Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Reiche Ausländer waren in der Schweiz immer willkommen – Armen drohte die Heimatlosigkeit

Um den Schweizer Pass zu erhalten, müssen Ausländer Sprachkenntnisse nachweisen, einen Staatskundetest bestehen und zeigen, dass sie mit den Gepflogenheiten in der Schweiz vertraut sind. Früher brauchte es vor allem Geld.

Noemi Lea Landolt / Nordwestschweiz



Un homme tient un passeport biometrique Suisse dans le nouveau centre de biometrie au Flon ce vendredi 21 janvier 2011 a Lausanne. Ce centre va recolter les donnees biometriques pour les passeports suisse ainsi que pour les cartes de sejour biometrique. A partir du 24 janvier 2011, les titres de sejour biometriques pour les ressortissants etrangers des Etats tiers deviennent obligatoires. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)..

Früher wurde eingebürgert, wer eine saftige Summe bezahlen konnte. Bild: KEYSTONE

Bis Ende November dieses Jahres haben 40'945 Personen das Schweizer Bürgerrecht erworben. Die meisten von ihnen deutsche Staatsbürger, gefolgt von Italienern und Portugiesen. Um den Schweizer Pass zu erhalten, mussten sie etwa Sprachkenntnisse nachweisen, einen Staatskundetest bestehen und zeigen, dass sie mit den Gepflogenheiten in der Schweiz vertraut sind.

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Früher brauchte es vor allem Geld. Im 16. Jahrhundert wurden Gebühren für Heimatscheine allgemein üblich. Der österreichische Historiker Valentin Groebner verfasste für das Buch zur Ausstellung «Heimat» im Stapferhaus Lenzburg einen Artikel «Über die Geschichte und den Preis eines Scheins». Darin beschreibt er, wie im Jahr 1513 «Berner Gemeinden vor dem städtischen Rat klagten, dass massenhaft Leute aus der Lombardei, dem Piemont und dem Wallis zuzögen und Nutzungsrechte an Wald und Allmend in Anspruch nähmen».

Sie setzten durch, dass zugezogene Ausländer und Einwanderer aus anderen Kantonen eine Gebühr zahlen mussten. Für 25 Pfund konnten sie einen Heimatschein erwerben. Das entsprach damals mehreren Jahreslöhnen eines Handwerksgesellen.

Arme waren unerwünscht

Trotz hoher Gebühr war der Heimatschein beliebt. Wer einen besass, dem wurde, sollte er arm oder krank werden, geholfen. «Unerwünschte, das hiess arme, Ausländer sollten deswegen mit drastischen Strafen abgeschreckt werden», schreibt Historiker Groebner. Die Strafen im 16. Jahrhundert reichten von Folter und Brandmarkungen bis zur Hinrichtung.

Auch in den folgenden Jahrhunderten wollten die Gemeinden die eigenen Armen loswerden. Wer verbotenerweise bettelte, dem wurde das Heimatrecht entzogen. Valentin Groebner erzählt die Geschichte eines Mannes aus dem Kanton Schwyz, der 1852 in Bern verhaftet wurde, weil er «als einer von vielen Zehntausenden Unerwünschten» vagabundierte. Im Verhör begründete er sein Herumziehen mit den Worten: «Weil mir niemand etwas gibt.»Bis 1874 bestimmten Kantone und Gemeinden selber, wem das Bürgerrecht zugestanden wurde. Der Bund erhielt erst mit der neuen Bundesverfassung die Kompetenz, die Bedingungen für die Einbürgerung festzulegen.

Erster Weltkrieg setzte Zäsur

Zwischen 1870 und 1910 war der Ausländeranteil in der Schweiz von 5.7 auf 14.7 Prozent gestiegen. Mit dem Ziel, den Ausländeranteil zu senken, liessen Behörden deshalb vermehrt Einbürgerungen zu. Eine Revision des Bürgerrechtsgesetzes 1903 hätte den Kantonen sogar erlaubt, ausländische Kinder bei Geburt automatisch einzubürgern. Davon machten sie jedoch nie Gebrauch.

Mit dem Ersten Weltkrieg veränderte sich die Ausländer- und Einbürgerungspolitik nicht nur in Europa, sondern auch in der Schweiz. Die Sorge vor einer Überfremdung wurde aktuell. Als Folge wurde das Bürgerrechtsgesetz restriktiver ausgestaltet. Die Wohnsitzfrist wurde 1917 von zwei auf vier, 1920 auf sechs und 1952 auf zwölf Jahre angehoben.

Pass nur noch mit Ausweis C

Am 1. Januar 2018 tritt das neue Bürgerrechtsgesetz in Kraft. Gemäss diesem muss eine Person vor der Einbürgerung nur noch zehn statt zwölf Jahre in der Schweiz gelebt haben. Neu darf aber nur noch eingebürgert werden, wer über eine Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) verfügt. Personen mit B-Bewilligung und vorläufig Aufgenommene (Ausweis F) können kein Einbürgerungsgesuch mehr stellen.

Aus diesem Grund hat in Zürich Stadtpräsidentin Corine Mauch rund 40'000 Ausländerinnen und Ausländer angeschrieben und sie aufgefordert, über eine Einbürgerung nachzudenken, solange das neue Gesetz noch nicht in Kraft ist. In der Folge verzeichnete die Abteilung Einbürgerungen des Kantons laut «NZZ» so viele Gesuche wie noch nie. (aargauerzeitung.ch)

«Gopferdamminomal!» – So habe ich als Kanadierin Deutsch gelernt

Video: watson

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Deutschland knackt die Zwei-Millionen-Grenze

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Coiffeur, Tattoo- und Massagestudios: Was ab Montag alles noch geöffnet hat

Welche Läden haben ab Montag noch geöffnet, welche müssen schliessen? Muss ich meinen Friseur- oder Tattootermin absagen? Wir beantworten dir die wichtigsten Fragen rund um die neuen Corona-Regeln des Bundesrates.

Am Mittwoch hat der Bundesrat neue Massnahmen zur Ausbreitung des Coronavirus beschlossen. Unter anderem hat er entschieden, dass alle Geschäfte, die keine Güter «des kurzfristigen und täglichen Bedarfs» anbieten, ab Montag dem 18. Januar 2021 schliessen müssen.

Doch was bedeutet das nun konkret? Welche Geschäfte müssen schliessen? Welche dürfen offen bleiben? Und auf was muss ich bei Dienstleistungsanbietern beachten? Wir klären dich auf.

Lebensmittelgeschäfte bleiben geöffnet. Die Regelung, …

Artikel lesen
Link zum Artikel