Chelsea spielt ohne Brustsponsor – und erhofft sich dadurch eine Menge Geld
70 Millionen Euro pro Saison sollen die teuersten Plätze auf den Trikots der Topteams kosten. Real Madrid, der FC Barcelona, Manchester United und Paris Saint-Germain streichen diesen Betrag angeblich von ihren Brustsponsoren ein. Obwohl dies im modernen Fussball nur noch für einen Transfer der oberen Mittelklasse reicht, überrascht es vor diesem Hintergrund, dass ein Klub ganz auf einen Brustsponsor verzichtet. Bei Chelsea ist das aber der Fall.
Seit dem Ende der Saison 2022/23 sind die Blues keinen langfristigen Deal mehr für die Werbefläche auf ihren Trikots eingegangen. Ab September 2023 bis Juni 2024 sowie für die letzten Spiele der Saison 2024/25 zierte zwar jeweils ein Sponsor die Brust von Cole Palmer und Co., doch seither blieb diese wieder leer. Auch beim Gewinn der Klub-WM konnte sich kein Sponsor auf diese Weise in Szene setzen.
Dahinter liegt nicht etwa nostalgische Fussballromantik oder ein Zeichen gegen den Kommerz im Sport – schliesslich gehört der Klub einem Konsortium um US-Milliardär Todd Boehly – sondern ganz einfach Kalkül. Wie The Athletic berichtet, verhandelt Chelsea schon länger mit potenziellen Partnern, fand jedoch noch keine für beide Seiten zufriedenstellende Einigung. Die Blues glauben, ebenfalls in die Gefilde von ManUnited (70 Mio. Euro), Manchester City (65 Mio. Euro) oder Liverpool (58,5 Mio. Euro) vorstossen zu können. Aber eben noch nicht jetzt.
In der letzten Saison des Deals mit dem letzten langfristigen Trikotsponsor – einem englischen Telekommunikationsunternehmen – wurde Chelsea Zwölfter. Auch in der Folgesaison verpassten die Blues die Champions League und waren für Sponsoren deshalb nicht genug attraktiv, damit diese einem so hohen Betrag zustimmen, wie sich der Premier-League-Klub erhofft. «Wenn Sponsoren so viel Geld investieren, wie Chelsea fordert, wollen sie eine gewisse Stabilität im Klub sehen und die Sicherheit, dass der Klub national wie international auf dem höchsten Level wettbewerbsfähig ist», berichtet ein Experte.
Chelsea geht mit dem Verzicht eine Wette auf die Zukunft ein. Darauf, dass die Attraktivität für Sponsoren steigt. Jedes Pfund, das sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht eingenommen haben, müssten sie bei einem zukünftigen Deal aber zusätzlich verdienen, damit sich diese Wette auszahlt. Doch auch ohne einen Brustsponsor gehört der Klub aus London gemäss Deloitte zu den zehn umsatzstärksten Fussballvereinen. Ausserdem bevorzuge Chelsea das Ausbleiben einiger Sponsorengelder gegenüber einem Deal, der nach der Meinung der Verantwortlichen unterhalb des langfristigen Marktwerts des Klubs liege.
Lange dürfte die Brust der Chelsea-Stars bei Spielen aber nicht mehr freibleiben. Im Oktober wurde bereits ein Vertrag mit einem vietnamesischen Technologieunternehmen für ein Ärmelsponsoring eingegangen, der prominenteste Platz auf den Trikots solle auch bald verkauft werden. Mit Blick auf die zur nächsten Saison in Kraft tretenden neuen Finanzregularien der Premier League, nach denen nur noch 85 Prozent des Umsatzes durch Fussball in die Gehälter des Teams und Transfers investiert werden darf, dürfte spätestens dann ein Sponsor vorgestellt werden.
