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Nach dem toggenburgischen «Süddeutschland»-Gig feiern Nazis «tief im Westen des Reiches»

Tausende Rechtsextreme feierten am Samstag im Toggenburg. Das Vorgehen der Veranstalter erinnert an Konzerte im Elsass: gegenüber der Hallenvermieter wird von einer privaten Feier geredet. Diese entpuppt sich dann als Grossanlass.

Samuel Hufschmid / bz Basel



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Trotz Handy-Verbot gelangten (hier anonymisierte) Fotos an die Öffentlichkeit.

Das Vorgehen ist immer dasselbe: Auf sozialen Medien und per Flyer wird ein Neonazi-Konzert beworben, mit Bandnamen und Datum, jedoch ohne Veranstaltungsort. Dieser wird den Teilnehmern erst kurzfristig via anonyme Telefonnummer oder alternativ auch über die verschlüsselte Schweizer Messenger-App «Threema» mitgeteilt.

Um trotzdem eine ungefähre Orientierung zu bieten, wird das Einzugsgebiet grob eingegrenzt – beim «Rocktoberfest» mit mehreren Tausend Teilnehmern am Samstag in der St. Galler Gemeinde Unterwasser wurde als Veranstaltungsort «Süddeutschland» genannt, bei einem ähnlichen Konzert 2014 im Elsass hiess es «Mittel Europa».

Tarnung als Geburtstagsessen

Gleichzeitig machen sich die Organisatoren auf die Suche nach gutgläubigen Hallenbesitzern in vorwiegend ländlichen, aber grenznahen Gegenden. Den Vermietern wird eine private Feier vorgegaukelt, in Unterwasser war es ein «Konzert mit fünf, sechs jungen Schweizer Bands», im Elsass ein «Geburtstagsessen».

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Statt der angekündigten kleinen Anzahl Teilnehmer kommen dann massenhaft Neonazis, halten ihr Konzert ab und verschwinden wieder. Dass es trotz Facebook und Youtube kaum Bilder und Videos gibt, hat mit dem selbstauferlegten Handy-Verbot in der Szene zu tun, auf das auch jeweils bereits auf den Werbe-Flyern hingewiesen wird.

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Extremismusexperte Samuel Althof. bild. samuel althof

Der Basler Extremismusexperte Samuel Althof sagt: «Die liberale Gesetzgebung macht die Schweiz für solche Veranstaltungen attraktiv: Im Gegensatz zu Deutschland braucht es eine Straftat, damit die Polizei aktiv werden kann.»

Es sei schwierig, die Vermieter verantwortlich zu machen. «Es gibt sicher Gemeinden, gerade im Elsass, die mittlerweile das Vorgehen der Neonazis kennen und bei zweifelhaften Anfragen genauer Nachfragen. Aber ganz ausschliessen lässt sich ein solches Konzert nie.»

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«Strategisch günstige Lage nahe an der Grenze»

Die linksautonome Organisation Autonome Antifa Freiburg schreibt auf Anfrage: «Aktive Aufklärung auf lokaler Ebene ist sicherlich hilfreich und wird in Frankreich auch gemacht.» Dass grenznahe Gebiete in der Schweiz das Elsass als optimalen Veranstaltungsort für Neonazi-Konzerte abgelöst hätten, glaubt die Vereinigung nicht. «Nazikonzerte gibt es dort weiterhin, in Deutschland auch. Nur halt nicht in solchen Grössenordnungen und mit solch skandalösen Reaktionen von Lokalpolitik und Behörden im Nachhinein.»

Althof sagt: «Egal ob die Ostschweiz oder das Elsass, mitentscheidend ist die strategisch günstige Lage nahe an der Grenze zu Deutschland.» Dies trifft auch auf das nächste grössere Nazi-Treffen zu, das derzeit auf einschlägigen Facebook- und Websites beworben wird.

Der 5. November als Datum und die Bands sind aufgeführt, dazu als ungefährer Veranstaltungsort «tief im Westen des Reiches». Und der Hinweis darauf, dass weitere Informationen über die Schweizer Messenger-App «Threema» erhältlich sind.

(bzbasel.ch)

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