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Warum auch Kinder am TV Trump «bashen» dürfen – SRF-Ombudsmann zieht Bilanz



Neun Personen haben sich an der Radio- und Fernsehberichterstattung von SRF über die US-Wahlen so sehr gestört, dass sie sich beim Ombudsmann Roger Blum beschwert haben. Beanstandet wurden sieben Sendungen – von einer Tennis-Direktübertragung bis zur Kindersendung Zambo. Blum stimmt den Klägern in den wenigsten Fällen zu.

Am wenigsten Verständnis zeigte der Ombudsmann für Kritik an Satiresendungen, in denen Donald Trump aufs Korn genommen wurde. In der TV-Sendung Giacobbo/Müller zum Beispiel wurde der zukünftige US-Präsident als «Arschloch» bezeichnet.

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Satiresendungen wie Giaccobbo/Müller waren oft Stein des Anstosses für Beschwerden beim Ombudsmann von SRF. Video: YouTube/SRF Comedy

In diesem Sendeformat müsse man berücksichtigen, was Trump bisher getan und wie er Wahlkampf geführt habe, argumentiert Blum. Der zukünftige US-Präsident sei rassistisch, sexistisch, narzisstisch, er habe Latinos, Muslime und Frauen beleidigt, er sei selbst- und herrschsüchtig und ein notorischer Lügner.

Ein Richter würde die Bezeichnung «Arschloch» deshalb wohl auch ausserhalb der Satire akzeptieren. Wenn es die Satire tue, dann habe sie ihn «effektiv zur Kenntlichkeit entstellt». Genau das sei die Aufgabe von Satirikern.

«Es ist unbestritten, dass Trump ein Narzisst ist, aber für ‹geistesgestört› gibt es keine belegbaren Anhaltspunkte.»

SRF-Ombudsmann Roger Blum

Die Bezeichnung von Trump als «geistesgestörten Narzissten» in der Sendung «Vetters Töne» des Kabarettisten Gabriel Vetter auf Radio SRF gehörte nach Ansicht von Blum zwar nicht zensuriert. Es sei unbestritten, dass Trump ein Narzisst sei, aber für «geistesgestört» gebe «es keine belegbaren Anhaltspunkte». Diese Formulierung sei deshalb selbst in einer Satire tadelnswert.

Gabriel Vetter

Gabriel Vetter nannte Trump einen «geistesgestörten Narzissten» in der Radio SRF1 Satiresendung «Vetters Töne».  Bild: Facebook

Trump-kritische Kinder

Auch Heinz Günthard hätte bei der Live-Berichterstattung des Spiels von Stan Wawrinka gegen den schwarzen US-Amerikaner Donald Young an den Swiss-Indoors in Basel auf SRF besser auf eine politische Äusserung verzichtet.

Im Zusammenhang mit dem Vornamen des Tennisspielers auf dem Platz, hatte der SRF-Experte gesagt, er hoffe, dass er in Zukunft nicht Donald Trump sagen müsse. Für Blum war der Vorfall absolut harmlos und eine «unbedeutende Fussnote» in der Berichterstattung.

Ähnliches gilt gemäss Blum für die Kindersendung «Zambo», in der sich Kinder kritisch über Trump äusserten. Ein Zuhörer hatte beanstandet, dass dabei wahrhaftes «Trump-Bashing» stattgefunden habe und die Kinder instrumentalisiert worden seien. Herr Trump sei dabei diskriminiert und seine Menschenwürde beeinträchtigt worden.

Für Blum war das aber nicht der Fall. Die Initiative für die Sendung sei von den Kindern ausgegangen und diese habe die Trump-kritische Stimmung unter den Kindern wiedergegeben. Andererseits habe sie auch aufgeklärt, wie mächtig der amerikanische Präsident wirklich sei.

In this Dec. 9, 2016, photo, President-elect Donald Trump smiles during a rally at DeltaPlex Arena in Grand Rapids, Mich. Trump sounds ready to use U.S. policy toward Taiwan as a bargaining chip to extract concessions from China, but both of the world powers could play at that game. China’s rising economic and military clout means its communist leadership has leverage over Washington too. Beijing could erect more obstacles for U.S. companies working in China. It could ramp up tensions in the seas of East Asia. And if differences spike over Taiwan, the Trump administration could face tough choices on whether to send U.S. forces to defend the island that China regards as part of its territory.(AP Photo/Andrew Harnik)

Auch wegen der Kindersendung «Zambo» wurde eine Beschwerde eingereicht. Ein Zuhörer hatte beanstandet, dass dabei wahrhaftes «Trump-Bashing» stattgefunden habe und die Kinder instrumentalisiert worden seien. Herr Trump sei dabei diskriminiert und seine Menschenwürde beeinträchtigt worden. Bild: Andrew Harnik/AP/KEYSTONE

Keine «Scheinneutralität»

Bei den Direktsendung während der US-Wahlnacht und der «Rundschau-Spezial» und «Schawinski» konnte Blum keine Unausgewogenheit ausmachen. Er gibt auch zu bedenken, dass für Sendungen über Wahlen im Ausland nicht die gleich strengen Regeln gelten wie für Sendungen über Wahlen in der Schweiz.

Nur Moderator Stefan Klapproth hätte einige seiner eindeutigen Kommentare besser den Experten überlassen sollen. Er hatte Trump unter anderem «Rattenfänger», «Protz», «Angeber» oder «Prahlhans» genannt. Doch «wegen der Problematik der Trump-Wahl» ziehe er eine klare und sichtbare Haltung einer Scheinneutralität vor, schreibt Blum. (sda)

Trumps Regierungsmannschaft

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(22.12.16) Trumps Regierungsmannschaft
quelle: ap/ap / mark lennihan
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