DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Philipp Hildebrand konnte nicht zweifelsfrei beweisen, dass seine damalige Frau und nicht er die Dollartransaktionen getätigt hatte. Darum trat er im Januar 2012 als SNB-Chef zurück.<br data-editable="remove">
Philipp Hildebrand konnte nicht zweifelsfrei beweisen, dass seine damalige Frau und nicht er die Dollartransaktionen getätigt hatte. Darum trat er im Januar 2012 als SNB-Chef zurück.
Bild: KEYSTONE

Affäre Hildebrand: IT-Mitarbeiter hat Transaktionen von SNB-Chef gar nicht selbst entdeckt

08.03.2016, 10:3608.03.2016, 10:55

Er hat die Affäre Hildebrand ins Rollen gebracht: Nun muss sich der IT-Mitarbeiter einer Bank, der die Kontobewegungen des damaligen Nationalbankpräsidenten kopiert hatte, vor Gericht verantworten. Die Anklageschrift zeigt auf, weshalb der IT-Mitarbeiter überhaupt auf das Hildebrand-Konto aufmerksam geworden war: Demnach gab es bürointern eine Diskussion, die sich unter anderem um die Schweizerische Nationalbank und um Philipp Hildebrand drehte.

«Nachdem der Beschuldigte zunächst lediglich auf nicht aussergewöhnliche Aktienpositionen gestossen war, erhielt er vom Arbeitskollegen den Zusatzhinweis, dass er Hildebrands Dollartransaktionen betrachten solle.»

Ein Arbeitskollege soll dem IT-Mitarbeiter, der auf Funktionsstufe «unteres Kader» eingeteilt war und über «erweiterte Zugriffsrechte» verfügte, die siebenstellige Kontonummer des damaligen Nationalbankpräsidenten zugerufen haben.

Als der heute 42-Jährige diese Nummer ins System eintippte, fiel ihm nichts auf: «Nachdem der Beschuldigte zunächst lediglich auf nicht aussergewöhnliche Aktienpositionen gestossen war, erhielt er vom Arbeitskollegen den Zusatzhinweis, dass er Hildebrands Dollartransaktionen betrachten solle.»

Screenshots und Kontodaten ausgedruckt

Da tauchte einerseits für Mitte August 2011 der Kauf von US-Dollar für 400'000 Franken auf. Anderseits schien Anfang Oktober ein Verkauf von US-Dollar für 475'000 Franken auf. Dazwischen lag am 6. September die Ankündigung der Nationalbank, einen Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken einzuführen.

Der IT-Mitarbeiter, der gemäss Anklageschrift Insidergeschäfte vermutet haben dürfte, fertigte von Hildebrands Konto drei Screenshots an und druckte die Kontodaten aus.

Politiker informiert

Danach folgte, was seit längerem bekannt ist: Der IT-Mitarbeiter suchte seinen Schulfreund Hermann Lei auf und besprach mit ihm die Kontobewegungen. Daraufhin nahmen beide Kontakt zu verschiedenen Politikern auf – unter anderem zum damaligen SVP-Nationalrat Christoph Blocher.

In ihrem Mailverkehr sollen der IT-Mitarbeiter und Lei gemäss Anklageschrift «zwecks Geheimhaltung (...) ausschliesslich Tarnnamen» verwendet haben. Hildebrand war unter anderem «H», «Dubach» und «Kesselring». Blocher wurde «Chef» und «Vögeli» genannt.

Schliesslich gelangten Informationen über die Dollartransaktionen in die Medien. Im Januar 2012 trat Philipp Hildebrand zurück. Er nahm den Hut, weil er nach eigenen Aussagen nicht in der Lage war, zweifelsfrei zu beweisen, dass seine damalige Frau und nicht er diese Transaktionen getätigt hatte. 

Verhandlungen am Bezirksgericht Zürich

Am 30. März sind am Bezirksgericht Zürich zwei Verhandlungen angesetzt. Einerseits steht der Prozess gegen den ehemaligen Mitarbeiter der Bank Sarasin an, der die Bankdaten von Philipp Hildebrand kopiert haben soll. Anderseits wird gegen Anwalt und SVP-Politiker Hermann Lei verhandelt, der diesem in der Folge verschiedene Kontakte zu Politikern vermittelt haben soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem IT-Mitarbeiter der Bank mehrfache Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Banken vor und beantragt eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten.

Für Lei fordert die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Beihilfe zur Verletzung des Bankgeheimnisses eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 110 Franken. Die Probezeit soll in beiden Fällen auf das im Strafgesetzbuch vorgesehene Minimum von zwei Jahren festgelegt werden. (whr/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1 Kommentar
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1
Zürcher Gericht verurteilt Eltern wegen Misshandlung der Tochter

Ein 42-jähriger Deutscher und seine Partnerin, eine 41-jährige Schweizerin, sollen eine Tochter des Mannes während Jahren geschlagen und erniedrigt haben. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte sie wegen schwerer Körperverletzung am Donnerstag zu Freiheitsstrafen von je fünf Jahren.

Zur Story