Ex-Armeechef Thomas Süssli will in den Nationalrat
Ende 2025 trat Thomas Süssli als Chef der Armee ab. Dann brach er zu einer Reise in den Fernen Osten auf. Nun ist er zurück, und er hat sich entschieden: 2027 will er auf der Liste der FDP des Kantons Luzern für den Nationalrat kandidieren.
Süssli ist 59 Jahre alt, wohnt in Oberkirch am Sempachersee und trat Anfang Jahr der FDP bei. Auf Anfrage betont er, dass er der Partei schon früher einmal angehört habe.
Die Schweiz sei reich und schlecht gerüstet, kritisiert er
«Ich möchte mich mit viel Energie und Herzblut für unser Land einsetzen», sagt Süssli. Im Wahlkampf will der Korpskommandant – diesen Rang bekleidet er bis zu seiner Pensionierung – vier Themen in den Vordergrund rücken: Wirtschaft, Innovation, Sicherheit und Energie.
Die Wirtschaft sei auf gute Rahmenbedingungen angewiesen, betont der Wirtschaftsinformatiker. Innovation spiele dabei eine Schlüsselrolle, und die Schweiz könne im Bereich neuer Technologien noch mehr tun.
Zu einem ähnlichen Schluss kommt Süssli in der Sicherheitspolitik: Es brauche zusätzliche Anstrengungen. Die Schweiz sei reich und schlecht gerüstet. Das ergebe keine gute Ausgangslage in einer Welt, in der die sogenannte regelbasierte Ordnung von den grossen Mächten zunehmend missachtet werde.
In seiner Zeit als Chef der Armee von 2020 bis 2025 setzte sich Süssli dafür ein, der Landesverteidigung rasch zusätzliche Mittel zuzuführen. Die damalige Verteidigungsministerin Viola Amherd (Mitte) konnte den Bundesrat jedoch nicht von einer schnellen Aufstockung des Wehretats überzeugen. Die Landesregierung entschied sich stattdessen für einen langsamen Ausbau.
Süsslis Wahl zum Chef der Armee sorgte Ende 2019 für Aufsehen, weil er nicht als klassischer Berufsoffizier in diese Position gewählt wurde. In seiner Amtszeit fiel er mit einer ungewöhnlich offenen Kommunikation zur mangelnden Wehrbereitschaft der Schweiz auf.
Auf der Liste der Luzerner FDP gibt es keine Bisherigen
Wie steht es nun um Süsslis Wahlchancen? Sie sind intakt. Die Luzerner FDP hat derzeit ein Mandat in der grossen Kammer. Nationalrat Peter Schilliger hat angekündigt, dass er 2027 nicht mehr kandidieren werde. Als Wahlkampfleiter will er hingegen aktiv sein. Weil die Bevölkerung stark gewachsen ist, erhält der Kanton Luzern einen zusätzlichen Sitz im Nationalrat. Legen die Freisinnigen zu, könnten sie 2027 zwei Bundesparlamentarier stellen.
Die Ausgangsposition der Luzerner FDP ist aussergewöhnlich: Nicht nur eine prominente Persönlichkeit will für die Partei einen Sitz in der grossen Kammer erringen – es sind deren zwei.
Der 65-jährige Herzchirurg Thierry Carrel verpasste die Wahl 2023 nur knapp: Er landete 400 Stimmen hinter Peter Schilliger. Carrel prüfte in den vergangenen Monaten, ob er noch einmal antreten soll. Nun hat er sich entschieden: Er will.
Seit 2022 ist er als Gemeinderat von Vitznau für soziale Belange zuständig. Carrel erklärt: «2023 fehlte nur ganz wenig zu einer Wahl. Ich bin interessiert, erneut für den Nationalrat zu kandidieren. In schwierigen Zeiten scheint es mir wichtig, dass im Bundesparlament Persönlichkeiten mit Lebenserfahrung sitzen, die es gewohnt sind, grosse Verantwortung zu tragen. Der abschliessende Entscheid liegt bei der FDP des Kantons Luzern.» (aargauerzeitung.ch)

