Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FCZ-Fans springen 2009 in Bellinzona aus dem Zug. (Archivbild)

FCZ-Fans springen 2009 in Bellinzona aus dem Zug. Bild: sda

Mutmassliche FCZ-Fans bestreiten Beteiligung an Angriff auf YB-Zug



Eine Berner Einzelrichterin hat am Donnerstag drei mutmassliche Fans des FC Zürich einvernommen, welche 2017 bei einem Angriff auf einen Fanzug des BSC Young Boys Bern beteiligt gewesen sein sollen. Ihre Anwälte bestreiten dies.

Die drei mutmasslichen FCZ-Fans verweigerten vor der Einzelrichterin des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau in Burgdorf fast jegliche Aussage. Ihre Anwälte verlangten aber in ihren Plädoyers Freisprüche in den Anklagepunkten, in denen es um den Angriff von August 2017 im Bahnhof von Herzogenbuchsee ging.

Die Beteiligung der vier jungen Männer im Alter von 23 bis 29 Jahren aus Zürich an diesen Angriff sei überhaupt nicht belegt, sagten die Anwälte unisono. Einer der jungen Männer sagte, er sei seit vielen Jahren an den Armen und Händen tätowiert. Auf dem Bild, das laut der Polizei ihn zeige, seien die Tattoos nicht zu sehen.

Ein Staatsanwalt beantragt für die drei jungen Männer und einen weiteren, der am Donnerstag fehlte, Freiheitsstrafen zwischen 6 und 10 Monaten sowie Bussen. Die Freiheitsstrafen sollen in drei Fällen bedingt ausgesprochen werden, im vierten Fall wohl auch, doch steht das nicht so in der Anklageschrift.

Zahlreiche Straftaten wirft der Staatsanwalt den vier Angeklagten vor, so in allen vier Fällen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und in zwei Fällen einfache Körperverletzung.

Der vierte Angeklagte fehlte, weil er laut seinem Anwalt Covid-19-Symptome aufweist. Er ersuchte deshalb um Dispensierung vom Prozess, was die Richterin bewilligte. Diese will das Urteil am (morgigen) Freitagnachmittag bekanntgeben.

Zugbegleiterin: «Wie im Krieg»

Als am 19. August 2017 der Extrazug mit YB-Fans zum Auswärtsspiel des Berner Fussballklubs in Zürich rollte, legte der Zug in Herzogenbuchsee einen geplanten Halt ein. Wie Zeugen am Donnerstag vor Gericht sagten, rannten auf einmal rund 25 vermummte Männer zum Zug und ein Teil von ihnen bestieg einen Wagen der Zugspitze.

Dort attackierten sie den im Zug mitreisenden YB-Fanverantwortlichen und wollten wissen, wo die YB-Fans seien.

Geistesgegenwärtig hatte der Zugchef kurz zuvor sofort den paar YB-Fans, welche sich auf dem Perron befanden, befohlen einzusteigen. Den Lokführer hiess er abzufahren. Auf diese Weise verhinderte er, dass der Grossteil der mutmasslichen FCZ-Fans in die hinteren Wagen gelangte, wo sich die YB-Fans befanden.

Die paar mutmasslichen FCZ-Fans in den vorderen Wagen betätigten nach dem Losfahren die Notentriegelung der Türen und sprangen wieder aus dem Zug.

Weiter hinten drückte der Zugchef von Hand auf die Tür, durch die er eben eingestiegen war, damit sie sich schneller schliesse. Durch den offenen Spalt schlug aber ein mutmasslicher Fan des FCZ noch mit einem Stock auf den Arm des Zugchefs ein.

Dieser mutmassliche FCZ-Fan soll in der Folge die Türscheibe des folgenden Wagens eingeschlagen und Pfefferspray in den Zug gesprüht haben. Der Zugführer trug eine blutende Wunde und eine Prellung davon, welche er ärztlich behandeln lassen musste.

Der Lokführer des YB-Extrazugs sagte bei seiner Einvernahme vor der Richterin, er habe sich «wie in einem schlechten Film» gefühlt. Er erinnere sich vor allem an das Überfallartige der Szene. Eine Zugbegleiterin der SBB sagte, ihr sei es vorgekommen «wie im Krieg».

Auf Autobahnraststätte gefilmt

Aus den Fragen der Richterin an die Angeklagten ging hervor, dass die Männer offenbar aufgrund von Videoaufnahmen beschuldigt wurden, welche Kameras der Autobahnraststätte Kölliken AG gemacht hatten.

Dort sollen die Angeklagten gut 25 Minuten nach dem Angriff auf den Zug einen Halt eingelegt haben und von der Stadtpolizei Zürich identifiziert worden sein. Diese Videobilder wurden während der Verhandlung gezeigt. Zu sehen war, wie junge Männer mit weissen Sweat- oder T-Shirts aus Autos ausstiegen und umhergingen.

Vorhanden sind laut der Richterin auch Fotos, welche Passagiere des YB-Fanzugs vom Angriff machten. Beim Vergleich der Bilder aus Herzogenbuchsee und Kölliken sollen sich im Fall der Beschuldigten übereinstimmende Merkmale ergeben haben. Genau dies bestreiten die Verteidiger der Angeklagten. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Hooligans an der Fussball-EM 2016

Die St.Galler Polizei sucht FCZ-Randalierer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

