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«IS»-Anhänger nach Syrien gelotst: Der «Emir von Winterthur» steht vor Gericht



Am Bundesstrafgericht beginnt an diesem Montag der Prozess gegen zwei «IS»-Anhänger aus dem Kreis der Winterthurer Kampfsportschule «MMA Sunna». Der erste war Mitbegründer, der zweite hatte eine Beziehung zu einer Minderjährigen, die mit ihrem Bruder nach Syrien reiste.

Der 34 Jahre alte Hauptangeklagte, in den Medien oft als «Emir von Winterhur» bezeichnet, hielt sich gemäss Anklageschrift der Bundesanwaltschaft (BA) von Mitte November bis 9. Dezember 2013 in Syrien auf. Dort soll er sich einer der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») angehörenden Kampftruppe angeschlossen haben. Er habe dort bewaffnete Wachdienste und Kampfeinsätze geleistet.

ARCHIV - ZUR WINTERSESSION 2019 MIT DEM THEMA LIES!, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - ARCHIV - Ein Islamist verteilt am 14.04.2012 am Potsdamer Platz in Berlin kostenlose Koran-Exemplare an Passanten. Die Koran-Verteilung wird von den radikalislamischen Salafisten initiiert. Vor dem Hamburger Landgericht beginnt am 24.04.2017 ein Prozess gegen zwölf mutmaßliche Unterstützer der verbotenen Islamisten-Organisation Millatu Ibrahim, die unter anderem Koranverteilungsstände organisiert haben sollen. (KEYSTONE/DPA/Z5466/_Britta Pedersen)

Der «Emir von Winterthur» leitete das Projekt «Lies!» in der Schweiz. Bild: DPA-Zentralbild

Wieder in der Schweiz gründete der Syrien-Rückkehrer zusammen mit dem zweifachen Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi in Winterthur die Kampfsportschule «MMA Sunna». Zudem leitete der angeklagte Winterthurer das Projekt «Lies!» in der Schweiz.

Die dadurch geschaffenen Strukturen und Kontakte soll der 34-Jährige genutzt haben, um Anhänger für den «IS» anzuwerben. Die Anklageschrift zählt fünf Personen auf, die schliesslich nach Syrien reisten, um sich dem «IS» anzuschliessen.

International vernetzt

Genannt wird Valdet Gashi, der mutmasslich im Juli 2015 bei einem Einsatz in Syrien umgekommen ist. Aber auch das damals noch minderjährige Geschwisterpaar aus Winterthur soll unter dem Einfluss des Angeklagten seine Reise nach Syrien angetreten haben.

Laut Anklage unterhielt der 34-Jährige Kontakte zu einflussreichen Vertretern des salafistischen Islams in verschiedenen Ländern. Darunter befindet sich Hussein Bosnic, der in Bosnien-Herzegowina 2015 wegen terroristischer Verbrechen zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Es werden aber auch Kontakte zu Salafisten in Nürnberg/D und Österreich genannt.

Die BA wirft dem Winterthurer Beteiligung an einer kriminellen Organisation vor. Zudem wird ihm zur Last gelegt, den Straftatbestand Gewaltdarstellungen zu erfüllen. Auf seinem Handy wurden lauf Anklageschrift Videos von brutalen Hinrichtungen sichergestellt.

Beziehung zu Minderjähriger

Dem zweiten, heute 37-jährigen Angeklagten wirft die BA zusätzlich zu den genannten Delikten sexuelle Handlungen mit Kindern und Pornographie vor. Der Mann unterhielt eine intime Beziehung mit der damals noch Minderjährigen, die mit ihrem Bruder nach Syrien reiste.

Der verheiratete schweizerisch-nordmazedonische Doppelbürger soll die Jugendliche im Oktober 2014 nach islamischem Recht geheiratet und dazu gebracht haben, im Dezember 2014 nach Syrien zu reisen. Sein eigener Versuch, dorthin zu gelangen, scheiterte. Die nordmazedonische Polizei nahm ihn fest.

Auf dem Handy des Angeklagten fand die BA nicht nur Fotografien von Gewaltdarstellungen. Auf dem Gerät befanden sich auch Bilder, die sexuelle Handlungen zwischen Menschen und Tieren zeigen und Fotos sexueller Gewalt gegen junge Frauen.

