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Juso entschuldigt sich für antisemitische Karikatur, SIG spricht von «Fehlleistung»



Eine Karikatur, mit der die Juso bis vor kurzem auf Facebook für ihre Initiative gegen Spekulationen mit Nahrungsmitteln warb, ist mit antisemitischen Klischees geradezu gespickt: Darin packt ein Mann mit Schläfenlocken, grosser Nase und schwarzem Hut den Arm von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, um sich einen Löffel Essen einzuverleiben, der für ein hungerndes Kind gedacht war. Der Magistrat kommentiert dies mit den Worten «... und ein Löffel für die internationale Finanzlobby». Damit wird auf die Vorstellung angespielt, dass Juden die internationalen Finanzströme sowie westliche Regierungen kontrollieren.

Entdeckt hat die Karikatur auf der Juso-Facebook-Seite der Blog «etwasanderekritik». Die Autoren werfen der Partei vor, eine «ähnlich bis identische» Bildsprache wie die Nationalsozialisten zu verwenden und verweisen auf Karikaturen der Zeitschrift «Stürmer». Die «Vulgär-Kapitalismuskritik» der Juso sei «strukturell antisemitisch», heisst es.

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Karikatur aus der Nazi-Zeitschrift «Stürmer» (um 1939).
bild via nachrichtenbrief.wordpress.com

Zunächst habe man kritische Kommentare und anschliessend den ganzen Eintrag gelöscht. «Ohne Hinweis, ohne Entschuldigung, ohne sich der Debatte zu stellen», bemängeln die Autoren des Blogs «etwasanderekritik».

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screenshot via blog etwasanderekritik

Genüsslich verweisen sie auf einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2014, als die Gewerkschaft Unia ein FDP-Inserat scharf kritisierte und in die Nähe der Nazi-Zeitschrift «Stürmer» stellte.

Die Juso hat am Samstagmorgen folgende Stellungnahme zu der Karikatur veröffentlicht: 

«Wir haben den Post gestern entfernt, nachdem wir von Mitgliedern auf die problematischen Aspekte der Karikatur angesprochen worden waren», erklärt Hanna Bay, Juso-Vizepräsidentin und Ressort-Verantwortliche für die Spekulationsstopp-Initiative, gegenüber watson. «Wir können und wollen nicht leugnen, dass das unser Fehler war.»

Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG), erklärt gegenüber watson:

«Die Karikatur und vor allem der Umgang damit sind eine Fehlleistung. Ich glaube aber, man hat die Lehren daraus gezogen.»

Auch der Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli hat sich dazu geäussert:

Was hältst du von dieser Karikatur?

Eine gute Gelegenheit für unseren Antisemitismus-Selbsttest, der von einer Umfrage der Anti-Defamation League (siehe unten) adaptiert wurde:

