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Grenzkonflikt um Vogelgrippe – Deutsche viel restriktiver als Schweizer

Das Virus breitet sich aus. Neu ist auch die Romandie betroffen. Die Behörden reagieren unkoordiniert.

andreas maurer / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Zwei Todesfälle am Genfersee versetzen die Behörden in Alarmbereitschaft. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen meldete gestern Samstag, dass im Lausanner Hafen bei einer Reiherente und einer Lachmöwe das Vogelgrippevirus H5N8 nachgewiesen worden sei. Zuvor waren ähnliche Fälle am Bodensee aufgetaucht.

Das Bundesamt hat nun die Massnahmen verschärft. Um jeden grösseren Schweizer See hat es eine Schutzzone von einem Kilometer erlassen. Dort darf Geflügel nicht mehr draussen, sondern nur noch in geschlossenen Räumen gehalten werden. Damit soll vermieden werden, dass Wildvögel das Virus auf Haustiere übertragen.

Une mouette rieuse, a gauche, et un canard col vert femelle, a droite, dans le port de Vidy a Lausanne. Deux oiseaux sauvages, un fuligule morillon et une mouette rieuse on ete  trouves morts dans le port de Vidy a Lausanne et ont ete diagnostiques positifs au virus de la grippe aviaire du type H5N8, a indique samedi l'Office federal de la securite alimentaire et des affaires veterinaires (OSAV) dans un communique. Les mesures de prevention seront renforcees autour de tous les plus grands lacs suisses. (KEYSTONE Christian Brun)

Für die Wasservögel gibt es keine Landesgrenzen.  Bild: KEYSTONE

Die Schutzzone gilt in der Schweiz nicht für Flüsse. Entlang dem Rhein zwischen Basel und dem Bodensee führt das zu einer absurden Situation. Denn die deutschen Behörden gehen restriktiver gegen die Vogelgrippe vor.

Strenge Deutsche 

Das zuständige Ministerium von Baden Württemberg hat entlang dem gesamten Rhein eine Schutzzone von 500 Metern angeordnet. Es gelten sogenannte Biosicherheitsmassnahmen. Vor Geflügelställen müssen Desinfektionswannen für Schuhe aufgestellt werden. Betreten darf man die Ställe nur mit Schutzkleidung. Alle Geflügelmärkte und ähnliche Veranstaltungen sind verboten. Die erlassenen Verfügungen sind bis zu fünf Seiten lang. Betroffen ist auch, wer nur ein paar Hühner im Garten hält.

Auf der Schweizer Seite des Rheines hingegen dürfen Geflügelhalter ihre Ställe weiterhin mit schmutzigen Gummistiefeln und in Alltagskleidung betreten. Auf einem Markt im Schweizer Rheinfelden dürften sie weiterhin mit Geflügel handeln, während dies im deutschen Rheinfelden untersagt ist.

30'000 Hühner werden in Deutschland getötet

Im Norden Deutschlands wurde das Vogelgrippevirus gestern Samstag in einer Hühnerfarm in Schleswig-Holstein mit 30 000 Tieren nachgewiesen. Alle Hühner werden getötet. So verlangt es die deutsche GeflügelpestVerordnung. Die Polizei sperrte den Betrieb ab. Die Notschlachtung beansprucht viel Zeit und dauert bis Montagmorgen. Ein Expertenteam ermittelt, wie das Virus eingeschleppt wurde. Die Bundesregierung hat einen Krisenstab einberufen. Der Verband der deutschen Geflügelwirtschaft fordert eine bundesweite Stallpflicht. Der Erreger ist für Menschen ungefährlich. (MAU)

Für gewisse Krankheiten kann ein Fluss ein Hindernis bei der Ausbreitung darstellen. Etwa für die Maul- und Klauenseuche, von der vor allem Schweine und Rinder betroffen sind. Bei der Vogelgrippe ist ein Fluss hingegen keine Barriere, sondern Verbreitungsweg. Auch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz wird die Enten und Schwäne nicht aufhalten können, von der Schweizer Wildnis über den Rhein zu einem desinfizierten Stall auf deutschem Hoheitsgebiet zu flattern.

ARCHIV - ZUR MELDUNG, DASS AM BODENSEE MEHRERE FAELLE VON VOGELGRIPPE AUFGETRETEN SIND, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Zivilschuetzer Bernhard Voegelin, rechts, holt zusammen mit Rolf Bertschinger, links, eine tote Reiherente aus dem Bodensee, aufgenommen am Mittwoch, 22. Maerz 2006, im Hafen von Romanshorn, wo derzeit Zivilschutzangehoerige im Einsatz gegen die Vogelgrippe stehen um die Kantonspolizei Thurgau zu entlasten. Die Thurgauer Zivilschützer werden täglich zwischen Diessenhofen am Hochrhein und der Thurgauer Gemeinde Horn am oberen Bodensee das rund 90 Kilometer lange Ufer abschreiten und tote Wasservögel einsammeln. Ausgerüstet sind die Dienstleistenden, die drei bis vier Tage im Einsatz stehen, mit Atemschutzmasken, Latexhandschuhen, Handdesinfektionsmitteln, Plastikmänteln, Überziehstiefeln und Plastiksäcken für die Kadaver. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Schon 2006 machte die Vogelgrippe zu schaffen. Bild: KEYSTONE

Sprachliche Unterschiede 

In ihren Verlautbarungen rühmen die Behörden beidseits des Rheins ihre Zusammenarbeit. Die Schweiz, Deutschland und Österreich stünden «in engem Kontakt» und würden ihre «Massnahmen koordinieren», heisst es in einer Mitteilung. Dass die Behörden die Gefahr auf der einen Rheinseite anders einschätzen als auf der anderen, wird nicht erwähnt.

Eher für Germanisten dürften die sprachlichen Unterschiede der drei Länder von Interesse sein. Die Schweizer verwenden den populären Begriff «Vogelgrippe», die Deutschen sprechen wie ihr Gesetzbuch von «Geflügelpest», während die Österreicher medizinisch korrekt vor «Aviärer Influenza» warnen.

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