Die BA wird die beantragten Strafen erst an der Hauptverhandlung bekannt geben. Die Untersuchungskosten des vorliegenden Verfahrens belaufen sich gemäss Anklageschrift auf rund 560'000 Franken. Davon sollen die Angeklagten auf Antrag der BA 450'000 Franken bezahlen.

(Prozess SK.2019.71)

(sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chancho 10.08.2020 16:38
    Highlight Highlight Also nach der Aktion "LIES" gab es ja dann diverse Gegenaktionen und Splittergruppen.

    Benutzer Bild
  • Unicron 10.08.2020 12:21
    Highlight Highlight Durch wie viele Instanzen ist wohl die Entscheidung gegangen "LIES!" als Slogan zu nehmen?
    Immerhin sind sie ehrlich xD
  • Andre Buchheim 10.08.2020 12:18
    Highlight Highlight "Auf dem Handy des Angeklagten ... Fotografien von Gewaltdarstellungen ... Bilder, die sexuelle Handlungen zwischen Menschen und Tieren zeigen und Fotos sexueller Gewalt gegen junge Frauen ..."

    Jo, genau was man zu finden erwarten würde bei einem aufrechten Diener Gottes. Hier wird der Name Allah's, des All-Erbarmers, missbraucht für den Dienst am Shaitan. Erbärmlich sowas.
    Ich hoffe auf eine gerechte Strafe.
    Herzer sollten wir in unserer friedlichen Zivilgesellschaft nicht dulden.
    • Knäckebrot 10.08.2020 17:54
      Highlight Highlight Meinst du damit, dass der islamische Name Allah's missbraucht wird oder dass der Islam den Namen Allah's missbraucht?

      Bei ersterem wäre meine Frage folgende: Wenn der Religionsgründer explizit das Vergewaltigen von Kriegsgefangenen erlaubte*, wie sollte dies dann von so Terrorgruppen falsch verstanden sein und nicht einfach dem Vorbild folgend?

      *ist keine Polemik, sondern kann dies mit den Originaltexten sofort belegen (auch auf arabisch).
    • Andre Buchheim 10.08.2020 18:41
      Highlight Highlight Was genau hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Hier geht es nicht um Islam, sondern um Islamismus, oder genauer gesagt um einen Islamisten. Diese Fanatiker tun so "gottesfürchtig" und haben dann solche Bilder auf dem Handy? Und nun erkläre mir bitte diesen Umstand als in Übereinstimmung stehend mit dem Koran. Das ist an sich nicht koscher, ein solcher Mensch ist kein Vorbild, und zwar in keiner Religion. Er wendet sich von Gott ab und missbraucht den heiligen Namen für sein frevelhaftes Tun.
    • Knäckebrot 11.08.2020 16:16
      Highlight Highlight Koran 4:24 "(verboten sind) verheiratete Frauen, AUSSER diejenigen, welche deine Rechte besitzt.

      Kontext der Offenbarung steht im anerkannten Sahih Muslim 1456a:

      (...) the Companions (...) seemed to refrain from having sex with captive women because of their husbands being polytheists. Then Allah (...) sent down regarding that:
      " And women already married, except those whom your right hands possess (iv. 24)" (i. e. they were lawful for them when their 'Idda period came to an end).