Quiz
1.Juden verhalten sich loyaler gegenüber Israel als dem Land, in dem sie wohnen.
Right-wing Israelis hold Israeli flags during a rally demanding the Israeli government to take a military action against Hamas in Gaza at the entrance to the southern town of Sderot on Thursday, July 3, 2014. More than a dozen barrages from Gaza late Wednesday struck two homes and knocked out electricity in the southern border town of Sderot but caused no injuries. Israel said it responded with overnight airstrikes on 15 Hamas targets. (AP Photo/Tsafrir Abayov)
AP
Eher wahr
Eher falsch
2.Juden verfügen über zu viel Macht in den internationalen Finanzmärkten.
A screen above the trading floor of the New York Stock Exchange, Thursday, Aug. 7, 2014 shows the closing number for the Dow Jones industrial average. Stocks are ending lower as investors worry about slowing global economic growth and simmering tensions between Russia and the West over Ukraine. The Dow Jones industrial average fell 75 points, or 0.5 percent, to close at 16,368.  (AP Photo/Richard Drew)
AP
Eher wahr
Eher falsch
3.Juden haben zu viel Kontrolle über das Weltgeschehen.
Bild zur Frage
Eher wahr
Eher falsch
4.Juden halten sich für bessere Menschen.
epa04132528 Ultra-Orthodox Jews stand near a wall where they pray during a protest against conscription into the Israeli military held at the entrance to Jerusalem, 19 March 2014. Some 500 ultra-Orthodox people protested against police arresting Hassidic draft dogers and against the law that will make a certain amount of ultra-Orthodox join the army as other citizens a must.  EPA/JIM HOLLANDER
EPA
Eher wahr
Eher falsch
5.Juden haben zu viel Einfluss über die globalen Medien.
A man polishes the sign for The New York Times at the company's headquarters, July 18, 2013 in New York. The newspaper has faced declines in print advertising and subscription revenue. The company has tried to offset those drops by increasing the number of digital subscribers. (AP Photo/Mark Lennihan)
AP
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Eher falsch
6.Juden sind für die meisten Kriege auf der Welt verantwortlich.
epa04331291 An Israeli soldier loads ammunition onto a tank at an unspecified location at the border between the Gaza Strip and Israel, 26 July 2014. A 12 hour humanitarian cease-fire came into effect start from 08:00 local time (05:00 GMT) as talks on a more durable ceasefire move to Paris. Israeli army spokesman said that the army will continue to destroy Hamas' tunnel network during cease-fire.  EPA/ATEF SAFADI
EPA
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7.Juden verfügen über zu viel Macht in der Wirtschaft.
Bild zur Frage
Eher wahr
Eher falsch
8.Juden sind alle Menschen egal, ausser Juden.
epa04350032 Israeli soldiers among people cheering a group of 338 Americans and Canadians arriving at Ben Gurion Airport, in Lod, outside Tel Aviv, Israel, 12 August 2014. According to media reports, about 100 new arrivals coming from 27 states of the USA and some from Canada, are men and women planning to serve in the Israeli Army.  EPA/JIM HOLLANDER
EPA
Eher wahr
Eher falsch
9.Juden sind wegen ihres Verhaltens verhasst.
epa03862437 An ultra-Orthodox Jewish man holds a live chicken while reciting prayers for the 'Kaparot' ritual in Bnei Brak, outside Tel Aviv, 11 September 2013. Kaparot is performed as prayers are recited that symbolically transfer the person's sins accumulated through the year into the chickens that is then butchered in a 'kosher' manner and either donated to charity or eaten. The ritual is performed before the holiest of Jewish holidays, Yom Kippur, which begins at sundown on 13 September when the entire country comes to a standstill as people fast and pray for 24 hours.  EPA/OLIVER WEIKEN
EPA
Eher wahr
Eher falsch
10.Juden haben zu viel Kontrolle über die US-Regierung.
Chicago Mayor-elect Rahm Emanuel cheers for President Barack Obama at a fundraising kickoff event at Navy Pier in Chicago, Thursday, April 14, 2011. (AP Photo/Nam Y. Huh)
AP
Eher wahr
Eher falsch
11.Juden reden zu viel über den Holocaust.
Nobel peace laureate Elie Wiesel delivers a statement during a ceremony to mark Israel's Holocaust day at the Place de la Nation, outside the UN headquarters in Geneva, Switzerland, Monday, April 20, 2009. Iranian President Mahmoud Ahmadinejad has accused Israel of being the
KEYSTONE
Eher wahr
Eher falsch
12.Bonusfrage: Dass CS und UBS in den 1990er Jahren 1,25 Milliarden Dollar Wiedergutmachung für nachrichtenlose jüdische Vermögen zahlen mussten, war ...
Swiss and American officials meet with leaders of the  World Jewish Restitution Organization, Friday, February 14, 1997, in New York to discuss a Swiss fund to compensate Holocaust survivors.  Shown from left are: Ambassador Stuart Eizenstat,  U.S. undersecretary of state for international trade; President of the World Jewish Restitution Organization Edgar M. Bronfman; and Ambassador Thomas Borer, of the Swiss Government Task Force.  (KEYSTONE/AP Photo/David Karp)
AP
... das Resultat der erpresserischen Methoden des Jüdischen Weltkongresses und seiner Gehülfen in der US-Regierung.
... eine rechtliche und moralische Notwendigkeit.
Resultat

Anti-Defamation League

Die 1913 in den USA gegründete Anti-Defamation League (Antidiffamierungsliga) hat sich nach eigenen Angaben dem Kampf «gegen Antisemitismus und alle Formen von Fanatismus» verschrieben. Die Organisation mit Sitz in New York ist ein Mitglied der pro-israelischen Lobby American Israel Public Affairs Committee (AIPAC). Die Anti-Defamation League ist nicht unumstritten; Kritiker werfen ihr unter anderem vor, sie verunglimpfe jegliche Kritik an Israel als antisemitisch.

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311 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
SuicidalSheep
23.01.2016 16:43registriert August 2015
Erinnert mich eher an den Monopoly Typen... aber naja
Ändert nichts an der Sache, dass die Initiative eine gute Sache ist, deswegen gibts von mir auch ein JA
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Yosh Eden
24.01.2016 10:16registriert March 2014
Ich glsub ich spinne! Wir delbstzensurieren uns bis zur Selbstaufgabe. Ein Mann mit Hut soll ein Jude darstellen? Haben die fängs dermassen Schutz, dass man nix heichnen kann, was mit grosser Phantasie auch nur iiiirgendwie als Jude gedeutet werden könnte? Aber Mohammed zu karrikieren ist dann Meinungsfreiheit? Entweder oder! Dieser Antisemitismuskeule nervt gewaltig.
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Robert K.
23.01.2016 11:33registriert February 2015
Der beigefügte Test macht keinen Sinn: "Juden sind wegen ihres Verhaltens verhasst." wenn ich diese mit ja beantworte, beschreibe ich das Verhalten anderer nicht meines. Ich kann alle Fragen "Anti-Semitisch" beantworten - aber die jüdischen Menschen schätzen. Toleranz gegenüber anderen Menschen lässt sich sich so nicht erfragen.
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