Schweiz
Graubünden

Brienz: Die Freude bei den zurückgekehrten Dorfbewohnern ist gross

KEYPIX - Blick auf das Dorf, am Montag, 26. Januar 2026 in Brienz-Brinzauls. Das Dorf war wegen eines erneuten drohenden Bergsturz ueber 62 Wochen evakuiert. Im Juni 2023 war es knapp von einem Schutt ...
Seit Montag dürfen die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Dorf Brienz wieder bewohnen. Bild: KEYSTONE

«Es ist einfach so schön»: So geht es den Brienzern bei der Rückkehr ins Dorf

26.01.2026, 14:1826.01.2026, 14:30
Mayka Frepp / Keystone SDA

Die Evakuierung des von einem Bergsturz bedrohten Bündner Dorfes Brienz ist am Montag nach über einem Jahr aufgehoben worden. «Eine grosse Erleichterung», sagte der Gemeindepräsident zu Keystone-SDA. Ein zurückgekehrter Einwohner sprach gar von einer neuen Lebensqualität und hofft auf eine Zukunft.

Noch sieht es nach einem Geisterdorf aus. Die meisten Fensterläden sind geschlossen – erst wenige Dorfbewohnende kehren zurück. «Wir hoffen, dass diejenigen, die die Hoffnung nie aufgaben, jetzt nach Hause kommen können», sagte Daniel Albertin, Gemeindepräsident der Gemeinde Albula, im Gespräch mit Keystone-SDA am Dorfbrunnen in Brienz.

Bewohner Georgin Bonifazi portraitiert nach seiner Rueckkehr, am Montag, 26. Januar 2026, in Brienz-Brinzauls. Das Dorf war wegen eines erneuten drohenden Bergsturz ueber 62 Wochen evakuiert. Im Juni  ...
Der Landwirt Georgin Bonifazi ist überglücklich, in sein Dorf zurückkehren zu können.Bild: KEYSTONE

Einer, der die Hoffnung nie aufgab, ist Georgin Bonifazi. Der Landwirt aus Brienz nahm nur das Wichtigste mit nach Landquart, wo er nun während 62 Wochen in einer «notdürftig eingerichteten Wohnung» zusammen mit seiner Familie wohnte, wie er im Gespräch mit Keystone-SDA erzählte. Jetzt wo er wieder in Brienz sei, atme er ganz anders, es sei eine ganz neue Lebensqualität. Nachts erwache er wegen der ungewohnten Stille. «Es ist einfach so schön.» Seine Tiere, 60 Rinder, 30 Mutterkühe und 70 Schafe will er nun bis Ostern wieder nach Brienz bringen.

Auch der Senior Hermann Bossi kehrte an diesem Montagmorgen zurück. Während er seine Habseligkeiten ins Haus direkt vor der drohenden Felswand räumt, verneint er die Frage, ob er Angst vor weiteren Felsstürzen habe. Es sei so ruhig wie noch nie am Berg, sagte er zu Keystone-SDA. Dem pflichtete auch Bonifazi bei. Seit dem im vergangenen November das absturzgefährdete Plateau zerfiel, sei es «mucksmäuschenstill» im Dorf. Zuvor gehörte das Rumpeln am Berg zum Alltag.

Hermann Bossi bringt Habseligkeiten in sein Haus, am Montag, 26. Januar 2026. Das Dorf war wegen eines erneuten drohenden Bergsturz ueber 62 Wochen evakuiert. Im Juni 2023 war es knapp von einem Schut ...
Hermann Bossi bringt seine Habseligkeiten zurück in sein Haus in Brienz.Bild: KEYSTONE

Ende der Evakuierung birgt Unsicherheit

Möglich wurde das Ende der Evakuierung, weil sich die über dem Dorf gemessenen Bewegungen am Berg beruhigt haben. «Die akute Gefährdung aus dem Felssturzgebiet hoch über dem Dorf hat sich seit dem Schuttstrom von Ende November 2025 so stark reduziert, dass ein dauernder Aufenthalt im Dorf wieder sicher ist», schrieb die Gemeinde Albula dazu.

Bereits am vergangenen Freitag durften die Dorfbewohnerinnen und Bewohner erstmals wieder in Brienz übernachten. Seit Montag gilt wieder «Phase grün» – damit dürfen auch Leute von ausserhalb wieder ins Dorf. Das Postauto fährt wieder und Gemeindeangestellte montieren die Verkehrsschilder nach Brienz wieder an die Wegweiserpfosten.

