Schweiz
Gesellschaft & Politik

300 Menschen demonstrierten in Bern für die Gleichstellung von Behinderten.

Teilnehmer an der Kundgebung "Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen" versammeln sich auf dem Bundesplatz, am Samstag, 17. Maerz 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Bild: KEYSTONE

Gleichstellung jetzt – Behinderte demonstrieren in Bern gegen Benachteiligung

17.03.2018, 18:2417.03.2018, 18:55

Schätzungsweise 300 Menschen haben am Samstag auf dem Berner Bundesplatz für die Gleichstellung von Behinderten demonstriert. 20 Jahre nach einer Grossdemonstration von Behinderten ebenfalls in Bern sei die Zeit dafür gekommen, hiess es an der Kundgebung.

Zwar habe die Schweiz im Jahr 2004 die Behinderten den Nichtbehinderten gleichgestellt, schrieb die Organisation Agile.ch im Vorfeld der Kundgebung in einer Mitteilung. Und 2014 habe die Schweiz die Uno-Behindertenrechtskonvention ratifiziert.

In Tat und Wahrheit gebe es aber immer noch viele Hindernisse für Behinderte. Noch sei eine volle, selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe etwa in den Bereichen Bildung, Arbeit, Mobilität, Wohnen und Gesundheitsversorgung nicht gegeben.

Bescheidenes Echo auf Umfrage

Dass das Ziel einer vollumfänglichen Gleichstellung von Behinderten nach wie vor in weiter Ferne liegt, zeigt für Agile.ch eine Umfrage, welche diese Organisation vor der Kundgebung bei allen 2254 Gemeinden der Schweiz durchgeführt hatte. So wollte die Organisation herausfinden, wie die Gemeinden die Gleichstellung umsetzen.

Nur sechs Prozent nahmen an der Umfrage teil und nur 36 Gemeinden setzen in den Augen des Dachverbands der Organisationen von Menschen mit Behinderungen die Gleichstellung von Behinderten gut um. Dazu gehören Städte wie Bern und St. Gallen, aber auch kleinere Gemeinden wie Muotathal SZ und Château-d'Oex VD.

Lohr für aktive Behinderte

Zu den Rednerinnen und Redner der Kundgebung gehörten die Zentralsekretärin von Agile.ch, Suzanne Auer, und der behinderte Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr. Auer bezeichnete die bescheidene Teilnahme der Gemeinden an der Umfrage als «ernüchternd». Lohr rief die Behinderten dazu auf, immer wieder auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen und aktiv zu sein.

«Wir dürfen keine weitere 20 Jahre mehr auf Gleichstellung warten müssen», sagte Lohr im strömenden Regen auf dem Bundesplatz. Vor 20 Jahren, am 14. März 1998, hatten an gleicher Stelle rund 8000 Menschen für einen Gleichstellungsartikel zugunsten Behinderter in der Bundesverfassung demonstriert. (sda)

Video von der Demo in Bern

Video: srf/SDA SRF
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
ChlyklassSFI // FCK NZS
17.03.2018 19:34registriert Juli 2017
Weiter so! Ziemlich beschämend, dass wir das nicht hinkriegen...
00
Melden
Zum Kommentar
4
«Es gibt nur ein Motiv, das diese Tat erklärt»: Psychiater zum Busbrand in Kerzers
Warum zündet sich ein Mann im Bus selbst an und reisst fünf weitere Menschen in den Tod? Der renommierte Psychiater Reinhard Haller weiss, wie Amokläufer ticken – und gibt eine Antwort.
Herr Haller, als was würden Sie diese Tat bezeichnen? War es ein erweiterter Suizid?
Reinhard Haller: Nein, das war ein erweiterter Mord. Beim erweiterten Selbstmord geht es letztlich darum, dass sich eine Person selbst töten will und dann das Liebste, was sie hat – oft sind das die Kinder oder andere Familienangehörige – mit in den Tod nimmt. Das geschieht gewissermassen aus altruistischen Motiven. Man will die Angehörigen in ein besseres Jenseits mitnehmen oder sie vor weiterem Elend bewahren, weil man die eigene depressive Stimmung fälschlicherweise auf sie überträgt. Man denkt: Denen geht es ja auch ganz schlecht, also tue ich ihnen etwas Gutes.
Zur Story