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Peter Wälchli, Inhaber der Karo Versand GmbH ist in Sorge, gibt sich aber kämpferisch: «Wir machen weiter!» bild: Screenshot srf

Kaffeerahmdeckeli-Produzent: «Es geht weiter»

Nach Debakel um Hitler-Kaffeerahmdeckeli: Chef Wälchli entlässt doch keine Mitarbeiter

Peter Wälchli ist immer noch wütend. «Es geht mir schlecht, und es geht der Firma schlecht. Was für ein Debakel!», sagt er am Dienstag zu watson. 

Das Debakel begann vor einem guten Monat, als ein 20-Minuten-Leser einen Kaffeerahm mit Hitlers Konterfei auf dem Deckel serviert bekam. Auf Anfrage entschuldigte sich die Vertreiberin der Kaffeerähmli, die Migros-Tochter Elsa, in aller Form für die «Fehlleistung»: Sie hatte die Sujets nicht kontrolliert und versehentlich das Hitler-Rähmli Gastrobetrieben zugestellt, statt den Karo-Versand-Kunden.

Die Geschichte ging um den Globus, sogar die New York Times berichtete über die «Hitler creamer». Derweil zerbrach im beschaulichen Grosshöchstetten, dem Sitz der Karo-Versand, Wälchlis kleine Welt: Weil er sich nicht vom Sujet distanzieren wollte, weil er immer wieder darauf hinwies, dass die Hitler-Deckeli eingebettet in einer Banderolen-Serie für Sammler bestimmt gewesen wären und deshalb auch unproblematisch seien, reagierte die Migros umgehend: Sie beendete die Geschäftsbeziehungen mit Wälchli.

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Die Banderolen-Serie. In der zweituntersten Reihe: Hitler und Mussolini – zwischen zwei Vögeln. bild: zvg

Das bedeute wohl das Ende, sagte Wälchli damals, Entlassungen seien unvermeidlich. Heute blickt Wälchli optimistischer in die Zukunft, obwohl es ihm und der Firma schlecht gehe: «Es geht weiter», sagt er auf Anfrage. Konkret sei er daran, Gespräche mit Konkurrenten der Elsa zu führen. «Ausserdem prüfen wir, ob sich die Kaffeerähmli auch im Ausland abfüllen liessen, oder wir uns mit einem anderen Produzenten zusammentun können», so Wächli. Mehr will er noch nicht verraten, Verträge sind noch keine unterschrieben, spruchreif sei das Ganze noch nicht. Aber: «Entlassungen wird es keine geben.»

Verkauft Wächli die Banderolen-Serie, die er an Lager hat, vielleicht doch noch? Schliesslich wurde das Hitler-Deckeli auf Ricardo für 250 Franken versteigert, und bei der Karo-Versand seien mehrere hundert Bestellungen eingegangen, wie die Berner Zeitung vor zwei Wochen schrieb. Doch Wälchli dementiert: «Das wäre weder gescheit, noch würde es unser Unternehmen retten. Wir setzen auf andere Abfüller.» (dwi)



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    Alle Leser-Kommentare
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 26.11.2014 02:33
    Highlight Highlight Lustig wenn die Mitarbeiterstaerkste Firma der Schweiz, weniger Schneid hat als ein Kleinstbetrieb. Also ich wuerde gerne auch weiterhin kleinen Hitlers den Deckel abreissen und ihren milchigen Inhalt in meinen Kaffee schuetten.
    4 1 Melden
  • Alnothur 25.11.2014 18:48
    Highlight Highlight Das einzige "Debakel" finde ich das Verhalten der Migros...
    19 2 Melden
  • Hotzenplotz 25.11.2014 18:05
    Highlight Highlight Leider ist auch Hitler Zeitgeschichte. Warum also, in meinen Augen, diese falsche Polemik?! Und natürlich an forderster Front unsere ach so geschätzte MIGROS, die durch den Kauf der DENNER die Hintertüre nützt um Alkohol und Tabakwaren
    zu verkaufen. Dutti würde sich im Grab umdrehen ob soviel falscher Moral.
    25 0 Melden
    • Angelo C. 25.11.2014 18:57
      Highlight Highlight Absolut richtig! Es geht oder ging hier ja nicht darum, Hitler als "empfehlenswerten Politiker" zu preisen, sondern sein Konterfei war eingebettet in eine Serie historisch relevanter Personen. Und das war er wohl zwangsläufig, bei soviel WK2-Beachtung aller seiner Gegner und allen Bevölkerungskreisen weltweit.

      Irgendwie tut mir dieser Hersteller leid, denn so einen riesigen Shitstorm hat er durch sein Tun nicht verdient.
      15 0 Melden
    • smoe 25.11.2014 20:51
      Highlight Highlight Die Serie drehte sich nicht um historische relevante Personen, sondern um «Cigar Brands & Tobacco Art». Es sind Sujets, die von Zigarren-Bändern der 30er-Jahre übernommen wurden. Ob die Zigarrenmarken mit den Konterfeis von Hitler und Mussolini in diesem Bereich besonders relevant und künstlerisch wertvoll sind, oder ob sie eher aufgrund ihres Wiedererkennungswertes gewählt wurden, kann ich nicht beurteilen.

      Der von den Medien angestossene Shitstorm darum war lächerlich übertrieben und dieser Wälchli tut mir leid. Ihm hätte aber bewusst sein müssen, dass wenn sie in den normalen Umlauf geraten, für den normalen Pendler nicht offensichtlich ist, Teil welcher Serie sie sind und dass sie glorifizierend wirken können. Die Schweizer erwarten eben nicht Diktatoren auf den Deckeli, sondern, wie die NYT es schön umschreibt etwas «pastoral and cuddly, with pleasant images of Alpine landscapes and locomotives, or dogs and cats.»
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    • smoe 25.11.2014 22:11
      Highlight Highlight Ich nehme mein Argument oben teilweise zurück, da ich jetzt das betroffene Deckli mal in Grossaufnahme gesehen habe: Es steht gross "Cigar Bands" als Titel der Serie drauf.

      Ob die Verwendung des Zigarren-Bandes mit Hitler durch Relevanz begründet werden kann, bin ich mir nicht sicher. Ich habe zwei Auktionen mit Orginal Bänder gefunden. Die eine sagt, sie stammen aus Kuba, die grosse Fans von Hitler gewesen seien und die andere, es handle sich um eine Serie von Staatsoberhauptern in 1939.

      Wenn in grossen Mengen produziert und verbreitet, würde Ersteres dafür sprechen Hitler auf die Deckeli zu drucken um eine adäquates Bild von Zigarrenmarken zur damaligen Zeit zu geben. Letzteres aus meiner Sicht nicht.
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