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Huge in Japan: Andy Hug, der «Samurai mit den blauen Augen». Bild: AP

Unvergessen

Andy Hug feiert den grössten Erfolg seines Lebens, das viel zu früh endet

6. Mai 1996: In Yokohama gewinnt Andy Hug das «K-1 World Grand Prix Finale». In Japan ist der Metzger aus Wohlen da schon längst ein gefeierter Kampfsportler. Sein früher Tod nur vier Jahre später macht ihn erst recht zur Legende.



Er war wohl der grösste Kampfsportler, den die Schweiz je hatte. Doch Andy Hug musste einen Umweg nehmen, um im eigenen Land als etwas zu gelten. Von Japan aus eroberte «der Samurai mit den blauen Augen» die Herzen auch in der Heimat.

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Angefeuert von «Andy, Andy»-Rufen der japanischen Fans gewinnt Hug 1996 das «K-1 World Grand Prix Finale». Video: YouTube/Christo Alves

Hug wächst gemeinsam mit zwei Geschwistern bei den Grosseltern in Wohlen auf. Sein Vater, der bei der Fremdenlegion war und den er nie sah, starb früh. In ärmlichen Verhältnissen hätten sie gelebt, berichtet er später, ohne Dusche, Bad oder Warmwasser. Als Fussballer ist Andy Hug talentiert, doch seine wahre Leidenschaft ist der Kampfsport.

Früh gewinnt er Turniere, kommt als Teenager in die Karate-Nati und bestreitet 1983 als 19-Jähriger seine erste WM. Gleichzeitig schliesst er eine Lehre als Metzger ab. Dies und der Sport halten ihn auf dem rechten Weg, denn zeitweise droht er als Partylöwe, Schläger und Gelegenheitsdieb abzudriften.

Der legendäre «Andy Kick»

Seine Karriere erlebt 1993 den entscheidenden Wendepunkt: Aus dem Karateka wird ein K-1-Kämpfer. Der neu erfundene Kampfsport vereinigt Elemente aus Karate, Kung-Fu und Kickboxen und scheint Hug mit seinen Fähigkeiten auf den Leib geschneidert.

Besonders gefürchtet ist sein «Andy Kick». Kein anderer Kämpfer bringt das Bein so hoch wie er, Hug kann die Ferse mit vollem Karacho auf den Kopf oder die Schulter des Gegners hauen. Sitzt der «Andy Kick» bedeutet er in den meisten Fällen den Knockout.

Swiss Andy Hug, left, charges Dutch Ernesto Hoost during their match of K-1 Grand Prix 1999 at the Tokyo Dome in Tokyo Sunday, December 5, 1999. Hug lost to Hoost by a decision.  (KEYSTONE/AP Photo/Nikkan Sports)    === JAPAN OUT, , NO ARCHIVE, MANDATORY CREDIT ===

Hug 1999 mit dem «Andy Kick» gegen den Holländer Ernesto Hoost. Bild: AP/Nikkan Sports

Drei Kämpfe an einem Nachmittag zum grossen Triumph

Zum Höhepunkt der Laufbahn wird der 6. Mai 1996. Am «K-1 World Grand Prix Finale» in Yokohama bezwingt er Duane Van der Merwe im Viertel- und Ernesto Hoost im Halbfinal, bevor er im dritten Kampf des Tages Mike Bernardo im Final gegenübersteht. Der Südafrikaner hatte Hug in früheren Kämpfen zwei Mal ausgeknockt und gilt als sein grösster Rivale.

Doch an diesem Montag in Japan ist der Schweizer auf der Hut. Mit einem «Hug Tornado» schickt er seinen Gegner auf die Bretter. Andy Hug aus Wohlen ist K-1-Champion. Er ist ganz oben angekommen.

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SRF-Reportage mit dem K-1-Erfinder anlässlich Andy Hugs zehntem Todestag. Video: YouTube/LarsVegas26

Der Ruhm wird versilbert

Zeit, um nach jahrelangem harten Training und nicht weniger harten Fights die Ernte einzufahren. Die Schweiz wird von einer Welle der Begeisterung erfasst, Hug füllt mit seinen Kämpfen das Zürcher Hallenstadion.

Aber ein noch viel grösserer Star ist er in seiner Wahlheimat Japan. Sein Leben wird als Manga gedruckt und millionenfach verkauft. Hug wird als Werbefigur eingespannt und soll 1999 bei Japans Jugendlichen gar der berühmteste Ausländer überhaupt gewesen sein.

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Stärker als ein Bus: Andy Hug, der Werbestar in Japan. Video: YouTube/repserc

Der viel zu frühe Tod des Samurais

Im August 2000 schockt Hug seine Fans mit der Nachricht, dass er an Leukämie erkrankt ist. «Diese Krankheit stellt den wichtigsten Kampf meiner Karriere dar», schreibt er in einem offenen Brief, «aber ich werde ihn gewinnen. Verliert die Hoffnung nicht!»

