Schweiz
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Er plädiert auf nicht schuldig

Prozess gegen Ex-UBS-Banker Raoul Weil in Florida hat begonnen – Geschworene sind ausgewählt



Im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Topbanker Raoul Weil sind die Geschworenen ausgewählt worden. Der früheren Nummer 3 der Schweizer Grossbank wird vorgeworfen, Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet zu haben.

Weil ist angeklagt, als Nummer drei der Grossbank UBS mitgeholfen zu haben, über 20 Milliarden Dollar Vermögen amerikanischer Steuerzahler vor den Steuerbehörden verborgen zu haben.

Aus einer Gruppe von über 50 amerikanischen Bürgern, die aufgeboten wurden, hat das Gericht zusammen mit den Anwälten der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung 12 Jury-Mitglieder - 6 Frauen und 6 Männer - sowie vier Ersatzleute ausgewählt.

Mögliche Verteidigungsstrategie

Aus den Fragen von Weils Anwalt David Mandell an die möglichen Geschworenen liessen sich erste Strategien der Verteidigung des Bankers ablesen. So behaupten die Anwälte des Bankers, eine fehlbare Gruppe von UBS-Bankern habe ihre illegalen Tätigkeiten vor dem Chef verborgen. Weil habe von den Verfehlungen erst im Nachhinein erfahren.

Mandell fragte, wer von den möglichen Geschworenen in seiner Arbeit Untergebenen vorstehe. Alle der leitenden Angestellten unter den Befragten mussten zugeben, dass ihre Mitarbeiter auch schon Fehler begangen hätten, ohne dass die Leitung dies rechtzeitig erfahren habe.

Staatsanwalt Mark Daly versuchte, jene möglichen Geschworenen zu eruieren, die einen Groll gegen die Regierung oder die Steuerbehörden hegen und deshalb den Fall nicht objektiv beurteilen könnten.

Erste Zeugen am Mittwoch

Dass es der Schweizer Banker vor dem Gericht in Florida nicht einfach haben wird, zeigte sich, als die Geschworenen zu ihrem Wissen über das Schweizer Bankgeheimnis befragt wurden. Es sei allgemein bekannt, dass das Bankgeheimnis dazu da sei, Reichen zu helfen, Geld vor den Steuerbehörden zu verbergen, gaben mehrere der möglichen Geschworenen an.

Eine erste Eingabe auf Abweisung der Klage verwarf der Richter am Dienstagmorgen. Einen zweiten Antrag an das Gericht, nicht auf die Klage einzutreten, reichten Weils Anwälte noch kurz vor Prozessbeginn ein. Richter James Cohn will diese am Mittwoch behandeln.

Voraussichtlich am Mittwochmorgen (Ortszeit) werden die ersten Zeugen der Anklage aufgerufen. Als einer der ersten wird Hansruedi Schumacher auftreten, der bis 2002 Amerika-Chef der UBS war und dann in führender Position für die mittlerweile nicht mehr existierende Neue Zürcher Bank arbeitete.

Auf der Zeugenliste aufgeführt ist wie erwartet auch Martin Liechti, der bei der UBS einst als Chef des Überseegeschäftes mit Nordamerika amtete und dabei Weil unterstellt war. Auch ein einstiger UBS-Kundenberater, der den US-Behörden nach seiner Verhaftung die Kontoauszüge von zwei Kunden aushändigte und dafür unlängst in der Schweiz wegen Spionage gebüsst wurde, figuriert auf der Zeugenliste.

Insgesamt umfasst die Zeugenliste 15 Personen und damit deutlich weniger, als bis vor kurzem noch behauptet wurde. Unter den Zeugen, welche der Staatsanwalt aufzurufen gedenkt, sind auch ehemalige UBS-Kunden.

Weil plädiert auf nicht schuldig

Fast genau ein Jahr nach seiner Verhaftung in Italien steht Weil nun als erster Topbanker im Steuerstreit vor einem amerikanischen Gericht. Im Streit um unversteuerte Vermögen von US-Bürgern auf Schweizer Banken ist er einer der wenigen, die nicht mit den amerikanischen Behörden kooperieren. Stattdessen hat er sich für nicht schuldig erklärt und einen raschen Prozess vor einem Geschworenengericht gefordert.

Nachdem Weil auf Kaution auf freien Fuss gesetzt wurde, bereitete er sich in den vergangenen Monaten mit Spitzenanwälten auf seinen Prozess vor. Nicht weniger als 4 Millionen Seiten Beweismaterial hat der Staatsanwalt gegen Weil zusammengetragen.

Mehrere Zeugen werden zu Weils Entlastung auftreten. Drei Zeugen für den Ex-Banker werden per Videoschaltung aus London vor Gericht aussagen.

Der Prozess vor dem Bundesbezirksgericht in Fort Lauderdale, Florida, dauert voraussichtlich drei bis vier Wochen. Weil droht eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis. (sda)

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