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Bild: Imgur

Diese 5 Ansätze sollen die Oster-Bibeli vor dem Schredder retten

Nach Ostern werden 20 Prozent der Schweizer Legehennen zur Wegwerfware, ihre Brüder verenden bereits davor im Schredder oder werden vergast. Industrie, Wissenschaft und Tierschutz tüfteln fieberhaft an Lösungen, die dem Bibeli-Töten ein Ende bereiten sollen.
01.04.2018, 14:4025.10.2018, 10:36

Kaum geschlüpft und schon dem Tod geweiht: In der Schweiz werden pro Jahr eine halbe Million männliche Bibeli vergast oder geschreddert, weil sie das falsche Geschlecht haben. Den Peak erreicht die Industrie jeweils Ende März, da «Eiertütschen» an Ostern Tradition ist. 

Ursprünglich hatten Hühner in der Landwirtschaft zwei Nutzen: Die Henne legte das Ei und der Hahn lieferte das Fleisch. Um die Effizienz zu steigern, wurden jedoch Rassen gezüchtet, die jeweils auf eine spezielle Nutzrichtung ausgerichtet sind – das Eierlegen oder die Fleischproduktion. So gibt es heute Mastgeflügel, das sich für die Fleischproduktion eignet, weil es in kurzer Zeit viel Fleisch ansetzt sowie Legehennen, die fleissig Eier legen.

Schlüpfen für den Schredder

Die Rassen unterscheiden sich stark im Körperbau. So setzen die Hähne aus der Legerasse kaum Fleisch an und brauchen zum Wachsen fast dreimal so lange wie die Masthühner. Wegen ihres Körperbaus sind für die Fleischproduktion somit nicht rentabel. Die Folge: Die Eierindustrie kann nichts mit ihnen anfangen und tötet sie schon am ersten Lebenstag.

Doch auch den Hennen geht es in diesen Tagen vermehrt an den Kragen: An Ostern kaufen Herr und Frau Schweizer rund 20 Prozent mehr Eier ein als sonst – dafür sind mehr Legehennen nötig. Nach den Festtagen werden dann 20 Prozent die Tiere überflüssig, das sind rund eine halbe Million Hühner. Sobald deren Legeleistung nachlässt und sie nicht mehr rentabel sind, werden auch sie getötet. 

Über diese Praxis beschweren sich die Konsumenten immer häufiger. Die Industrie sucht deshalb seit Jahren nach einer wirtschaftlichen Alternative. Heute liegen folgende Lösungsvorschläge auf dem Tisch:

Der Schwangerschaftstest für das Ei

Es bliebe viel Leid erspart, würden die männlichen Küken gar nicht erst schlüpfen. Seit Jahren wird deshalb über die Geschlechtserkennung im Ei gesprochen. Dabei gibt es mehrere Methoden. Die eine erinnert an Schwangerschaftstests für Frauen: Experten entnehmen am achten Bebrütungstag aus dem embryonalen Harnsack etwas Flüssigkeit und bestimmen den Gehalt des Hormons Östradiol, das sich zu dem Zeitpunkt nur beim weiblichen Tier nachweisen lässt.

Dann werden die Eier mit männlichen Küken aussortiert. Noch befindet sich diese Methode im Entwicklungsstadium. In Deutschland sollen laut der «Neuen Osnabrücker Zeitung» aber noch dieses Jahr die ersten Eier auf diese Weise maschinell aussortiert werden.

Doch auch diese Technik wirft ethische Fragen auf. Zwar müssten damit keine fertig entwickelte Küken mehr getötet werden, Embryonen aber gleichwohl. Ausserdem: Würde die Methode flächendeckend eingeführt, müssten jedes Jahr Millionen von Eiern entsorgt werden, da diese aus technischen Gründen nicht für die Lebensmittelverarbeitung zugelassen sind, schreibt der «Tages-Anzeiger».

Infrarot-Test

Damit die mit befruchteten Hühnereier nicht zum Abfallprodukt werden, arbeiten Forscher auch an einer Geschlechtsbestimmung am Tag null, also bevor das Ei in den Brutschrank kommt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich noch kein Embryo entwickelt, die aussortierten Eier könnten also weiter vermarktet werden.

Bei dieser Methode wird das angebrütete Ei mit Infrarotstrahlen durchleuchtet, um das Geschlecht des Kükens eruieren. Maria Krautwald-Junghanns, Direktorin der Klinik für Vögel und Reptilien der Universität Leipzig, erläutert im «Tages-Anzeiger»: «Ohne Bedenken könnte die Industrie es dann noch zum Beispiel in Teigwaren verarbeiten.» Diese Technik ist jedoch sehr zeitaufwändig. Standardisierte Geräte für den Grosseinsatz fehlen bisher. 

Hühnerrasse für Ei und Fleisch

In grösseren Verkaufsstellen von Coop sind seit 2014 Eier von sogenannten Zweitnutzungshühner erhältlich. Diese Hühner wachsen zwar langsamer, haben aber einen grossen Vorteil: Sie können zur Ei- und Fleischproduktion genutzt werden. Die männlichen Küken müssen also nicht getötet werden, weil sie später zu Fleisch verarbeitet werden können.

Das bessere Gewissen hat aber seinen Preis. Im Coop kostet ein Sechserpack der tierfreundlicheren Eier einen Franken mehr als herkömmliche Bio-Eier. 

Für den Schweizer Bauernverband sind die Zweitnutzungshühner keine zufriedenstellende Lösung. Markus Ritter, Präsident des Verbands, sagt zu SRF: «Die Kosten bei der Mast sind noch zu hoch, man braucht mehr Tage, bis die Tiere die Schlachtreife erreicht haben. Und das bringt zusätzliche Kosten.»

Das Label «Zweinutzungshuhn» kennzeichnet die Eier von Legehennen, deren Brüder zur Fleischproduktion genutzt werden.
Das Label «Zweinutzungshuhn» kennzeichnet die Eier von Legehennen, deren Brüder zur Fleischproduktion genutzt werden.quelle: coop

Für jedes Label-Ei ein Küken

Auch Aldi setzt seit diesem Jahr auf mehr Tierwohl und bietet Eier mit dem Label «Henne & Hahn» an. Dabei wird pro verkauftes Ei ein Hahn, der sonst kurz nach der Geburt getötet würde, aufgezogen und gemästet. Migros setzt auf ein ähnliches Konzept wie Aldi. Die Eier und das Fleisch des Masthahns werden dafür teurer verkauft.

Vegane Ostern

Tradition und Tierwohl, das schliesse sich nicht aus, sagen Schweizer Tierschützer, und plädieren deshalb für Ostertage ohne Eier. Die Tierrechtsorganisation Animal Rights Switzerland ruft beispielsweise dazu auf, anstatt Eier Steine,Tassen, Früchte oder Gemüse zu bemalen. Pablo Labhardt, Geschäftsleiter der Tierrechtsorganisation, hält die anderen Alternativen für Pseudo-Lösungen: «Es sind lediglich Varianten, wie man das routinemässige Töten von Hühnern in der Fleisch- und Eierindustrie aufrecht erhalten kann. Wie man es dreht und wendet, eine bedarfsdeckende Eierproduktion ist nur mit massivem Tierleid möglich». (kün)

Ethische Alternative zu den traditionell bemalten Eiern.
Ethische Alternative zu den traditionell bemalten Eiern.bild: screenshot facebook animal rights

Hier im Video: Die verdrängte Schattenseite der Oster-Tradition 

Video: watson

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