KEYPIX - Das Postauto faehrt wieder durch Brienz, aufgenommen am Montag, 26. Januar 2026, in Brienz-Brinzauls. Das Dorf war wegen eines erneuten drohenden Bergsturz ueber 62 Wochen evakuiert. Im Juni  ...
Das Postauto fährt am Montag wieder durch Brienz.Bild: KEYSTONE

Doch die Aufhebung berge auch Unsicherheit für die Zukunft, so Albertin weiter. Rund rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung hat sich für eine präventive Umsiedlung angemeldet. Dass jetzt eine Rückkehr möglich ist, lasse viele an diesem Entscheid zweifeln.

Das Angebot der Umsiedlung solle aber weiterhin bestehen, betonte die Gemeinde. Erst im Dezember sprach der Bündner Grosse Rat hierfür 50 Millionen Franken. Die Menschen, die weg wollen, erhalten 90 Prozent der anfallenden Kosten und müssen zehn Prozent selber stemmen. Der Preis: Ihr altes Zuhause in Brienz müssen sie dafür abreissen.

Das umstrittene Waldgesetz

So will es das Waldgesetz, auf dessen Grundlage die Umsiedlungsfinanzierung aufgebaut ist. Es regelt den Umgang mit Naturgefahren. Bei einer Gefährdung sind Massnahmen möglich – unter anderem Schutzbauten. Dazu gehören auch Umsiedlungen, weil dabei das Schadenspotential aufgelöst werden kann und somit kein Risiko mehr besteht. Dies ist entscheidend für die finanzielle Unterstützung.

Das Dorfbild würde so zerstört werden, kritisierte Bonifazi. Er habe Verständnis für die Menschen, die gehen wollen, wünsche sich aber, dass deren Häuser stehen und bewohnbar bleiben. «Ein Abriss oder eine Versiegelung, wie es etwa der Heimatschutz bei einigen Bauten vorsieht, darf keine Lösung sein. Nicht zu einer Zeit, wo es überall Wohnraum braucht und die Natur nichts zerstört hat».

Brienz sei schon immer ein Ausnahmefall gewesen, so Bonifazi weiter. Er wünsche sich deshalb auch bei der Auslegung des Waldgesetzes entsprechende Ausnahmeregeln.

«Wo soll es schöner sein als hier»

Für ihn ist der Erfolg des Entwässerungsstollens zentral. Seit 2024 bauen die Behörden am 2,3 Kilometer langen Tunnel unterhalb des Hochplateaus, auf dem das Bergdorf liegt. Der 40-Millionen-Franken-Stollen soll die Rutschungen, die durch eingelagertes Wasser vorangetrieben werden, verlangsamen.

Blick auf den Sondierstollen bei einer Medienfuehrung, am Montag, 3. Juni 2024, in Brienz-Brinzauls. Am 15. Juni 2023 erreichte ein Schuttstrom beinahe das damals evakuierte Dorf. Das Dorf rutscht zud ...
Der Sondierstollen soll zu einem Entwässerungsstollen verlängert werden.Bild: KEYSTONE

Messungen zeigten bereits im letzten Sommer die Wirkung der Entwässerung. Im Dezember lagen die Rutschbewegungen schliesslich bei 10 bis 25 Zentimetern pro Jahr – dem tiefsten Wert seit 15 Jahren.

«Das war für uns die Kehrtwende», so Bonifazi. Das Ziel, Brienz zu erhalten, sei damit erreicht – «der Erfolg ist da». Er fühle sich hier sicher und vor allem wohl. Denn «wo soll es schöner sein als hier?» fragte der Landwirt die Journalisten von Keystone-SDA. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So sieht es in Brienz am Morgen danach aus
1 / 15
So sieht es in Brienz am Morgen danach aus
Schwere Unwetter zogen am Montagabend über Brienz.
quelle: keystone / alessandro della valle
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Bergdorf Brienz droht ins Tal zu rutschen
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
Migros und Denner passen ihre Aktionen an – das ist neu
Auch Migros und die Tochterfirma Denner stellen das Regime bei den Aktionen um. Sie folgen damit dem Beispiel von Coop.
Ab dem 5. Februar 2026 starten die Migros- und Denner-Aktionen jeweils am Donnerstag statt am Dienstag und gelten bis Mittwoch der Folgewoche. Dies teilten die beiden Detailhändler am Montag mit. Passend zum neuen Aktionsrhythmus werde das Migros-Magazin neuerdings am Mittwoch zugestellt.
Zur Story