24
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dieter123 25.07.2020 00:41
    Highlight Highlight Gehts hier nicht primär darum im Stadion guten Fussball zu sehen?
    Elemente, welche dies Situation dazu nutzen Gewalt und Vandalismus auszuüben gehören vor Gericht und abgeurteilt.
    Ab sie dabei die „Gosche“ halten oder nichts an der Tatsache, dass sie den Fussball und vorallem ihren Club in schlechtes Licht setzen.
    Genau solche Sozialpsychopaten sind der agrund, weshalb ich die Spiele meiner Lieblingsmannschaft nur noch am TV sehe.
  • Faeudi 24.07.2020 00:48
    Highlight Highlight Denjenigen der es in 25 Minuten vom Bahnhof Herzogenbuchsee nach Kölliken zur Autobahnraststätte schafft, möchte ich kennenlernen. Entweder kann er sich und sein Auto teleportieren oder das Auto kann fliegen.
  • Lupe 24.07.2020 00:19
    Highlight Highlight Anhand der positiv eingestellten Aussagen der User nehme ich an dass hier die Südkurve von linken Krawallbrüdern verteidigt wird. Wenn abgeglichene Videoaufnahmen kein Beweis sind, dann ist was bitte ein Beweis ? Macht endlich schluss mit den Fussballkrawallchaoten jeglicher Vereine, solche "Bubis" braucht kein wirklicher Fussballfan, Pfui den Chaoten !
  • MartinZH 23.07.2020 23:58
    Highlight Highlight Diese Typen (Gewalttäter und Pseudo-Fans) verfügen einfach allesamt lediglich über ein Spatzenhirn. Die tun mir alle leid, dass sie bei ihrer Entwicklung dermassen grosse Störungen hatten. 😔
  • easy skanking 23.07.2020 23:03
    Highlight Highlight ich lese vor allem mutmasslich hier, mutmasslich da..
    soviel zum rechtsstaat
    • McStem 24.07.2020 14:05
      Highlight Highlight Das hat mit der Unschuldsvermutung zu tun. Es muss dementsprechend "muttmasslich" stehen, ganz egal wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ein Sachverhalt ist. Würde es nicht dastehen, wäre das eine Vorverurteilung und das wäre dem Rechtsstaat gegensätzlich.
    • easy skanking 24.07.2020 19:12
      Highlight Highlight ach ja.. so wie die mutmasslichen massenvernichtungswaffen im irak?
      trotzdem marschierte der berühmteste vertreter von "rechtsstaat" da ein.. und fand ..... nichts.....
  • SpitaloFatalo 23.07.2020 22:47
    Highlight Highlight Mit viel Idealismus sind diese Anwälte seinerzeit wohl ins Jura-Studium gestartet. Nun, Jahre später verdienen sie gutes Geld damit, solche "Elemente" vor gerechter Strafe zu bewahren.
    • Eidg. dipl. Tütenbauer 24.07.2020 00:00
      Highlight Highlight "Elemente"? Das sind einfach geistig verwahrloste und verkümmerte Marionetten die sich gegenseitig mit solchen Aktionen aufgeilen um Ihre unheilbare Unsicherheit und totale Unwichtigkeit zu überspielen.
    • DemonCore 24.07.2020 05:59
      Highlight Highlight Jeder hat ein Recht sich zu verteidigen und auf Rechtsbeistand, in einem Rechtsstaat. In China, Russland oder im Iran ist das anders...
    • Baccaralette 24.07.2020 07:45
      Highlight Highlight eben. Gutes Geld. Und das bezahlt dir das schöne Haus, nicht der Idealismus.
    Weitere Antworten anzeigen
  • pascii 23.07.2020 22:09
    Highlight Highlight Kratzt die Kurve (nicht)
  • Klaus & Klaus 23.07.2020 21:07
    Highlight Highlight Wer vor Gericht praktische jede Aussage verweigert, hat doch sicher was zu verbergen. Wenn ich unschuldig vor Gericht wäre, dann würde ich kooperieren wo ich nur könnte um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Nee nee....da sind schon die richtigen vor Gericht gelandet. Pech gehabt! Jetzt scheints für das kriminelle Getue mal Konsequenzen zu geben. Blöd gloffe!
    • Kieran Murphy 23.07.2020 21:57
      Highlight Highlight Ein äusserst abenteuerliches Rechtsverständnis hast du da. Unschuldsvermutung und Aussageverweigerungsmöglichkeit sind Grundsätze des Schweizer Rechtssystems. Verdachtsverurteilungen und Aussageerzwingung gibts höchstens in Bananenrepubliken. Wer sich da wohler fühlt, kann die Schweiz gerne in diese Richtung verlassen...
    • SeboZh 23.07.2020 22:27
      Highlight Highlight Ich gebe nie zu etwas getan zu haben (vor der Polizei). Egal um was es geht, am Schluss wird dir noch ein Strick aus deinen Aussagen gedreht.... Daher kann ich ea schon verstehen, keine Aussage zu machen. Es ist ihr gutes Recht. Und wenn der eine Typ seit Jahren tätowiert ist, Fotos aber einen untätowierten Menschen zeigen, war es eben wohl doch nicht der Richtige.

      Sippenhaft für eine ganze Fankurve gibt es ja keine
    • Völkerrechtler 23.07.2020 22:42
      Highlight Highlight @seboZH:

      Du scheinst ja bereits viel Erfahrungen mit der Polizei gesammelt zu haben...
    Weitere Antworten anzeigen

Bundespräsidentin Sommaruga bringt Hilfsgüter in die Ostukraine

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga ist am Donnerstag in den Osten der Ukraine gereist. Im Namen der Schweiz brachte sie humanitäre Hilfsgüter in das Konfliktgebiet, darunter Chemikalien zur Wasseraufbereitung für die Pumpstation von Voda Donbasu.

Diese Wasseraufbereitungsstation versorgt in der Ostukraine eine Bevölkerung von fast vier Millionen Menschen auf beiden Seiten der sogenannten Kontaktlinie, der eigentlichen Waffenstillstandslinie, mit Wasser, wie das Eidgenössische Departement …

Artikel lesen
Link zum Artikel