DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das FCB-Auswärtsspiel in Mailand dauerte für Rolf Bantle elf Jahre.<br data-editable="remove">
Das FCB-Auswärtsspiel in Mailand dauerte für Rolf Bantle elf Jahre.
bild: Nicole Nars-Zimmer

Im Mailänder San Siro verirrt: Verschollener Basel-Fan nach elf Jahren wieder aufgetaucht

Es kommt selten vor, dass in der Schweiz jemand als verschollen erklärt wird. Noch seltener taucht ein Verschollener wieder auf. Genau das ist nun geschehen: Ein FCB-Fan ist durch einen Unfall zurück nach Basel gekommen.
02.11.2015, 07:4902.11.2015, 08:42

Vom Basler Rolf Bantle fehlte seit dem 24. August 2004 jede Spur: Er war während eines Spiels des FC Basel in Mailand verschwunden. Man suchte ihn vergebens. Er wurde für verschollen erklärt. Jetzt meldet sich der inzwischen 71-Jährige in der Zeitung «Schweiz am Sonntag» zu Wort.

Er sagt, er habe sich damals im San-Siro-Stadion verirrt und seine Gruppe nicht wiedergefunden. Und er habe dann auf Mailands Strassen gelebt – als Obdachloser. Dort nannten ihn die Menschen liebevoll «Rudi». Erst ein Unfall beförderte Bantle zurück nach Basel, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt. 

«Bin gleich wieder da»

An jenem 24. August führte Inter Mailand gegen den FC Basel mit 4:1 in der dritten Runde der Champions-League-Qualifikation, als Rolf Bantle aufs Klo musste. «Bin gleich wieder da», sagte er zu seinen Kollegen. Er verschwand in den langen Gängen des Stadions – und verirrte sich. 

Bantle gehörte zu einer Gruppe des Wohn- und Werkheims Dietisberg, die einen Tagesausflug nach Mailand unternahm. 

Als Bantle das WC wieder verliess, war das Match vorbei und die Gänge füllten sich mit Tausenden Menschen. «Ich war plötzlich in einem ganz anderen Sektor», erzählt er der «Schweiz am Sonntag». Vor dem Stadion machte er sich auf die Suche nach dem Car – vergeblich. «Irgendwann wurde mir das zu blöd.» Immerhin hatte er 20 Euro und 15 Franken dabei, das würde für ein paar Tage reichen, dachte er sich. 

Das San Siro in Mailand: In diesen Gängen verlor Rolf Bantle die Orientierung.<br data-editable="remove">
Das San Siro in Mailand: In diesen Gängen verlor Rolf Bantle die Orientierung.
Bild: STEFANO RELLANDINI/REUTERS

Doch dann blieb er nicht nur einige Tage, sondern Monate, Jahre – elf Jahre. Er lebte im Bezirk Baggio im Westen der Stadt, einem beschaulichen Quartier mit günstigen Wohnungen. Hier leben auch viele Studenten. «Ganz Baggio rief mich bald Rudi, von Rodolpho. Es gab für mich schnell keinen Grund mehr, heimzukehren», erzählt Bantle, der keine Familie in der Schweiz hatte, auch keine Kinder oder Geschwister. Aufgewachsen war er bei Pflegeeltern im Kanton Bern, die vor langer Zeit verstorben sind.

Die Amtsvormundschaft Basel-Stadt meldete ihn derweil als vermisst. Die Fahndung nach ihm war erfolglos geblieben. Bantle lebte so ein Leben ohne Vormund und ohne Vorschriften. In Baggio war er bald bekannt. Betteln musste er selten. Dafür wurde er oft eingeladen. Leute spendierten ihm Zigaretten, Kaffee oder einen «Becher Wein». 

Beinbruch zwang Bantle zur Rückkehr

Zurück nach Basel kam er wegen eines Unfalls. Eines Abends im April 2015 rutschte er auf dem Trottoir aus und brach sich einen Oberschenkelknochen. Er landete im Spital. Weil er nicht versichert war, organisierte das Schweizer Konsulat einen Transport ins Universitätsspital Basel. 

Rolf Bantle lebt jetzt im Basler Alterszentrum «Zum Lamm».<br data-editable="remove">
Rolf Bantle lebt jetzt im Basler Alterszentrum «Zum Lamm».
bild: nicole nars-zimmer

Nach der Reha kam er schliesslich ins Alterszentrum «Zum Lamm». Die Verschollenerklärung wurde am 15. September 2015 «infolge Wiederauftauchens» aufgehoben. 

Rolf Bantle vermisst sein Leben in Mailand allerdings nicht. «Zehn Jahre sind genug, und hier geht es mir ja jetzt gut», sagt er. 

Jetzt auf

 

  (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9
Erster Fall von Affenpocken in der Schweiz
Nun haben die Affenpocken auch die Schweiz erreicht: Der Kanton Bern hat am Samstag den ersten Fall gemeldet. Die betroffene Person befindet sich in Isolation.

In der Schweiz ist ein erster Fall von Affenpocken bestätigt. Es handelt sich um einen Fall im Kanton Bern, wie die kantonale Gesundheitsdirektion am Samstag mitteilte. Der Fall wurde am Freitag gemeldet und hat sich nach Laboruntersuchungen bestätigt.

Zur Story