Karikatur nach Brandkatastrophe: Verfahren gegen Satiremagazin eingestellt
Die Walliser Justiz hat eine Strafanzeige gegen das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» nach der Veröffentlichung einer Karikatur zur Brandkatastrophe in Crans-Montana VS eingestellt. Die Anzeige richtete sich gegen das Blatt und den Zeichner Eric Salch.
Die Walliser Staatsanwaltschaft bestätigte eine entsprechende Meldung der französischen Nachrichtenagentur AFP. In ihrer Verfügung vom 17. April halten die Magistraten fest, dass die Karikatur zwar «als schockierend bezeichnet werden kann», jedoch nicht die Voraussetzungen einer Gewaltdarstellung erfüllt.
Karikatur erschien am Trauertag
Anfang Januar hatten der Sittener Anwalt Stéphane Riand und seine Ehefrau, die Autorin Béatrice Riand, Strafanzeige bei Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud eingereicht. Sie argumentierten, die Zeichnung falle unter Artikel 135 des Strafgesetzbuches, der Gewaltdarstellungen regelt, und verletze «die Menschenwürde der Opfer».
Die Karikatur – «Zeichnung des Tages» – erschien am Tag der nationalen Gedenkfeier für die Opfer des Brandes. Sie zeigte zwei Skifahrer mit der Aufschrift «Die Verbrannten gehen Ski fahren» sowie darunter «Die Komödie des Jahres» – eine Anspielung auf den Film «Les Bronzés font du ski».
Laut Staatsanwaltschaft ist die Darstellung «stilisiert», «nicht realistisch», zeige weder explizite Grausamkeit noch Leiden und stelle «als solche» keine Gewalt dar.
Zudem hielten die Behörden fest, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung zwar «schockieren und verletzen» könne, die Wirkung jedoch nicht stark genug sei, um die psychische Gesundheit von Opfern oder Zeugen des Unglücks zu beeinträchtigen.
«Man muss aufhören zu verbieten»
«In der Schweiz wie in Frankreich – und in jedem zivilisierten Land – kann eine Zeichnung nicht mit Gewalt gleichgesetzt werden, und man muss aufhören, das zu behaupten», sagte der Anwalt von «Charlie Hébdo», Richard Malka, gegenüber AFP.
«Eine Zeichnung kann schockieren oder als geschmacklos gelten (...) aber man muss aufhören, alles verbieten oder zensieren zu wollen, was uns irritiert. Das ist keine Frage der Justiz, sondern des individuellen Gewissens», betonte Malka. Riand war zunächst nicht erreichbar für eine Stellungnahme.
Bei der Brandkatastrophe in Crans-Montana am 1. Januar waren 41 Menschen ums Leben gekommen und 115 verletzt worden. (sda)