Nur wenig später fällt Andy Hug nach Atembeschwerden ins Koma und wacht nie wieder auf. Am 24. August 2000 stirbt der Aargauer Samurai in Japan. In einem Kondolenzschreiben ehrt Bundespräsident Adolf Ogi den Verstorben: «Andy Hug hat uns nicht nur mit seinem Einsatz im Sport, sondern auch mit seinem Werdegang, seinem Mut, seiner Tatkraft und seiner Ausstrahlung ein Beispiel gegeben, das wir alle in Erinnerung behalten werden.»

Andy Hug hatte konkrete Pläne, nach dem Kampfsport auch als Schauspieler durchzustarten. Aber der grösste Schweizer Kampfsportler aller Zeiten wird nur 35 Jahre alt.

Swiss world kickboxing champion Andy Hug smiles in a picture next to his 1996 K-1 grad prix trophy on the altar during his wake at a Tokyo Buddhist temple Saturday, August 26, 2000. Hug died from an acute form of leukemia Thursday at a Tokyo hospital. He was 35. (KEYSTONE/AP Photo/Shizuo Kambayashi)     === ELECTRONIC IMAGE ===

Blumen, seine Kampfhose und der Gürtel für den Triumph am «K-1 World Grand Prix Finale 1996» erinnern auf dem Altar in einem Tempel in Tokio an den verstorbenen Andy Hug. Bild: AP

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • LifeIsAPitch 06.05.2020 17:06
    Highlight Highlight Unfassbar, dass schon fast 20 Jahre seit seinem tragischen Tod vergangen sind. Eine wahre Legende und vermutlich der einzige Kampfsport-Superstar, den die Schweiz jemals hatte.
  • Simon Bolivar Jr. 06.05.2020 16:20
    Highlight Highlight Als ehemaliger Kampfsportler war er immer eine Inspiration für mich. Ich bin heute älter als er geworden ist...
    Mein damaliger Karatelehrer Daniel Humbel sprach oft von ihm.
    Schade das in der Schweiz der Vollkontakt Kampfsport so verpöhnt ist. Mit Volkan Oezdemir haben wir auch einen Top 10 Kämpfer in der UFC.
    Vergessen wir aber nicht unsere anderen alten Helden wie Björn Bregy und Rocco Cipriano. Rocky kannte ich persönlich und trainierte Boxen im gleichen Boxkeller.

  • Abraham Colombo 06.05.2020 15:02
    Highlight Highlight Was für ein Held, als Kind habe ich jeden Kampf geschaut und das gantze Zimmer mit Poster zugepflastert. Ich spreche heute noch im rhetorischen Sinne vom Andy Kick😂
  • Moretti 06.05.2020 10:57
    Highlight Highlight Einer meiner Kindheitshelden. Habe witzigerweise erst gerade Vorgestern wieder diese hervorragende und intime Doku geschaut:
    Play Icon
  • luegeLose 06.05.2020 10:51
    Highlight Highlight War an einem seiner Kämpfe!! Eine Kampfmaschine. Wenn du von den Japanern als Samurai anerkannt bist, dann hast du es bei denen definitiv geschafft. Diese Ehre erreichte er übrigens nicht erst mit dem K2 GP, sondern mit seiner Demut und Bescheidenheit im Karatewettkampf. Er wäre dort schon Weltmeister geworden.
  • Bio Zitronensaft 06.05.2020 09:23
    Highlight Highlight Ich habe Andy Hug 2x live kämpfen sehen. Das war unfassbar beeindruckend.

    Wenn ich dann sehe, wie irgendwelche Bachelor C-Promi Typen einen eigenen Verband gründen und sich als Kickboxweltmeister feiern lassen, dann muss ich jeweils laut lachen.

    Besonders wenn man das Niveau dieser "Kämpfe" sieht. Ich wünschte mir, so einer müsste mal 30 Sekunden gegen Andy ran. Dieser "Weltmeister".
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 06.05.2020 11:47
      Highlight Highlight Selbst wenn Andy Hug noch leben würde, keiner dieser Maulhelden würde es wagen, sich ihm zu stellen.
      Andy müsste nur mal kurz niesen und sein Gegner würde umkippen.
    • Zinni 07.05.2020 12:56
      Highlight Highlight Andy würde nicht im traum daran denken, mit so jemandem in den ring zu steigen. Das wäre eine beleidigung für andy und eine entwürdigung des rings 😂😂
  • Oigen 06.05.2020 09:15
    Highlight Highlight Min Chindheits HELD

    Genauso zu früh wie sein grosser Rivale Bernardo

    RIP Helden
  • TheNormalGuy 06.05.2020 08:47
    Highlight Highlight Held meiner Kindheit.
  • THEOne 06.05.2020 07:28
    Highlight Highlight hab bei ihm sogar noch trainiert. einer der besten menschen überhaupt in meinem leben.
    danke nochmals für alles andy.
    gott, hab schon wieder kloss im hals
  • Propeller 06.05.2020 07:19
    Highlight Highlight Danke für den Artikel. Schaue mir heute noch diverse Kämpfe und Zusammenschnitte auf Youtube an.

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