Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Initianten entrollen ein Plakat bei der Einreichung der Ecopop Initative ''Stopp der Ueberbevoelkerung - zur Sicherung der natuerlichen Lebensgrundlagen'' am Freitag, 2. November 2012 in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die Initianten bei der Einreichung der Unterschriften Bild: KEYSTONE

0.2 Prozent – ohne Ausnahme

Müssen Auslandschweizer draussen bleiben, wenn Ecopop angenommen wird?



Falls die Ecopop-Initiative bei einem Ja des Schweizer Stimmvolks wortgetreu umgesetzt würde, könnten Auslandschweizer nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren. Der Initiativtext verlangt, dass die Zuwanderung auf 0,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung beschränkt wird – Ausnahmen sind nicht vorgesehen.

Die Auslandschweizer-Organisation (ASO) findet dies absurd: «Das Initiativkomitee sieht nicht, wo das Problem liegt», sagt ASO-Co-Direktorin Ariane Rustichelli auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Tatsächlich präzisiert die Initiative nicht, mit welchen Mitteln die Zuwanderung reduziert werden soll. Vorschläge zur Kontingentierung fehlen. Wenn die Initiative angenommen würde, träfe dies also alle – «auch Auslandschweizer, die irgendwann in die Schweiz zurückkehren wollen», sagt Rustichelli. Dies sei absolut unverständlich.

Die vergessenen Schweizer

Es gibt etwa gleich viele Schweizer, die im Ausland leben, wie der Kanton Waadt Einwohner hat. Oder anders ausgedrückt: Rund 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben nicht in der Schweiz. «Das ist nicht nichts! Jedoch werden die Auslandschweizer oft vergessen», kritisiert Rustichelli. Dass eine solche Initiative ins Leben gerufen werde, sei symptomatisch für eine problematische Denkweise: «Es gibt auch Schweizer, die migrieren.»

Ecopop-Direktor Andreas Thommen widerspricht: «Die Ängste der ASO sind völlig unbegründet.» Das Recht für Auslandschweizer, in die Schweiz zurückzukehren, sei mit Artikel 24 der Bundesverfassung garantiert. Dort stehe: Schweizer «haben das Recht, die Schweiz zu verlassen oder in die Schweiz einzureisen».

«Wir haben nicht mehr Platz»

Thommen sieht kein Problem darin, die aktuellen Migrationsströme von Schweizerinnen und Schweizern in den Kontingenten zu berücksichtigen. «Am besten wäre es, allen Auslandschweizern bei der Einreise den Vorrang zu geben und danach zu schauen, wie viele Ausländer noch zusätzlich einreisen können, damit die 0,2 Prozent nicht überschritten werden.»

Sind Sie für die Ecopop-Initiative?

So würde die Limite eingehalten, argumentiert Thommen. Falls es eine grosse Zunahme von Auslandschweizern gäbe, die in die Schweiz zurückkommen möchten, müsste laut Ecopop-Direktor der Bundesrat handeln. «Die Regierung müsste es ihnen erlauben, in die Schweiz zurückzukehren.»

Abstimmung am 30. November

Diese Option wäre für Thommen aber wenig erfreulich: «Falls alle zurückkehren würden, hätten wir keinen Platz mehr.» Es gebe schon heute kaum freie Wohnungen.

Die Ecopop-Initiative wird am 30. November dem Stimmvolk unterbreitet. Neben der Begrenzung der Zuwanderung verlangt sie, dass mindestens 10 Prozent der Entwicklungshilfegelder für freiwillige Familienplanung eingesetzt werden sollen. Erklärtes Ziel ist der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. (jas/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Eine Gesellschaft, die auf Dauer eingesperrt wird, ist keine Gesellschaft mehr»

Mit Corona werden wir alle zu «Gefährdern». Der Philosoph und Wirtschaftsethiker Andreas Brenner sieht diese Entwicklung sehr kritisch. Im Interview spricht er über das Versagen von Politik und Medien und die verheerenden Folgen unserer Corona-Massnahmen für die armen Länder.

In Basel sind seit Montag Restaurants und weitere Einrichtungen geschlossen. Was denken Sie über solche Massnahmen? Andreas Brenner: Die Politik orientiert sich meiner Meinung nach hier wie überall zu stark an den Empfehlungen der Virologen. Das hinterlässt ein ungutes Gefühl und ist gesellschaftspolitisch hoch problematisch.

Was kritisieren Sie daran? Dieser Ablauf scheint logisch. Wir haben es seit dem Frühjahr mit gravierenden Einschnitten in die Gesellschaft zu tun, orchestriert von einer …

Artikel lesen
Link zum Artikel