Höchstwert erreicht: So heiss waren Juni und Juli in Westeuropa noch nie
In Westeuropa war es zwischen dem 1. Juni und dem 31. Juli noch nie so heiss wie 2026. Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus verzeichnete für die beiden Monate eine Durchschnittstemperatur von 21,62 Grad Celsius, ganze 2,79 Grad über dem langjährigen Mittel von 18,83 Grad. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2022 wurde um beinahe ein Grad übertroffen.
Die Hitze hielt dabei nicht nur über einige besonders heisse Tage an. Seit Mai erlebte Westeuropa bereits vier Hitzewellen, zwei davon im Juli. Zwar waren diese laut Copernicus weniger intensiv als jene im Juni, in ihrer Abfolge war die Hitze aber aussergewöhnlich. Besonders deutlich über dem langjährigen Mittel lagen die Temperaturen in Frankreich, Spanien, England und Irland.
Für ganz Europa ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Über den europäischen Landflächen war der Juli 2026 «nur» der elftwärmste seit Beginn der Copernicus-Datenreihe. Der Grund dafür ist ein ausgeprägter Gegensatz zwischen West und Ost: Während der Westen unter grosser Hitze litt, war es in weiten Teilen Osteuropas und Skandinaviens kühler als im Durchschnitt. Global war der Juli gemeinsam mit dem Juli 2024 der zweitwärmste seit Messbeginn – nur der Juli 2023 war noch wärmer.
Auch die Meere auf Rekordniveau
Noch deutlicher fällt der Rekord bei den Meeren aus. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Meere ausserhalb der Polarregionen zwischen 60 Grad Süd und 60 Grad Nord erreichte im Juli 20,96 Grad Celsius. Das ist der höchste Juli-Wert in der Copernicus-Datenreihe. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2023 lag bei 20,89 Grad.
Besonders warm war das Meer auch rund um Europa. Entlang der europäischen Atlantikküste und im westlichen Mittelmeer wurden für einen Juli rekordhohe Oberflächentemperaturen registriert. In zahlreichen Gebieten herrschten starke oder schwere marine Hitzewellen. Gleichzeitig waren auch grosse Teile des tropischen Pazifiks aussergewöhnlich warm. Dort haben sich El-Niño-Bedingungen entwickelt, die sich nach Einschätzung von Copernicus in den kommenden Monaten weiter verstärken dürften.
Hitze und Trockenheit verstärken sich
Die hohen Temperaturen gingen in Westeuropa mit anhaltender Trockenheit einher. Schon im Mai und Juni war es vielerorts zu trocken gewesen, im Juli verschärfte sich die Lage weiter. Besonders in Frankreich, Spanien sowie in Teilen Deutschlands und Grossbritanniens wurden aussergewöhnlich geringe Niederschlagsmengen oder eine aussergewöhnlich niedrige Bodenfeuchte gemeldet.
Laut Copernicus war die Bodenfeuchtigkeit in Westeuropa im Juli sogar deutlich niedriger als im Juli 2022, als die Region bereits von einer schweren Dürre betroffen war. Das zeigte sich auch an den Flüssen: In weiten Teilen der von Trockenheit betroffenen Gebiete lagen die Abflüsse deutlich unter dem Durchschnitt, teilweise auf aussergewöhnlich tiefem Niveau. Besonders betroffen waren die Seine, der Rhein und die Donau. Niedrige Wasserstände setzen nicht nur die Wasserversorgung und Landwirtschaft unter Druck, sondern beeinträchtigen auch die Schifffahrt, die Energieproduktion und die Ökosysteme der Flüsse.
Die Kombination aus Hitze und Trockenheit begünstigte laut Copernicus zudem die aussergewöhnliche Waldbrandaktivität in Westeuropa. Trocknet der Boden aus, verdunstet weniger Wasser und damit fällt ein natürlicher Kühleffekt weg. Wie Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage bei Copernicus erklärt, könne sich die Luft dadurch noch stärker aufheizen. Zudem sei dies ein exemplarisches Beispiel dafür, wie der Klimawandel Hitzeextreme verstärken könne, wird Burgess weiter zitiert.
Auch Rekordhitze in der Schweiz
Die aussergewöhnlichen Bedingungen machten auch vor der Schweiz nicht halt. Gemäss MeteoNews lag die Durchschnittstemperatur im Juli 3,5 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Damit war es der heisseste Juli seit Messbeginn. Gleichzeitig fiel schweizweit weniger als die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge. In Basel-Binningen betrug das Niederschlagsdefizit laut MeteoNews sogar 88 Prozent.
Auch die Messungen von MeteoSchweiz zeigen, wie aussergewöhnlich der Monat war. In der Ende Juli veröffentlichten vorläufigen Bilanz lag die landesweit gemittelte Temperatur bei 17,8 Grad und damit 3,2 Grad über der Norm 1991 bis 2020. Damit lag der Juli bis kurz vor Monatsende auf Rang eins seit Messbeginn 1864. Der Juni war in der Schweiz zuvor bereits der drittwärmste seit Beginn der landesweiten Messreihe gewesen.
