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Wirtschaft

Nach der Krise: Das machen die ehemaligen CS-Chefs heute

Swiss bank Credit Suisse CEO Ulrich Koerner, right, leaves the stage next to staff after the annual shareholders' meeting of the Swiss banking group on Tuesday, April 4, 2023 in Zurich, Switzerla ...
Sie haben die Traditionsbank zu Grabe getragen, dann sind die ehemaligen Credit-Suisse-Verantwortlichen aus dem Scheinwerferlicht verschwunden.Bild: keystone

Rohner leidet, Lehmann doziert, Gottstein telefoniert – das machen die CS-Chefs heute

Am Sonntagabend, 19. März 2023, wurde das Schicksal der Credit Suisse besiegelt: Sie wurde von der UBS geschluckt. Das machen jene Männer heute, die dafür verantwortlich waren, dass es so weit kam.
15.03.2024, 23:1515.03.2024, 23:15
Patrik Müller und Florence Vuichard / ch media

Vor einem Jahr mussten Bund, Nationalbank und UBS gemeinsam die Credit Suisse retten. Die Verantwortlichen der einstigen Traditionsbank hatten immer viel versprochen - und wenig gehalten. Milliarden-Pleiten und eine nicht enden wollende Reihe an Skandalen haben das Vertrauen in die Bank zerstört, ein Bankrun gab ihr den Rest. Für die Verantwortlichen ist das CS-Kapitel abgeschlossen, die meisten von ihnen sind aus der Öffentlichkeit verschwunden. Eine Spurensuche.

Axel Lehmann: Der Untergangspräsident

Swiss bank Credit Suisse Chairman Axel P. Lehmann attends the annual shareholders' meeting of the Swiss banking group on Tuesday, April 4, 2023 in Zurich, Switzerland. Swiss Bank Credit Suisse wa ...
Axel Lehmann doziert und nimmt weiter rege teil am gesellschaftlichen Leben der Schweizer Wirtschaft.Bild: keystone

Nicht gereizt oder verbittert, sondern mit ruhiger Stimme nimmt der letzte CS-Verwaltungsratspräsident, Axel Lehmann, das Handy ab. Ein Interview könne er nicht geben, sagt er. Der parlamentarischen Untersuchung (PUK), die er begrüsse, stehe er aber selbstverständlich zur Verfügung. «Je mehr Transparenz» zu den Vorgängen bei der Credit Suisse geschaffen werde, «umso besser», sagt Lehmann. Dann könnten auch die richtigen Lehren gezogen werden.

Lehmann kam von der UBS, erst im Oktober 2021 wechselte er zur Credit Suisse in den Verwaltungsrat. Dessen Präsidium übernahm er im Januar 2022, also ein gutes Jahr vor dem CS-Untergang. Aus seinem Umfeld ist zu hören, Lehmann sehe sich nicht als «Untergangspräsident». Im Gegenteil, er sage im kleinen Kreis, als VR-Präsident habe er schnell gemerkt, dass er beinahe eine «mission impossible» bekommen habe, so schlecht sei der Zustand der Bank gewesen. Dazu will Lehmann aktuell nichts sagen, immerhin deutet er an, womöglich nach der PUK seine Sicht der Dinge an die Öffentlichkeit zu tragen.

Aktuell ist der Berner, der bald seinen 65. Geburtstag feiert, mit kleineren Mandaten beschäftigt, und er engagiert sich in der Akademie: einerseits an der Universität St. Gallen, andererseits an der Westschweizer Businessschule IMD.

Gesichtet wird Lehmann immer wieder in der stilvollen Villa Rosau des privaten Clubs Baur au Lac, wo er offensichtlich gerne zu Mittag isst. Und auch an der Herbsttagung der wirtschaftsnahen Denkfabrik Avenir Suisse hat er teilgenommen.

