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Das Weisse Haus wird von christlichen Fundis und Kriegsgurgeln dominiert

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Paula White, die Chefberaterin des Glaubensbüros im Weissen Haus, zusammen mit Präsident Donald Trump im Juli 2025.Bild: Keystone
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Das Weisse Haus wird von christlichen Fundis und Kriegsgurgeln dominiert

Präsident Donald Trump, sein Vize JD Vance, Aussenminister Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth legitimieren den Krieg teilweise mit religiösen Argumenten.
21.03.2026, 07:3821.03.2026, 07:38

Im Weissen Haus in Washington herrscht manchmal eine tiefreligiöse Atmosphäre. Die mächtigsten Herren im Oval Office bekennen sich gern zum christlichen Glauben. In ihrem missionarischen Eifer überbieten sie sich gelegentlich mit religiösen Bekenntnissen.

Präsident Donald Trump, sein Vize JD Vance, Aussenminister Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth buhlen dabei um die blumigsten Formulierungen. Als wollten sie sich bei Gott einschmeicheln und um den besten Platz im Paradies kämpfen.

Dumm nur, dass aktuell auf der Erde keine paradiesischen Verhältnisse herrschen. Und dass dafür in erster Linie die vier frommen Herren verantwortlich sind. Sie inszenieren zurzeit einen Kreuzzug im Nahen Osten, bei dem es zu und her geht, wie im hölzernen Himmel. Oder noch schlimmer.

Amerikanische Raketen töten iranische Zivilisten

Im Iran töten amerikanische Raketen Zivilisten, und weltweit leiden Millionen unter den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs. Bemerkenswert dabei ist, dass Trump und Co. den Kreuzzug auch mal mit religiösen Argumenten legitimieren.

Man erhält den Eindruck, dass sie – ausser Trump – zwar die Bibel gut kennen, aber in ihrer Verblendung den christlichen Geist nicht wahrnehmen. Ganz zu schweigen von der Moral und der Ethik.

Den ersten Platz im Streit um die markigsten religiösen Aussagen belegt mit komfortablem Vorsprung der Kriegsminister Pete Hegseth, der das Verteidigungsministerium bezeichnenderweise in ein Kriegsministerium umbenannte.

Kriegsminister Pete Hegseth liess sich ein grosses Kreuz auf seine Brust tätowieren, und auf seinem Arm prangt der Spruch «Gott will es», der an die Kreuzzüge erinnert.

Er dokumentiert seinen fundamentalistischen Glauben nicht nur mit grossen Worten und Gesten, sondern auch auf seinem Körper. So liess sich der Gotteskrieger ein grosses Kreuz auf seine Brust tätowieren, und auf seinem Arm prangt auf Lateinisch der Spruch «Gott will es». Dieser Slogan wird mit den Kreuzzügen im Mittelalter in Verbindung gebracht.

Hegseth sagte über seine Krieger: «Totaler Sieg über jene, die versuchen, ihnen Schaden zuzufügen.» Zum Krieg im Nahen Osten erklärte er laut der Sendung «Echo der Zeit» auf SRF 1 bei einer Medienkonferenz: «Das sollte nie ein fairer Kampf sein und ist es auch nicht. Wir schlagen sie, während sie am Boden sind, exakt so, wie es sein sollte.» Für die Feinde gebe es «kein Pardon und keine Gnade».

Donald Trumps Lobeshymne zur Bibel.Video: YouTube/Washington Post

Weiter sagte er in einem Interview: «Mein Glaube an Jesus Christus ist das, was mich durch die schwierigsten Entscheidungen und Herausforderungen im Leben führt.» Dazu gehört wohl auch sein Entscheid, den Krieg im Nahen Osten zu entfachen.

Kriegsveteran und Patriot Hegseth verbindet seinen Glauben mit seinem Dienst für das Vaterland: «Dienst für mein Land war ein Ausdruck meines Glaubens, eine Möglichkeit, die Lehren von Opferbereitschaft und Pflicht zu leben, die Jesus vorgelebt hat.»

