Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Grüne Städte sind nicht stressig»

Grüne fordern Verdichtung gegen «Dichtestress»

«Der Bundesrat setzt falsche Anreize». Die Grünen präsentieren Vorschläge zur Raumplanung. Bild: KEYSTONE

Im Kampf gegen die Zersiedelung fordern die Grünen verdichtetes Bauen: Die bereits bebauten Flächen sollen besser genutzt werden. Zu «Dichtestress» führt Verdichtung aus Sicht der Grünen nicht zwingend. Der Bund setze heute aber die falschen Anreize. 



«In grünen Städten bedeutet Verdichtung nicht Stress», sagte Adèle Thorens, Co-Präsidentin der Grünen, am Dienstag vor den Medien in Bern. Es sei die Fehlentwicklung, die zu Stress führe, nicht die Dichte. 

Dass es in der Raumplanung ein Umdenken braucht, steht für die Grünen ausser Zweifel. Sie verweisen dabei auch auf den Willen des Stimmvolkes. Mit dem Ja zum revidierten Raumplanungsgesetz und zur Zweitwohnungsinitiative habe das Volk eine «Raumplanungswende» beschlossen. 

Die Gruenen Adele Thorens, Sainte-Croix, links, und Guy Morin, Basel, rechts, propagieren im Namen der Gruenen Partei der Schweiz Vorschlaege fuer dichteres Bauen mit hoher Lebensqualitaet am Dienstag, 22. April 2014 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Dichteres Bauen und höhere Lebensqualität: Adele Thorens und Guy Morin präsentieren die Vorschläge der Grünen. Bild: KEYSTONE

Grüne fordert Verdichtung, nicht grössere Bauzonen

Die Umsetzung fällt jedoch ganz und gar nicht nach Vorstellung der Grünen aus. Der Bundesrat missachte den Volkswillen, sagte Thorens. Dies sei ein Spiel mit dem Feuer, denn mangels überzeugender Lösungen entscheide sich ein Teil der Bevölkerung für die Abschottung. 

Thorens sagte dies wohl nicht nur mit Blick auf die angenommene Masseneinwanderungsinitiative, sondern auch auf die noch bevorstehende Abstimmung über die Ecopop-Initiative, welche die Grünen bekämpfen. 

Die Gruenen Adele Thorens, Sainte-Croix, Guy Morin, Basel, und Tinetta Maystre, Lausanne, von links nach rechtrs, propagieren im Namen der Gruenen Partei der Schweiz Vorschlaege fuer dichteres Bauen mit hoher Lebensqualitaet am Dienstag, 22. April 2014 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Nach dem Ja zum revidierten Raumplanungsgestz: «Bundesrat missachtet den Volkswillen», sagt Grüne Adèle Thorens. Bild: KEYSTONE

Unzufrieden sind die Grünen insbesondere mit der Raumplanungsverordnung, die zusammen mit dem revidierten Gesetz am 1. Mai in Kraft tritt. Zur Bestimmung der Baulandreserven geht die Verordnung von einem Szenario mit 11 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern aus, was den Gemeinden ermöglicht, die Bauzonen zu vergrössern. 

Damit würden keinerlei Anreize für die Verdichtung des bestehenden Wohnraumes geschaffen, monieren die Grünen. Vor der Schaffung neuer Bauzonen müssten die existierenden besser genutzt werden. 

Bundesrat unter Einfluss der Baulobby? 

Auch bei der Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative, die vor der parlamentarischen Beratung steht, sind die Grünen mit der Stossrichtung unzufrieden: Der Bundesrat schenke sein Gehör primär der Baulobby und nicht der Bevölkerung. 

Beschliesst das Parlament keine striktere Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative, wollen die Grünen das Referendum ergreifen. Angekündigt haben sie am Dienstag ausserdem parlamentarische Vorstösse zur Raumplanung. 

So wollen sie mit einer Motion fordern, dass die Gemeinden das Verdichtungspotenzial ausschöpfen müssen, bevor sie neue Bauzonen schaffen dürfen. Eine weitere Motion verlangt, dass der Bund Fördermittel für Grünflächen bereitstellt, zum Beispiel im Agglomerationsprogramm. 

Konkrete Änderungsvorschläge

Damit verdichtete Siedlungen attraktiv sind, braucht es aus Sicht der Grünen nämlich Grünflächen. Weiter sollten die Gemeinden für eine gute Mischung von Wohnraum und Gewerbe sorgen und den Verkehr beruhigen. Beispiele gelungener Projekte präsentierten Guy Morin, der Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt, und Tinetta Maystre, Stadträtin von Renens VD. 

Die Gruenen Alec von Graffenried, Bern, Adele Thorens, Sainte-Croix, Guy Morin, Basel, und Tinetta Maystre, Lausanne, von links nach rechts, propagieren im Namen der Gruenen Partei der Schweiz Vorschlaege fuer dichteres Bauen mit hoher Lebensqualitaet am Dienstag, 22. April 2014 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Die Medienkonferenz der Grünen nahm den internationalen Earth Day zum Anlass ihrer Medienkonferenz. Bild: KEYSTONE

Gemeinsam mit Investoren und Eigentümern sei vieles möglich, sagte Morin. Es gelte, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. In Basel sei es heute beispielsweise nicht mehr zwingend, bei Wohnbauten Parkplätze zu erstellen. Ausserdem sei das Gesetz gegen den Abbruch von Liegenschaften gelockert werden. 

Anlass für die Medienkonferenz der Grünen war der internationale Earth Day, der am 22. April begangen wird und dieses Jahr «Grüne Städte» zum Thema hat. Rund drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer lebten in Städten, gab Thorens zu bedenken. Die gängige Vorstellung von der ländlichen Schweiz entspreche nicht der Realität. (rar/sda) 

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Heikler Datenaustausch: Schweiz meldet eritreische Geflüchtete ans Herkunftsland

Die Schweiz verrät Daten von abgelehnten Asylsuchenden dem Regime in Eritrea. Im Nationalrat werden nun Antworten vom Bundesrat gefordert.

Eritreische Flüchtlinge haben in den vergangen Jahren eine Asyl-Verschärfung nach der anderen erlebt. Faktisch haben jene Menschen, die vor der Diktatur und dem Nationaldienst flüchten, heute kaum mehr Chancen auf Schutz in der Schweiz: Zuerst wurde die illegale Ausreise als Fluchtgrund aberkannt, dann wurde behauptet, das Desertieren vom Nationaldienst stelle keine Gefahr für Rückkehrer dar. Und zuletzt entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass in Eritrea keine Situation allgemeiner …

Artikel lesen
Link zum Artikel