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Schweiz
Coronavirus

Mehr als die Hälfte der Schweizer Corona-Toten starben in Altersheimen

Un soldat des troupes sanitaires de l' Armee Suisse aide une personne agee residente d'un Etablissement Medico-Social, EMS, lors de la pandemie de Coronavirus (Covid-19) ce mardi 12 mai 2020 dans le h ...
Bild: KEYSTONE

Mehr als die Hälfte der Schweizer Corona-Todesfälle stammt aus Altersheimen

18.05.2020, 22:4818.05.2020, 23:01

Dass Covid-19 vor allem für ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen gefährlich ist, ist bekannt. Eine Recherche des «Tagesanzeigers» zeigt nun jedoch das wahre Ausmass der Krankheit in Schweizer Alters- und Pflegeheimen. So sind bis jetzt 927 Personen in Altersresidenzen an den Folgen von Covid-19 gestorben. Das sind 53 Prozent aller Corona-Todesfälle.

Im Kanton Zürich sind es noch mehr: Insgesamt 81 der 127 Todesfälle fielen auf Bewohner und Bewohnerinnen in Altersresidenzen. Das sind 64 Prozent. Gabriela Bieri, Ärztliche Direktorin der Stadtzürcher Pflegezentren, gestand gegenüber dem «Tagesanzeiger», dass sich das Virus relativ einfach ausbreiten konnte. «Wir waren etwas hilflos.»

Die Zahlen stützen sich auf die Angaben aus 18 Kantonen, welche insgesamt 94 Prozent der Corona-Todesfälle in der Schweiz verzeichnen. Die effektive Zahl dürfte allerdings noch höher liegen, da nur drei Kantone in den Statistiken angeben, wenn Bewohner von Altersheimen ins Spital verlegt wurden und dort verstarben. Alle anderen Kantone geben nur den Sterbeort an.

Gleich viele Tote in Altersheimen wie in Schweden

Vergleicht man die Sterberate in Schweizer Altersresidenzen mit jener aus Schweden, so stellt man keine grosse Unterschiede fest. Auch in Schweden zeigen Statistiken, dass mehr als die Hälfte der Todesfälle in Alten- und Pflegeheimen gezählt wurden.

Dort sprechen die Medien bereits davon, dass «die Alten geopfert» wurden. Auch Behördenvertreter geben ihr Versagen zu. Die Regierung untersucht, was schiefgelaufen ist.

Nicht so in der Schweiz. Die Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte der Schweiz (VKS) sieht keinen Handlungsbedarf. So sagte Präsident Rudolf Hauri gegenüber dem «Tagesanzeiger», dass es «in der Natur der Sache» liege, dass es in Alters- und Pflegeheimen zu häufigen Todesfällen komme. Weiter sagte er:

«Es ist unangebracht, davon zu sprechen, dass ältere Personen in der Schweiz geopfert wurden. Sobald die Faktenlage klargemacht hatte, dass unter anderem ältere Personen besonders durch das neue Coronavirus gefährdet sind, haben Bund und Kantone ihre Kommunikation und ihre Massnahmen entsprechend ausgelegt.»

Kein nationales Schutzkonzept

Der nationale Verband der Alters- und Pflegeheime «Curaviva» ist etwas selbstkritischer und räumt Fehler ein. Es habe an Schutzmaterial und Wissen über das Virus gefehlt. «Dessen Gefährlichkeit zeigte sich in der zweiwöchigen Inkubationszeit ohne oder nur mit leichten Symptomen», sagte Markus Leser, Leiter des Fachbereichs Menschen im Alter bei «Curaviva» gegenüber der Tamedia-Zeitung. So habe sich das Virus anfangs unbemerkt verbreitet können.

Ein nationales Schutzkonzept, oder selbst minimale Vorgaben vom Bund, lehnt «Curaviva» allerdings ab. Man sei zufrieden mit der bestehenden Regelung. Der Bund schreibt momentan lediglich vor, dass die Heime überhaupt ein Schutzkonzept haben müssen. Wie dieses aussieht, kann von Ort zu Ort unterschiedlich sein. (dfr)

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40 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bivio
18.05.2020 23:30registriert März 2018
Wie sieht es im Vergleich zu bsp. 2019 oder 2018 aus? Liegt die Sterberate höher? Eine Kollegin, welche in einem Alters- und Pflegeheim arbeitet, hat mir erklärt, dass bei ihnen die Todesfälle tiefer sind, als in "normalen" Jahren. Dies weil vermehrt darauf geschaut wird, dass keine Infektionen (innerhalb des Heims und von Aussen her) entstehen. In normalen Jahren kommt halt der Sohn oder die Enkelin mit Grippe o.Ä. ins Alterheim das Grosi besuchen.
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lilie ❤ Bambusbjörn
19.05.2020 07:55registriert Juli 2016
Aus dem Tessin wurden Zahlen bekannt, wonach von über 130 Todesfällen aus Altersheimen nur 29 im Spital verstarben.

Offenbar sind viele alte, gebrechliche und kranke Menschen nicht mehr gewillt, sich im Falle eines medizinischen Notfalles noch ins Spital karren zu lassen. Sie ziehen es vor, in ihrer vertrauten Umgebung gepflegt zu werden und allenfalls dort auch zu sterben.

Ihren Willen diesbezüglich halten sie in einer Patientenverfügung fest. Selbstbestimmung ist auch im Sterben essentiell.
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drüber Nachgedacht
19.05.2020 09:11registriert Dezember 2017
Bei uns ist das Alterheim knappe hundert Meter von der Migros entfernt.
Viele der Altersheim Bewohner waren auch während der stärksten Coronaphase täglich in der Migros, da dies zu ihrem täglichen Ritual gehört.
Ob man da jemandem einen Vorwurf machen kann ist schwer zu sagen. Auch alte Leute haben ein Recht auf Selbstbestimmung.
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