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Damian Piller Migros

Damien Piller kämpft um seine Ehre. Bild: keystone/ch media/watson

Korruptionsverdacht bei der Migros: Der Freiburger Regionalfürst schlägt zurück

Damien Piller soll sich zulasten der Migros bereichert haben. Nun wehrt sich der Präsident der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg mit einem Gutachten gegen die Vorwürfe – und greift die Zentrale in Zürich an.

andreas möckli, beat schmid / ch media



Damien Piller kämpft um seine Ehre. Sekundiert von drei Anwälten und seinem Vize holte der Präsident der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg zu einer Wutrede aus. Schauplatz ist ein Hotel in Freiburg.

Unzählige Male klopft er mit seinem Finger auf den Tisch, den Kugelschreiber wirft er wiederholt auf Dokumente, die vor ihm liegen. «Man will glauben machen, dass der Sitz unserer Genossenschaft in Marin NE brennt», sagt Piller an der kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. «Dabei gibt es gar kein Feuer». Und weiter: Zwischen der Zürcher Migros-Zentrale und der regionalen Genossenschaft sei ein Krieg im Gange.

Der gestrige Tag markiert eine weitere Episode im Fall Damien Piller. Anfang Juli reichte die Migros-Zentrale in Zürich eine Strafanzeige gegen den Freiburger Anwalt und Unternehmer wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung ein. Der Vorwurf: Piller soll beim Bau von zwei Migros-Filialen total 1,7 Millionen Franken in die eigene Tasche abgezweigt zu haben. Für Piller gilt die Unschuldsvermutung.

«Man will glauben machen, dass der Sitz unserer Genossenschaft in Marin NE brennt. Dabei gibt es gar kein Feuer.»

Damien Piller

Ein Persilschein ohne schriftliche Belege

Der Fall beschäftigt die Migros schon länger. Nachdem sich ein Mitarbeiter mit Hinweisen bei der Zentrale gemeldet hatte, startete diese Ende 2017 eine interne Untersuchung. Diesen Februar legte Strafrechtler und Korruptionsexperte Mark Livschitz einen Untersuchungsbericht vor. Das Fazit: Piller soll sich zu Lasten der Regional-Genossenschaft bereichert und in einem eklatanten Interessenkonflikt gestanden haben.

Nun schlägt Piller mit Hilfe seiner vier Kollegen im Aufsichtsgremium der Genossenschaft Neuenburg-Freiburg zurück. Sie haben Ende Juni selber einen Bericht in Auftrag gegeben, welcher die Vorgänge rund um den Fall untersuchen soll. Erstellt wird dieser vom Genfer Steueranwalt Alan Hughes.

Gestern sprach er über erste Zwischenresultate: Es gebe keine Beweise dafür, dass Piller Geld unterschlagen und sich persönlich bereichert habe. Juristische Verfehlungen seitens Pillers habe er nicht gefunden. Hughes kann jedoch nicht ausschliessen, dass es einen Interessenkonflikt gab. Um diese Frage zu beantworten, brauche es weitere Abklärungen. Der Genfer hat für die Untersuchung einen Wirtschaftsprüfer, eine Anwältin, einen Architekten und einen Ökonomen an Bord geholt.

Schriftliche Belege konnte Hughes jedoch nicht vorlegen. Daher bleibt der Öffentlichkeit nicht viel mehr übrig, als sich auf das Wort des Steueranwalts zu verlassen – oder eben nicht. «Hätten wird den Zwischenbericht vorgelegt, so hätten wir weite Teile des Berichts schwärzen müssen», sagte André Clerc, Anwalt der Regional-Genossenschaft. Sonst wären Geschäftsgeheimnisse publik geworden.

Clerc erhebt schwere Vorwürfe an die Migros-Zentrale in Zürich: «Im Bericht von Mark Livschitz ist alles falsch, was falsch sein kann.» Er verweist auf faktische Fehler, unkorrekte Übersetzungen und auf fehlende Gesprächsprotokolle. Die Interviews, die Livschitz geführt habe, seien nur summarisch festgehalten worden.

Schlecht kommt auch die neu gewählte Migros-Präsidentin Ursula Nold weg. Sie habe Piller an einem Treffen Ende Juli aufgefordert, von seinem Amt als Präsident zurückzutreten. Als Piller dies ablehnte, schlug sie ihm vor, eine Suspendierung zu akzeptieren. Auch dies wollte Piller nicht. Schliesslich habe Nold Massnahmen gegen den Freiburger in Aussicht gestellt, ohne konkret zu werden. Nold habe sich im Gespräch im Wesentlichen auf einen vorbereiteten vierseitigen Text abgestützt. Die Migros-Zentrale kommentiert diese Vorwürfe nicht.

Was macht die Freiburger Staatsanwaltschaft?

Nun liegen also ein Gutachten von der Migros-Zentrale sowie ein erster Teil eines Gegengutachtens vor, dessen Inhalt nicht bekannt ist. Beobachter vermuten, dass Piller und seine Mitstreiter mit dem Zwischenbericht die Freiburger Staatsanwaltschaft unter Druck setzen wollen. Diese muss entscheiden, ob sie eine Strafuntersuchung eröffnen wird. Auf Anfrage will sich die Staatsanwaltschaft nicht zum Zwischenbericht äussern. Die polizeiliche Untersuchung sei noch im Gang.

Die Migros-Zentrale habe erst gestern aus Medienberichten vom Gutachten der Regional-Genossenschaft erfahren, sagt ein Sprecher. «Wir gehen davon aus, dass die Ausführungen von der Staatsanwaltschaft Freiburg in die Strafuntersuchung gegen Damien Piller einbezogen werden.» An den eingeleiteten rechtlichen Schritten halte die Migros-Zentrale fest. Dies erlaube es den Behörden, den Sachverhalt lückenlos und unabhängig klären zu können.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Baba 28.08.2019 06:50
    Highlight Highlight Ist denn der "Maulkorb", der Piller für den MGB erwirkt hat, nach wie vor in Kraft?

    Wenn ja, finde ich das Vorgehen von Herrn Piller (unabhängig davon, ob sich seine Weste letztendlich als sauber oder nicht herausstellt) - ziemlich unelegant. Er selbst geht zum wiederholten Mal an die Öffentlichkeit, der Gegenseite ist das aber nicht erlaubt...🤔
    • Matthiah Süppi 28.08.2019 07:23
      Highlight Highlight Nein der MGB darf wieder kommunizieren, will aber nicht.
    • Baba 28.08.2019 13:32
      Highlight Highlight @Matthiah: Danke für die Info
  • Coffeetime 28.08.2019 06:42
    Highlight Highlight Der Imageschaden ist doch schon da, oder? 🤔
  • bebby 28.08.2019 06:40
    Highlight Highlight Die Art und Weise, wie Herr Piller reagiert, und die Tatsache, dass er krampfhaft an seiner Position festhält, sprechen nicht für ihn. Am Ende wird aber ein Gericht darüber befinden müssen. Wenn es ihm um den Ruf der Migros ginge, wäre er längst zurückgetreten.
  • Dragonlord 28.08.2019 06:39
    Highlight Highlight Ach wie gut es in unserer schönen Schweiz doch geht. Wer hat, dem wird gerne auch gegeben. Ein Interessenskonflikt ist nicht zu verleugnen. Das mag jetzt juristisch nicht strafbar sein, moralisch ist es jedoch fragwürdig.
    An Ende lachen die teuren Anwälte und Gutachter, weil sich ein Alphatier gekränkt fühlt.
    Und wer bezahlt letztendlich die Zeche?

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