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Juso entschuldigt sich für antisemitische Karikatur, SIG spricht von «Fehlleistung»

23.01.2016, 10:0023.01.2016, 18:45

Eine Karikatur, mit der die Juso bis vor kurzem auf Facebook für ihre Initiative gegen Spekulationen mit Nahrungsmitteln warb, ist mit antisemitischen Klischees geradezu gespickt: Darin packt ein Mann mit Schläfenlocken, grosser Nase und schwarzem Hut den Arm von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, um sich einen Löffel Essen einzuverleiben, der für ein hungerndes Kind gedacht war. Der Magistrat kommentiert dies mit den Worten «... und ein Löffel für die internationale Finanzlobby». Damit wird auf die Vorstellung angespielt, dass Juden die internationalen Finanzströme sowie westliche Regierungen kontrollieren.

Entdeckt hat die Karikatur auf der Juso-Facebook-Seite der Blog «etwasanderekritik». Die Autoren werfen der Partei vor, eine «ähnlich bis identische» Bildsprache wie die Nationalsozialisten zu verwenden und verweisen auf Karikaturen der Zeitschrift «Stürmer». Die «Vulgär-Kapitalismuskritik» der Juso sei «strukturell antisemitisch», heisst es.

Karikatur aus der Nazi-Zeitschrift «Stürmer» (um 1939).<br data-editable="remove">
Karikatur aus der Nazi-Zeitschrift «Stürmer» (um 1939).
bild via nachrichtenbrief.wordpress.com

Zunächst habe man kritische Kommentare und anschliessend den ganzen Eintrag gelöscht. «Ohne Hinweis, ohne Entschuldigung, ohne sich der Debatte zu stellen», bemängeln die Autoren des Blogs «etwasanderekritik».

screenshot via blog etwasanderekritik

Genüsslich verweisen sie auf einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2014, als die Gewerkschaft Unia ein FDP-Inserat scharf kritisierte und in die Nähe der Nazi-Zeitschrift «Stürmer» stellte.

Die Juso hat am Samstagmorgen folgende Stellungnahme zu der Karikatur veröffentlicht: 

«Wir haben den Post gestern entfernt, nachdem wir von Mitgliedern auf die problematischen Aspekte der Karikatur angesprochen worden waren», erklärt Hanna Bay, Juso-Vizepräsidentin und Ressort-Verantwortliche für die Spekulationsstopp-Initiative, gegenüber watson. «Wir können und wollen nicht leugnen, dass das unser Fehler war.»

Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG), erklärt gegenüber watson:

«Die Karikatur und vor allem der Umgang damit sind eine Fehlleistung. Ich glaube aber, man hat die Lehren daraus gezogen.»

Auch der Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli hat sich dazu geäussert:

Was hältst du von dieser Karikatur?

Eine gute Gelegenheit für unseren Antisemitismus-Selbsttest, der von einer Umfrage der Anti-Defamation League (siehe unten) adaptiert wurde:

Quiz
Anti-Defamation League
Die 1913 in den USA gegründete Anti-Defamation League (Antidiffamierungsliga) hat sich nach eigenen Angaben dem Kampf «gegen Antisemitismus und alle Formen von Fanatismus» verschrieben. Die Organisation mit Sitz in New York ist ein Mitglied der pro-israelischen Lobby American Israel Public Affairs Committee (AIPAC). Die Anti-Defamation League ist nicht unumstritten; Kritiker werfen ihr unter anderem vor, sie verunglimpfe jegliche Kritik an Israel als antisemitisch.
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