Schweiz
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Gotthard-Strassentunnel: Das sagen die Gegner und Befürworter



Mehr Sicherheit, keine Isolierung des Tessins, nachhaltigere Investition: Die Befürworter der zweiten Tunnelröhre am Gotthard gehen mit den bekannten Argumenten in den Abstimmungskampf. Sie sind breit abgestützt – auch finanziell.

Acht Politiker unterschiedlicher Couleur – von der SVP bis zur SP – sassen am Dienstag vor den Medien in Bern und rührten die Werbetrommel für «einen sicheren Gotthard für die ganze Schweiz». Der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime, dessen Partei den Kampagnenlead übernommen hat, machte gleich zu Beginn klar, dass die vom Bundesrat und Parlament beschlossene Sanierungslösung die mit Abstand beste sei.

Der Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands (sgv) hob wie Verkehrsministerin Doris Leuthard vor drei Wochen die Wichtigkeit einer zweiten Strassentunnelröhre am Gotthard für die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Verkehrssicherheit hervor. Ein Ja für den zweiten Tunnel bringe wegen der richtungsgetrennten Fahrspuren einen Quantensprung an Sicherheit, sagte der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner.

Dem überparteilichen Komitee «Gotthard Tunnel sicher JA» stehen für den Abstimmungskampf etwas über zwei Millionen Franken zu Verfügung, wie der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi auf Nachfrage sagte. «Wir sammeln noch Geld.» Zum Vergleich: Der Verein «Nein zur 2. Gotthardröhre» investiert nach eigenen Angaben rund 1.5 Millionen Franken in den Abstimmungskampf.

Jean-Francois Rime (SVP) und Patrizia Pesenti (SP), von links, befuerworten im Namen eines breiten ueberparteilichen Komitees eine zweite Roehre durch den Gotthard am Dienstag, 17. November 2015 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Das überparteiliche Komitee. 
Bild: KEYSTONE

Sicherheit und Solidarität

Die Argumente der Tunnelgegner wurden am Dienstag vom Ja-Komitee zum wiederholten Male zerpflückt. Die Alternativen für eine Sanierung seien völlig ungenügend, zu teuer und in keiner Weise nachhaltig, sagte Rime.

«Würde der Tunnel während der Sanierung gesperrt, müsste der Verkehr über gefährliche Umwege über die Alpenpässe im Graubünden und im Wallis ausweichen.» Dann wären auch andere Kantone – insbesondere in der Romandie – von vermehrten Staus betroffen.

Ohne zweite Röhre würde zudem die sichere Handelsverbindung zwischen dem Tessin und der Restschweiz gekappt, sagte Rime. «Für die Unternehmen und für den Handel wäre das ein unverzeihlicher Fehler.» Die zwei anwesenden Vertreter des Kantons Tessin, Lombardi und die SP-Regierungsrätin Patrizia Pesenti, unterstrichen die Wichtigkeit einer permanenten Strassentunnelverbindung für den nationalen Zusammenhalt.

Ungenügende Alternativen

Die Vorschläge der Tunnelgegner, die Totalsperrung mit einer rollenden Landstrasse (RoLa) zu überbrücken, seien keine Option, sagte Lombardi. Die Kantone Uri und Tessin seien gegen den Bau von Verladestationen auf ihrem Territorium. «Eine längere Variante von Grenze zu Grenze würde deutlich mehr kosten als der Bau eines Sanierungstunnels.»

ARCHIV - ZUM KAMPAGNENSTART ZUR ABSTIMMUNG AM 28. FEBRUAR 2016, DURCH BUNDESRAETIN DORIS LEUTHARD STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Ein grosses Transparent mit der Aufschrift

Das meinen die Gegner.
Bild: KEYSTONE

Zahlen dazu gibt es jedoch nicht. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) schätzte bisher nur die Kosten von drei verschiedenen Kurz-RoLas ab. Diese bewegen sich zwischen 1.5 und 2.2 Milliarden Franken und sind damit tiefer als eine Sanierung mit einer zweiten Tunnelröhre mit Kosten von total rund 2.8 Milliarden Franken.

