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SRF baut 75 Stellen ab – und streicht Tagesschau-Sendungen

Einblick in das neue News- und Sportcenter (NSC) des Schweizer Radio und Fernsehen SRF am Standort Zuerich Leutschenbach, aufgenommen am Mittwoch, 9. November 2022 in Zuerich. Die neu erstellte Studio ...
Einblick in das neue News- und Sportcenter (NSC) des SRF. Bild: keystone

SRF baut rund 75 Vollzeitstellen ab – diese Sendungen werden jetzt gestrichen

Die Sparmassnahmen bei der SRG nehmen Form an. Auch der Service Public wird betroffen sein. Aufgrund des Spardrucks wird etwa die «Tagesschau» am Mittag wegfallen und durch einen Newsflash ersetzt. Dazu kommt ein beträchtlicher Stellenabbau.
23.09.2024, 14:1623.09.2024, 17:45
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Was ist passiert?

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) baut in den kommenden Monaten unternehmensweit rund 75 Vollzeitstellen ab. 34 davon sind in der Produktion, wie SRF-Direktorin Nathalie Wappler am Montag vor den Medien sagte. Von den 75 Vollzeitstellen, die gestrichen werden, ist etwa ein Drittel über Kündigungen geplant. Der Rest soll laut Wappler über Frühpensionierungen und natürliche Fluktuationen abgebaut werden.

ARCHIVBILD ZUM STELLENABBAU BEI SRF --- Nathalie Wappler, Director of Swiss Radio and Television, SRF, poses for a photograph at the television studio of SRF in Zurich-Oerlikon, Switzerland, on August ...
SRF-Direktorin Nathalie Wappler.Bild: keystone

Nach dem nun erfolgten Abschluss des Konsultationsverfahrens startet bei SRF die Umsetzung der Personalmassnahmen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Rund 10 Prozent der 75 Vollzeitstellen sollen laut Mitteilung im Kader abgebaut werden. Bei dem Stellenabbau handelt es sich um eine Massnahme des bereits früher angekündigten Unternehmensprojekts «SRF 4.0».

Der Abbau sei schmerzhaft, aber «rote Zahlen sind für uns keine Option», sagte die SRF-Direktorin. Die Gründe für den Abbau seien rückläufige kommerzielle Einnahmen sowie die Teuerung.

Welche Sendungen sind betroffen?

  • Ab Sommer 2025 werden die «Tagesschau»-Ausgaben am Mittag und um 18 Uhr durch moderierte Newsflashes ersetzt; am Wochenende entfällt die Mittagsausgabe.
  • Die Sendungen «Club» und «Gesichter & Geschichten» pausieren neu im Sommer – analog zu den Magazinen und anderen Talk-Sendungen.
  • Die senderspezifischen Newsbulletins bei Radio SRF Virus entfallen und werden durch die regulären Nachrichten von Radio SRF ersetzt.
  • Das Angebot der Regionaljournale am Wochenende wird punktuell reduziert. Ausnahmen sind Wahl- und Abstimmungssonntage.
  • An den Regionalstandorten werden die Regionalredaktionen Audio/Digital mit den TV-Korrespondentenstellen zusammengelegt.
  • Auf Drittplattformen fokussiert SRF künftig für das junge Publikum auf die Marken «SRF Impact», «Bounce» und «Studio 404». Im Gegenzug verzichtet SRF auf die Kanäle «SRF Mood» und «We, Myself & Why» sowie auf die Formate «Das VARs», «Deep Dating», «Hypegenossen», «Pasta del Amore», «In Progress» und «Helvetia».
  • Zusätzliche Einsparungen ergeben sich durch die Verlagerung von weiteren Sendungen ins News- und Sportcenter (NSC). Dazu gehören «Rundschau», «Kassensturz» und «Gesichter und Geschichten».
Das neue SRF-Fernsehstudio für die Tagesschau und 10 vor 10.
Wird es künftig weniger oft geben: Die SRF-Tagesschau.Bild: screenshot srf

Sind weitere Massnahmen geplant?

Neben dem Stellenabbau hat die Geschäftsleitung von SRF organisatorische Anpassungen in den Informationsabteilungen beschlossen, um mehr Synergien zwischen Audio, Video und Digital nutzen zu können. Die bisher getrennten Chefredaktionen Video und Audio/Digital sollen zu einer multimedialen Chefredaktion zusammengelegt werden.

Mit «SRF 4.0» will sich das Medienhaus für zukünftige Herausforderungen rüsten. Neben der finanziellen Stabilisierung soll damit auch die digitale Transformation vorangetrieben werden. So soll beispielsweise die SRF News-App als Hauptnachrichtenkanal gestärkt werden.

Ab 2026 sind weitere organisatorische und personelle Massnahmen geplant, darunter eine Verkleinerung der Geschäftsleitung. Bereits jetzt nicht mehr wiederbesetzt werden soll die Stelle Abteilungsleitung Kultur. Diese ist vakant, seit Susanne Wille zur SRG-Generaldirektorin gewählt wurde.

Susanne Wille posiert als neuegewaehlte Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG zum Portrait, am Samstag, 25. Mai 2024 in Bern. Die 50-jaehrige Schweizer Journalistin  ...
Susanne Wille ist neue Generaldirektorin der SRG.Bild: keystone

Was sind die Reaktionen?

Die Mediengewerkschaft SSM hat sich am Montag in einer Mitteilung «schockiert» gezeigt über den geplanten Stellenabbau bei SRF. Sie warnt vor dem Verlust an Vielfalt und Qualität sowie vor den Folgen für die Mitarbeitenden. Besonders schmerzlich sei das Sparprogramm für die Informationsangebote der «Tagesschau» sowie in den Regionen.

(dab/cma/rbu/sda)

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293 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RichiZueri
23.09.2024 14:22registriert September 2019
Wtf?! Für genau solche Service Public Sendungen, wie eben eine Tagesschau, sollte ein Staatsfernseher da sein und nicht für Unterhaltung und Entertainment.
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Rannen
23.09.2024 14:20registriert Januar 2018
Es war zu erwarten dass das Management von SFR am falsche Ort ansetzt!
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ThinkTwice
23.09.2024 14:25registriert September 2024
Arbeitstätige Menschen - die wohl die Mehrheit des Tagesschau-Publikums ausmachen - haben mittags meist keine Zeit für die Tagesschau. Diese Massnahme ist nachvollziehbar.
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