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Thomy Senf (mustard), a Swiss product by Thomy, which belongs to Nestle since 1971, pictured on June 10, 2013, in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Thomy Senf, ein Schweizer Produkt von Thomy, das seit 1971 zu Nestle gehoert, aufgenommen am 10. Juni 2013 in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Produkt-Überprüfung: Thomy-Senf und -Mayonnaise droht der Rauswurf bei Nestlé

Analysten sehen die Senf- und Mayonnaise-Kultmarke Thomy bei Nestlé auf der Abschussliste – das hätte Folgen für Basel.

Benjamin Weinmann / ch media



Alles neu macht der Schneider: Beim Nahrungsmittelgiganten Nestlé weht ein neuer Wind, seit der Deutsch-Amerikaner Mark Schneider den Chefposten Anfang 2017 übernommen hat. Dies, nach eher gemächlichen Jahren unter seinem Vorgänger Paul Bulcke. Vor allem in der Schweiz häuften sich nach Schneiders Amtsantritt die Hiobsbotschaften: Streichung von regionalen Kulturgeldern; Abbau von bis zu 500 IT-Stellen; Schliessung der Spirig-Fabrik in Egerkingen SO und Verlagerung der 190 Jobs ins Ausland.

Der 53-Jährige ist daran, die Kosten und vor allem das angestaubte Portfolio zu durchleuchten. Bereits verkauft hat Schneider die US-Süsswarensparte an den italienischen Konkurrenten Ferrero für rund 2.8 Milliarden Dollar, das Lebensversicherungsgeschäft Gerber Life sowie die Hautpflegesparte mit einem Umsatz von 2.7 Milliarden Franken.

Und so stellt sich die Frage: Wer folgt als Nächstes? Was modern, gesund daherkommt, hat gute Karten, weiterhin Teil von Schneiders Strategie zu sein. Alles andere dürfte es langfristig schwierig haben, Teil von Nestlé zu bleiben. In letztere Kategorie könnte demnach auch just eine von Nestlés traditionsreichsten Marken fallen: Thomy, der Senf- und Mayonnaise-Produzent mit Sitz in Basel.

Start vor 111 Jahren

1907 begann Fritz Thomi-Schaad damit, Senf in der Schweiz zu verkaufen – damals noch aus Steingut-Töpfen. 1934 dann die grosse Innovation: Senf in Tuben, eine bis dahin ungenutzte Verpackungsart für Lebensmittel. Im selben Jahr wurde aus dem «i» ein «y» in der Marke, um die Produkte international besser vermarkten zu können. 1951 wurde das Portfolio durch Mayonnaise erweitert – es war die erste industriell produzierte Mayonnaise Europas überhaupt. Seit 1971 gehört die Firma zu Nestlé. Laut eigenen Angaben kennen 98 Prozent der Schweizer die Marke Thomy. Im Kerngeschäft mit Senf und Mayonnaise erreicht sie einen Marktanteil von über 65 Prozent – bei Mayonnaise sogar über 80 Prozent. (BWE)

Laut Andreas von Arx, Analyst beim Finanzhaus Baader Helvea, dürfte Thomy rund ein Prozent der Nestlé-Umsätze ausmachen, wie die deutsche «Lebensmittelzeitung» kürzlich schrieb. Demnach hat Nestlé Investmentbanker in die Zentrale nach Vevey eingeladen, um mit ihnen die Portfoliostrategie zu besprechen. Auf der Liste der potenziellen Verkaufskandidaten stehe auch Thomy – nebst dem europäischen Süsswarengeschäft und der deutschen Wurstmarke Herta. Laut dem Branchenblatt haben bereits Beteiligungsgesellschaften einen Blick auf Thomy geworfen – eine der bekanntesten und beliebtesten Marken im Schweizer Detailhandel (siehe Box).

Schweiz-Chefin drückt auf Tube

Jean-Philippe Bertschy, Analyst der Bank Vontobel, glaubt zwar, dass aufgrund der Grösse vorerst andere Nestlé-Sparten im Visier sind, wie die Fleischmarke Herta oder das Eiscrème-Geschäft in den USA. Doch auch er hält eine Abspaltung von Thomy für möglich. «Denn Mayonnaise passt nicht unbedingt zur Strategie Nutrition, Health und Wellness von Nestlé.» Tatsächlich enthalten 100 Gramm der klassischen Thomy-Mayonnaise à la Française 739 Kilokalorien (kcal) und 81 Gramm Fett.

Die neue Nestlé-Schweiz-Chefin, die Französin Muriel Lienau, bewirbt derzeit Thomy in den Regalen der Detailhändler stark und hat 24 Innovationen lanciert, um der Marke einen moderneren Anstrich zu geben. Dazu gehören Produkte wie «Maroccan Tajine Sauce», «Caribbean Dip» oder «Senf mit Ingwer». Mehr Investitionen, obwohl die Marke verkauft werden soll? Das muss kein Widerspruch sein. Nestlé könnte versuchen, Thomy für potenzielle Investoren so attraktiv wie möglich zu machen, um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen.

Für die Nestlé-Tochtergesellschaft wäre es der härteste Schlag nach zwei Rückschlägen in letzter Zeit. So waren deren Mayonnaise-Tuben kürzlich Opfer des Streits zwischen Nestlé und Coop. Die Detailhändlerin griff Anfang Jahr zur drastischen Massnahme in den Preisverhandlungen mit den Waadtländern und warf die Nestlé-Produkte zwischenzeitlich aus den Regalen.

Per 2017 und Inkrafttreten des Swissness-Gesetzes musste Thomy gar seinen Pass abgeben beziehungsweise das Schweizer Kreuz auf seinen Produkten – obwohl die Tuben 187 Angestellte in der Fabrik in Basel herstellen. Das Problem: Thomy setzt ausschliesslich auf Eier aus Freilandhaltung. Da diese Menge aber laut Nestlé nicht durch die Schweizer Hühnerställe allein abgedeckt werden kann, muss der Konzern der Rezeptur ausländische Eier beimischen. Jährlich werden in der Thomy-Fabrik in Basel rund 10 000 Tonnen Mayonnaise und 4000 Tonnen Senf produziert. Im Ausland ist Thomy hingegen praktisch unbekannt. Nur Deutschland hat ebenfalls eine eigene Thomy-Fabrik. Aus der Schweiz werden lediglich zehn Prozent exportiert.

Proteste am Nestlé-Hauptsitz

Auf Anfrage heisst es bei Nestlé, man kommentiere generell keine Marktgerüchte. Thomy sei eine «emblematische Marke» in der Schweiz, die aus diesem Grund immer wieder Gegenstand von Spekulationen sei. Man wolle der Marke weiterhin verpflichtet bleiben, und mit den eingeführten Neuheiten unterstreiche man das Engagement dafür. Gleichzeitig sagt die Nestlé-Sprecherin aber auch, dass man das eigene Portfolio laufend überprüfe, um sich den sich rasch verändernden Konsumbedürfnissen anzupassen.

Mit oder ohne Thomy: Schneider will die Profitabilität von Nestlé erhöhen. Die operative Konzernmarge soll bis 2020 von 17.5 auf 18.5 Prozent gesteigert werden. 2016 lag die Kennzahl noch bei 16 Prozent. Dieser Margenhunger kommt nicht überall gut an und sorgte Anfang Oktober für ungewohnte Bilder in Vevey: Rund 400 Beschäftigte aus Deutschland protestierten vor dem Hauptsitz unter dem Motto «Mensch vor Marge» gegen den Abbau von vielen Jobs an mehreren deutschen Standorten. (bzbasel.ch)

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