Während die Tessiner Regierung klar Ja sagt zu einer zweiten Röhre, hat sich der Urner Regierungsrat bislang stets dagegen ausgesprochen. Auf nationaler Ebene unterstützen SP, Grüne und GLP das Referendum gegen eine zweite Röhre. SVP, FDP, CVP und BDP bekämpfen es. Am 28. Februar stimmt das Schweizer Volk darüber ab. (lhr/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • MergimMuzzafer 17.11.2015 19:24
    Highlight Highlight Sehr intressanter Bericht über die Auswirkungen auf die Anzahl Unfälle und damit verbundene Kosten beim Bau einer 2. Röhre vom Bundesamt für Unfallverhütung: http://www.bfu.ch/sites/assets/Shop/bfu_2.999.01_bfu-Grundlagen%20–%20Gotthard-Strassentunnel.pdf

    Es zeigt sich: mit einem Milliardenbau können innerhalb von 40 Jahren Unfallkosten (volkswirtschaftliche Kosten) in der Höhe von 97 Mio CHF gespart werden. Wow. Sehr effizient.
  • MergimMuzzafer 17.11.2015 19:13
    Highlight Highlight Was soll dieser Artikel: Der Titel suggeriert ein Artikel mit pro- und contra-Argumenten, schlussendlich ist es aber ein Argumentarium, wieso es eine 2. Röhre braucht und die Alternativen nicht brauchbar sind. So nicht! Man könnte gerade so gut die Pressemitteilung der Befürworter lesen...
    • koks 17.11.2015 19:34
      Highlight Highlight sehe auch keine argumente gegen den tunnel im artikel. ideologische blindheit oder schludriger journalismus?
  • stadtzuercher 17.11.2015 17:46
    Highlight Highlight Interessant, wie scharf die SVP darauf ist, der EU einen neuen milliardenteure Transittunnel durch die Schweiz zu bauen. Gratis und Franko.
  • Maon 17.11.2015 17:05
    Highlight Highlight Es braucht gar nicht überall neue Verladestationen...
    Die Lastwagen können in Lörrach (D) und Italien verladen werden und die Autos in Göschenen und Airolo. Dort gibt es bereits bestehende, alte Verladestationen, die nur noch ausgebaut und renoviert werden müssten...
    Siehe auch: "Gotthardtunnel: Unabhängige Ingenieure und Experten plädieren für Autoverlad" http://wat.is/U3RCCBAA6EA0WiTB
  • Maon 17.11.2015 17:00
    Highlight Highlight Ich finde diese Idee am überzeugendsten...
    Gotthardtunnel: Unabhängige Ingenieure und Experten plädieren für Autoverlad http://wat.is/U3RCCBAA6EA0WiTB
  • Knut Knallmann 17.11.2015 15:24
    Highlight Highlight Für den Nationalen Zusammenhalt - Das ich nicht lache - Am Ende können wir zwar durchgehend ins Tessin fahren, müssen uns aber mit unseren tessiner Mitbürgern auf Englisch unterhalten, weil keiner mehr eine andere Landessprache beherrscht - Sieht so nationaler Zusammenhalt aus?
    Und zur Wirtschaftsader kappen: Das Tessin gabs schon vor 1980 - Der überwältigende Teil des Verkehrs ist alpenquerender Transitverkehr und auf den kann ich auch gerne verzichten. In einem Jahr kommt zudem der Gotthardbasistunnel - Nochmals ein weiterer Tunnel ist schlicht Zwängerei...
  • Madison Pierce 17.11.2015 14:53
    Highlight Highlight Weshalb prüft man nicht die Variante eines dauerhaften Bahnverlads, anstatt nur temporär? 1.5 bis 2.2 Mia nur für temporäre Verladestationen sind doch Unsinn, da baut man lieber für 2.8 Mia gleich einen neuen Tunnel, der dann bleibt.

    Aber eigentlich gehört der Transitverkehr auf die Bahn. Könnte man für 2.8 Mia nicht dauerhafte Verladeterminals bauen?
    • Maon 17.11.2015 17:06
      Highlight Highlight Kannst du mir bitte erläutern weshalb NEAT für die Katz ist?
    • zettie94 17.11.2015 18:48
      Highlight Highlight @Madison Pierce: Du vergisst, dass auch der neue Tunnel unterhalten und saniert werden müsste. Mit den 2.8 Mia. wäre es also auch nicht getan.
      Mit dem Rest deiner Argumentation bin ich aber einverstanden. Eigentlich wäre es nach unserer Verfassung sogar Pflicht, die Lastwagen auf die Schiene zu verladen (Alpeninitiative). Würde dies konsequent gemacht, würde am Gotthard auch niemand mehr von Kapazitätsproblemen beim Strassentunnel reden (abgesehen vielleicht vom Osterwochenende).

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