      D.h. Kriegsgefangene, deren Götzendienermänner noch Leben, darf man nehmen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pfefferkopf 10.08.2020 12:11
    Highlight Highlight Diese Nazi-Gruppe Eisenjugend trainiert jetzt in der «MMA Sunna». Ich bin mir sicher, zwischen den Salafisten und dieser Gruppe gibt es auch noch weitere Verbindungen. Der einzige Grund, dass sich Männer für eine menschenverachtende Religion oder Ideologie entscheiden, ist ja auch die sexuelle Ausbeutung und die Unterdrückung anderer Menschen. Es spielen sehr viele perverse Ideen und sexuelle Triebe eine Rolle, damit man von einer IS- oder einer Nazi-HERRschaft träumt. Es ist eben der freie und unbeschränkte Zugang zu sehr jungen Frauen und das Quälen anderer Mitbürger.
  • insert_brain_here 10.08.2020 11:03
    Highlight Highlight Spannend wie gewaltbereiter religiöser Fanatismus sehr oft im Paket mit Sodomie und Pädosexualität daherkommt und diese Spinner sich trotzdem für die Krone der Schöpfung halten.
    • Pfefferkopf 10.08.2020 12:04
      Highlight Highlight Es ist nicht nur bei religiösen Fanatikern augenfällig, sondern auch bei Nationalisten. Das Elysiums-Kinderporno-Netzwerk wurde von Nazis betrieben. Islamisten und Nazis sind genau derselbe Typ Mensch. Ich bin mir sicher, dass man bei fast all diesen Gestalten verbotenes sexuelles Material finden würde.
      Es gab eine Arte Doku über den Kindermissbrauch beim IS, genauso ist es bei den Taliban oder Boko-Haram. Nicht nur Mädchen, sondern auch Buben bzw. angehende Kindersoldaten werden regelmässig vergewaltigt von den Oberen. Es ist widerlich und grausam.
    • Peter Vogel 10.08.2020 12:57
      Highlight Highlight Die Religion ist für diese Leute oft der einzige Weg ihren sexuellen Frust abzulassen und zu legitimieren.
    • Do not lie to mE 10.08.2020 15:39
      Highlight Highlight Islamismus gibt es nicht. Das ist ein Kunstbegriff, aus den Sozialwissenschaften, der eine scheinnbare Trennung zwischen einem fundamentalistischen und einen „normalen“ religiösen Islam sugerieren soll. Der Islam ist grundsätzlich fundamentalistisch. Was nicht zwangsläufig auf alle Moslems zutrifft. Da gibts auch säkuläre oder Feiertags-Moslems. Der gläubige Moslem hat nach meiner Ansicht immer eine Affinität zum Fundamentalismus seiner Religion (Idiologie) und lässt sich durch die Hardliner, innerhalb der Úmma, leicht steuern, instrumentalisieren und teilweise auch radikalisieren.
  • Bivio 10.08.2020 10:44
    Highlight Highlight Warum soll der Typ nur Fr. 450'000 zahlen und nicht die Fr. 560'000? Obwohl, sind wir ehrlich, dies keine Rolle spielt. Der Typ zahlt am Ende keinen Rappen und ins Gefängniss wird er vermutlich auch nicht gehen - zumindest nicht lange. Es gibt höchstens eine teilbedingte Haftstrafe.
    Diesbezüglich ist das Strafrecht in der Schweiz ein absoluter Witz.
    • Ian Cognito 10.08.2020 16:19
      Highlight Highlight Wobezüglich denn? Hast Du Beispiele für deine vagen Vorwürfe oder plapperst Du einfach das wirre rechte Narrativ der sogenannten Kuschelrichter nach?
  • Antigone 10.08.2020 10:11
    Highlight Highlight Solche Leute sind wie ein Virus.

    Am liebsten in die Antarktis ausschaffen.
  • echter Züricher 10.08.2020 10:10
    Highlight Highlight Lies! Selten ist ein Name so ehrlich.
  • Peter Vogel 10.08.2020 09:52
    Highlight Highlight Wenn ich so etwas lese dreht sich mir der Magen um. Islanisten und Pädophile. Bitte wegsperren!
  • grind 10.08.2020 09:47
    Highlight Highlight muss jedes mal lachen wenn ich "lies!" sehe haha
    • Unicron 10.08.2020 12:20
      Highlight Highlight Geht mir auch so xD

Kommentar

Spielball der Mächte: Weshalb der Syrien-Konflikt in erster Linie ein Stellvertreterkrieg ist

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Die Hauptakteure der ausländischen Parteien, die in Syrien Krieg führen, sind Gas-Exporteure mit Interessen in einem von zwei umkämpften Pipeline-Projekten. Dabei geht es um die Ausbeute der weltgrössten Erdgasreserven, nämlich des Gasfeldes South Pars/North Dome, welches auf dem Grund des Persischen Golfs liegt und zum Teil dem Iran, zum Teil Katar gehört. Beide Länder begannen 1989 mit der Förderung.

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