «Gewalt lehnen wir grundsätzlich ab», betont Maizar. Auch der Koran sage dies klar.

Beleidigende Karikaturen

Gleichzeitig verhehlt der Muslim-Vertreter sein Missfallen über die Mohammed-Karikaturen von «Charlie Hebdo» nicht. Dass die Satirezeitschrift die Leitfigur des Islam ins Lächerliche ziehe, sei nicht nur Provokation, sondern eine Beleidigung für die 1.6 Milliarden Muslime auf der Welt.

Zwar enthalte der Koran auch Stellen, die zum «Töten der Ungläubigen» aufriefen. Diese müssten aber im historischen Kontext verstanden werden. Die viel wichtigere Botschaft des Korans sei der Aufruf zum Glauben und zur Barmherzigkeit.

Mitten im Gespräch ruft der Muezzin – ein Klingelton von Maizars Handy. Der gläubige Muslim schmunzelt – er lässt sich auf diese Weise ans Nachmittagsgebet erinnern. Fünf Mal am Tag legt er in seiner St.Galler Wohnung den Gebetsteppich nach Südosten in Richtung Mekka aus, um zu beten.

Das steht in der neuen «Charlie Hebdo»-Ausgabe

Kopftuch – Symbol des Respekts

Eine «wichtige Frage» sieht Maizar im Tragen des Kopftuchs in der Schule. Dass das Bundesgericht sich zum Fall einer Schülerin aus St.Margrethen SG äussern muss, begrüsst er. Um das Kopftuch gebe es Missverständnisse. Das Tuch sei «ein Symbol des Respekts und des Anstandes».

Dass die Frauen gemäss Koran ihre Reize nicht zur Schau stellen dürfen, diene dem Schutz ihrer Freiheit und Würde. Das Kopftuch sei kein Zeichen der Unterdrückung der Frauen. Das Recht, ein Kopftuch zu tragen – auch in der Schule –, müsse durch die Glaubensfreiheit geschützt werden.

Viele Muslimas in der Schweiz befolgten die Kopftuchvorschrift nicht. Deswegen seien sie genau gleich Muslimas, erklärt Maizar. Unnötig findet er Regelungen über das Tragen von Burkas, wie sie die St.Galler Regierung derzeit prüft. In der Schweiz wären davon nur Touristinnen aus arabischen Ländern betroffen.

Mit Bischof befreundet

Neben der Föderation Islamischer Dachorganisationen präsidiert Hisham Maizar auch den Schweizerischen Rat der Religionen, der sich für ein Zusammenleben in Frieden und Freiheit und für Integration einsetzt. Maizar pflegt guten Kontakt zu den übrigen Schweizer Kirchen.

So ist er mit dem früheren St.Galler Bischof Ivo Fürer befreundet. Dieser habe ihn beeindruckt, als er 2002 in einem Hirtenbrief zur «Achtung vor dem Islam» aufgerufen habe, erzählt Maizar. Fürer war auch «Geburtshelfer» bei der Gründung des Dachverbands Islamischer Gemeinden der Ostschweiz (DIGO). (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Michel@sith 23.01.2015 20:29
    Highlight Highlight Was sind Männer doch für wilde Tiere, dass sich die Frauen zu Ihrem Schutz bedecken müssen.
  • Der Tom 23.01.2015 14:24
    Highlight Highlight Eigentlich sollte sich die Menschheit langsam von den Religionen lösen. Der Islam gehört ganz sicher nicht zur Schweiz. Auch die anderen beiden Religionen sollten ihren Sonderstatus verlieren und zum Verein werden.

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