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SVP-Regierungsratskandidatin Aargau, Franziska Roth

Franziska Roth. Bild: AZ

SVP-Kandidatin Franziska Roth: Was ihre Ritalin-Aussage mit ihrem Sohn zu tun hat

SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth erklärt den Hintergrund ihrer umstrittenen Aussage über Ritalin, warum ihr Sohn ins Internat gewechselt hat und wie sie ihre schlechten Umfragewerte interpretiert.



«Es gibt Kinder, die unterfordert sind und den Betrieb stören – denen würde man am liebsten löffelweise Ritalin geben, damit sie daran ersticken, wenn sie den Mund aufmachen.»

Der wohl meistdiskutierte Satz im Aargauer Wahlkampf gibt auch eine Woche vor dem Urnengang noch zu reden. Und er treibt vor allem die Urheberin des Zitates selber um: Franziska Roth, Regierungsratskandidatin für die SVP. Sie fühlt sich missverstanden, obwohl sie sich bereits nachträglich dazu erklärt hatte. Ihre ironisch gemeinte Aussage im «Talk Täglich» sei komplett falsch angekommen. Sie sei entschieden gegen die Abgabe von Ritalin und finde dies bedenklich, betonte Roth am 28. September in der «Aargauer Zeitung». Wie die Brugger Richterin zu ihrer saloppen und polemischen Aussage «löffelweise Ritalin geben» kam, erschloss sich bis heute aber trotzdem einem grossen Teil der Öffentlichkeit nicht. Auf Nachfrage erzählt Franziska Roth, welchen persönlichen Hintergrund ihre Ritalin-Aussage hat.

Sie haben sich nach Ihrer Ritalin-Aussage erklären müssen. Jetzt ist es Ihnen ein Anliegen, nochmals dazu Stellung zu nehmen. Was ist immer noch unklar?

Franziska Roth: Meine Aussage wurde komplett aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe sie im Rahmen des ‹Talk Täglich› in Baden gemacht. Und sie war vor allem ironisch gemeint. Meine Ironie wurde offenbar teilweise missverstanden. Dies führte zu zahlreichen Mails von Bürgerinnen und Bürgern, die mich kontaktierten.

Umstrittene Aussage: Das sagt SVP-Regierunsgsratskandidatin Franziska Roth zur integrativen Schulung und zur Ritalin-Abgabe an auffällige Schüler.

Anlässlich der Sendung «TalkTäglich» am 21. September 2016 in Baden. Video: © Tele M1

Bereuen Sie die ironisch gemeinte Aussage im Nachhinein?

Nein, aber ich habe daraus gelernt, dass bei Aussagen in der Öffentlichkeit Ironie und Witz keinen Platz haben. Vielmehr können solche Aussagen leider komplett falsch ankommen. Werden sie dann mithilfe der Medien noch aus dem Zusammenhang gerissen und verdreht ausgeschlachtet, ist das eine weniger glückliche Sache.

Sie haben auch zum Thema Klassengrössen eine Aussage gemacht, die für Aufsehen sorgte, und sich dann nochmals erklären müssen. Drücken Sie sich zu wenig klar aus?

Nein, im Gegenteil. Mein Ziel war es immer, auch im Wahlkampf authentisch zu bleiben. Die Wählerinnen und Wähler wissen dafür, was sie mit mir bekommen. Ich bin echt und verstelle mich nicht. Und ich mache wenigstens Aussagen – was man nicht von allen Kandidatinnen und Kandidaten behaupten kann. Meine Aussage zur Klassengrösse stütze ich unter anderem auf die Erfahrung, die ich mit meinem Sohn diesbezüglich gemacht habe. Wer nun behauptet, ich wüsste nicht, wovon ich rede, betreibt billigen Wahlkampf.

Was für Erfahrungen haben Sie denn mit Ihrem Sohn gemacht?

Mein Sohn gehört zu den leistungsstarken Schülern und war in der Primarschule entsprechend unterfordert. Das Problem ist nicht die Anzahl der Schüler in einer Klasse, sondern dass wegen der integrativen Schulung defizitorientiert gearbeitet wird und zudem in den Klassen grosse Unruhe herrscht, weil nebst der Lehrperson noch andere «Fachleute» im Klassenzimmer sind und ein Kommen und Gehen ist. Eine der Folgen ist dann eben, dass beispielsweise auch leistungsstarke Schüler, die den Unterricht stören, abgeklärt und damit zu Problemfällen gestempelt werden, die sie eigentlich gar nicht sind. Darum bin ich auch dezidiert gegen die integrative Schulung. Und ohne diese kann man auch die Klassengrössen anheben!

«Natürlich möchte ich gewählt werden. Prognosen wage ich keine zu machen.»

Wie ging es mit Ihrem Sohn weiter?

Er wechselte an ein Internat, wo er zunächst die 5. und 6. Primarklasse absolvierte. Dort wurde mein Sohn gefordert und gefördert, fand er klare Strukturen und Anerkennung für seinen Wissensdurst und seine Leistungsbereitschaft. Heute ist er im Gymnasium.

Ist Ihre persönliche Geschichte auch der Hintergrund Ihres emotionalen und ironischen Spruchs mit dem Ritalin?

Ja, so wie mir geht es nämlich vielen Eltern. Ich habe zahlreiche Rückmeldungen von Müttern und Vätern, die Ähnliches erleben. Für mich persönlich habe ich die Schulfrage zwar gelöst. Aber als Politikerin ist es mir ein Anliegen, dass die Volksschule für alle Schüler funktioniert.

In einer Woche wird gewählt. Sie haben gemäss Umfrage auffällig wenig Unterstützung bei FDP- und noch weniger bei CVP-Wählern. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Das ist klare Wahl-Taktik und hat nichts mit mir persönlich zu tun. Die anderen Parteien witterten plötzlich ihre Chance und kochten ihr eigenes Süppchen. Damit schaffen sie die Gefahr, dass die Linken den frei werdenden Sitz von Susanne Hochuli erobern können.

In der Umfrage lagen Sie nur auf dem siebten Rang. Was ist Ihr Wahlziel?

Natürlich möchte ich gewählt werden. Prognosen wage ich keine zu machen.

Haben Sie sich ein Mindestziel gesetzt als Voraussetzung, bei einem zweiten Wahlgang nochmals anzutreten? 

Nein, ich gehe Schritt für Schritt dieser Wahl entgegen und entscheide dann, wenn die Resultate vorliegen.

 

 

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