Neuer Rekord 2025: Immer mehr Schwarzfahrer im Schweizer ÖV – das sind die Gründe
2024 wurden erstmals über eine Million Fahrgäste ohne gültigen oder mit teilgültigem Fahrausweis erwischt. Wie neue Zahlen von Alliance SwissPass zeigen, waren es im letzten Jahr nochmals deutlich mehr: 1'173'295 Fälle von Reisenden ohne gültigen oder mit teilgültigem Fahrausweis hat die Schweizer ÖV-Branche 2025 im zentralen Informationssystem «SynServ» registriert.
Dieses wurde 2019 als «Schwarzfahrer-Register» von der Branchenorganisation Alliance SwissPass ins Leben gerufen. Mittlerweile wurde der Name angepasst. Der Trend bleibt aber gleich: Jedes Jahr seit dem Bestehen nehmen die Vorfälle zu. Eine deutlichere Zunahme als im letzten Jahr gab es nur noch 2020 kurz nach der Einführung des Registers.
Ob auch tatsächlich mehr Menschen ohne gültiges Billett unterwegs waren, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Dunkelziffer ist hoch und viele Leute, die ohne gültiges Billett fahren, kommen davon. Klar ist aber: Der ÖV-Branche entgehen viele Millionen Franken. Michaela Ruoss, Mediensprecherin von Alliance SwissPass sagt dazu auf Anfrage: «Reisende ohne oder mit teilgültigem Fahrausweis dürften die Branche jedes Jahr rund 200 Millionen Franken kosten.» Die Schätzung stammt von 2024, aber die jährlichen Verluste werden auch 2025 in diesem Bereich liegen.
Auch die SBB kann keine genauen Zahlen nennen. Mediensprecherin Mara Zenhäusern schreibt auf Anfrage: «Dem ÖV entgehen jährlich Einnahmen in der Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags durch Reisende ohne gültigen Fahrausweis. Dafür müssen am Ende die Reisenden mit gültigem Billett und die Allgemeinheit aufkommen.»
Zwei Hauptgründe für die Zunahme
Doch was sind die Hauptgründe? Für Michaela Ruoss spielen zwei Faktoren eine Rolle:
- Die Zahl der Fahrgäste ist gestiegen und ...
- ... effizientere und häufigere Ticketkontrollen.
Das tönt plausibel. Wie sehr die Kontrollen allerdings tatsächlich angepasst oder ausgebaut wurden, wird aus taktischen Gründen nicht kommuniziert. Die einzelnen Transportunternehmen sind dafür zuständig.
Zenhäusern schreibt: «Die SBB führt deshalb, wie alle anderen ÖV-Unternehmen, Kontrollen durch. Dies ist nur fair gegenüber allen anderen Reisenden, die sich an die Regeln halten und für eine Leistung bezahlen. Kontrollen haben einen wichtigen präventiven Charakter, deshalb geben wir keine Einzelheiten zur Art und Häufigkeit bekannt.» Auch die Südostbahn SOB lässt sich aus den gleichen Gründen natürlich nicht in die Karten blicken.
Notorische Schwarzfahrer
Auffallend im Register ist auch, dass die notorischen Schwarzfahrer rund die Hälfte der Vorfälle ausmachen. 46 Prozent wurden mindestens dreimal erwischt. Da kann man dann nicht mehr von einem Versehen, sondern muss von Absicht sprechen.
Jugendliche und junge Erwachsene (16- bis 25 Jährige) wurden 2025 in 28,6 Prozent der Fälle (2024: 34,9%) erwischt. 62,1 Prozent (2024: 58,3%) entfielen auf die Altersgruppe 26 bis 64 Jahre, 4,3 Prozent (2024: 2,5%) der Fälle auf über 65-jährige Fahrgäste.
Zuschlag wird immer höher
Die Busse, oder der «Zuschlag», so das offizielle Wording (es handelt sich um Vertragsrecht, nicht um Strafrecht), steigt mit jedem Mal an. Wer ohne gültigen Fahrausweis einmal erwischt wird, bezahlt 90 Franken, beim zweiten Mal sind es 130, beim dritten Mal 160 Franken (exklusive 50 Franken für Strafantrag). Dazu kommt eine Fahrausweispauschale von 10 Franken oder der reguläre Fahrpreis.
Wer mit einem teilweise gültigen Ticket kontrolliert wird, bezahlt 70 Franken, dann 110 und beim dritten Mal 140 Franken - auch hier plus eine Fahrausweispauschale von 5 Franken oder den regulären Fahrpreis.
Für alle gilt: Ab dem dritten Vorfall innert zwei Jahre muss mit einer Strafanzeige gerechnet werden. Diese läuft allerdings nicht über Alliance Swisspass, sondern über das betroffene Transportunternehmen.