Das Donnergrollen seiner Raketen und Bomben im Nahen Osten scheint seinen Machtrausch zu befeuern. Das Schicksal der Opfer seiner Kriegslust scheint ihm egal zu sein. Die christliche Nächstenliebe gilt nur für die Sonntagspredigt. Da fragt es sich, was er vom biblischen Spruch «Schwerter zu Pflugscharen» hält.

In einer Kolumne schrieb Hegseth zur Trennung von Kirche und Staat: «Der Vorstoss, Gott aus öffentlichen Räumen zu verbannen, ist ein gefährlicher Weg, der unsere Kultur ihrer moralischen Grundlage berauben könnte.»

Christliche Nationalisten streben den Gottesstaat an

Dabei haben die USA eine lange Tradition dieser Trennung, die im ersten Verfassungszusatz verankert ist. Hegseth strebt wie viele christliche Nationalisten den Gottesstaat an.

Auf dem zweiten Platz landet der katholische Fundamentalist JD Vance. Der Vizepräsident erklärte: «Wir können keine gesunde Nation ohne ein moralisches Fundament haben, das in der Religion verwurzelt ist, weil dieses Fundament Charakter, Verantwortung und Gemeinschaft formt.»

Da stellt sich die Frage, auf welchem moralischen Fundament der Krieg im Nahen Osten steht, der von den beiden Kriegsherren Netanjahu und Trump vom Zaun gebrochen wurde.

Christliche Erlösung

Bezeichnend ist auch diese Aussage von Vance: «Meine Geschichte ist eine der Erlösung, und im Kern steht der Glaube an Jesus Christus, der Vergebung und einen Weg zu einem neuen Leben anbietet, egal wie deine Vergangenheit aussieht.»

Befürchtet Vance allenfalls, dass sein politisches Sündenregister zu gross ist, um durch den Spalt der Himmelspforte schlüpfen zu können?

Den dritten Platz auf der unrühmlichen religiösen Skala beansprucht Marco Rubio für sich. Sein Statement: «Wir sind alle im Bild Gottes erschaffen, und diese Wahrheit verlangt Würde und Respekt für jeden Menschen.» Ein Hohn angesichts der unschuldigen iranischen Opfer.

Nur den vierten Platz belegt für einmal der Mann, der «Amerika First» auf seine Fahne geschrieben hat. Der Grund: Trump ist früher nie durch einen religiösen Glauben aufgefallen. Wäre er nicht Präsident geworden, hätte er kaum je ein christliches Bekenntnis abgelegt.

Trump schielt auf die Stimmen der frommen Christen

Heute markiert er aus Imagegründen den gläubigen Christen. Schliesslich ist er auf die Stimmen der Millionen Evangelikalen und superfrommen Katholiken angewiesen.

Seither legt er sich religiös mächtig ins Zeug. So sagte er: «Ich habe einen starken Glauben an Gott und bitte ständig um seine Führung.»

Trump glaubt auch an die Vorsehung: «Gott hat einen Plan für unsere Nation, und wir engagieren uns dafür, die Werte hochzuhalten, die Amerika gross machen.»

Seit dem Frühling 2024 verkauft Trump seine eigene Bibelausgabe für 60 Dollar. Er liess sie in China drucken – «America First» hin oder her.

Medienwirksame christliche Show

Heute stellt Trump seinen Glauben medienwirksam zur Schau. Dazu schuf er im Weissen Haus eigens ein Glaubensbüro. Zur Chefberaterin ernannte er die Pastorin Paula White.

Ihr jüngster PR-Coup: Sie erteilte Trump kürzlich im Oval Office ihren Segen. Bekannte Prediger umrahmten die religiöse Zeremonie. Das Bild, das um die Welt ging, erinnerte nicht zufällig an das letzte Abendmahl von Jesus.

Alle beteiligten Frommen waren offensichtlich stolz, Teil der Politshow zu sein. Sie waren sich auch nicht zu schade, ihren Glauben für politische Zwecke instrumentalisieren zu lassen.

Es ist zu vermuten, dass Trump dabei wohl weniger an Gott als an die anstehenden Midterm-Wahlen dachte. Millionen von Evangelikalen und andere fromme Christen realisieren nicht, dass sie ihre Seele verkaufen, wenn sie den Sünder Trump verehren und ihm auch bei den nächsten Wahlen ihre Stimme geben.

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Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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