Ulrich Körner: Der Überlebenskünstler

Swiss bank Credit Suisse CEO Ulrich Koerner is seen on screens presenting the quarterly report and the strategy and transformation plan for the bank taken from a webcast streaming in Zurich, Switzerla ...
Ulrich Körner sitzt wieder in der UBS-Geschäftsleitung.Bild: KEYSTONE

Ulrich Körner, der es wie Axel Lehmann in den früheren Jahren nie an die Spitze geschafft hatte, wurde im Sommer 2022 auf den Chefposten der bereits arg in Schieflage geratenen Credit Suisse gesetzt. Körner pendelte während seiner Karriere mehrmals zwischen den beiden Grossbanken hin und her. Er gilt als analytisch stark und kommunikativ schwach. So hat er zwar Ende Oktober noch die neue Strategie für die CS vorgelegt, doch die Märkte konnte er nicht überzeugen und die Bank nicht retten.

Seine eigene Karriere hingegen schon. Der 61-Jährige ist der Einzige, der sich nach dem CS-Zusammenbruch in die UBS-Geschäftsleitung retten konnte. Dort amtet er seit Juni 2023 als Chef der UBS-Tochter Credit Suisse, die er nun ins Mutterhaus integrieren muss. Und damit ist er wieder dort, wo er lange war: in der zweiten Reihe.

Urs Rohner: Der Langzeitpräsident

epa06696258 Urs Rohner, president of Credit Suisse (CS), speaks during the general assembly at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, 27 April 2018. Founded in 1856, Credit Suisse is now Switzerlan ...
Ein Bild aus alten Tagen: Heute meidet Urs Rohner die Öffentlichkeit.Bild: EPA/KEYSTONE

Für viele ist der frühere Chefjurist der Credit Suisse einer der Hauptverantwortlichen für den CS-Untergang. Er wurde 2009 zum Vizepräsidenten gewählt und amtete ab 2011 bis 2021 als Verwaltungsratspräsident. Rohner «leidet wie ein Hund», sagt ein langjähriger Weggefährte. Deshalb zeigt sich Rohner kaum mehr an öffentlichen Anlässen, die er früher als VIP stets genossen hat - meist zusammen mit seiner Partnerin Nadja Schiltknecht, der glamourösen ehemaligen Filmfestivalchefin.

Die CS-Krise hat die private Beziehung überlebt, exklusive Anlässe wie kürzlich die Geburtstagsfeier eines bekannten Schweizer Unternehmers besuchen sie gemeinsam. Dort traf Rohner auch auf einen anderen alten CS-Bekannten, den früheren CEO Lukas Mühlemann (73).

Der 64-jährige Rohner sei innerhalb eines Jahres um mindestens zehn Jahre gealtert, die Schuldzuweisungen setzten ihm massiv zu. Die Haare hat er gefärbt, und er trägt einen weissen Stoppelbart. In der Öffentlichkeit wird er mit dem neuen Look kaum erkannt. Gegenüber Vertrauten gibt Rohner zu erkennen, er fühle sich mitnichten verantwortlich für den CS-Untergang. Als er im April 2021 als Präsident zurücktrat, sei das Institut stabilisiert gewesen.

António Horta-Osório: Der Kurzzeitpräsident

ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON CREDIT SUISSE VERWALTUNGSRATSPRAESIDENT ANTONIO HORTA-OSORIO, AM MONTAG, 17. JANUAR 2022 - epa03749623 Group Chief Executive of Lloyds Banking Group, Antonio Horta-Osorio ...
António Horta-Osórios Name ist beim Poker um den portugiesischen Telekomanbieter wieder aufgetaucht.Bild: keystone

Sein Gastspiel bei der Credit Suisse war kurz. António Horta-Osório wollte ein Vorbild sein, einer, der Sätze sagte wie: «Jeder Banker muss im Herzen ein Risikomanager sein». Bei sich selbst war er dann weniger streng und musste deshalb auch gleich wieder einen Abflug machen. Er hatte mehrfach die Covid-Quarantäneregeln gebrochen, unter anderem für einen Flug ans Wimbledon-Finale.

Ende Dezember 2023 tauchte der Name des 60-jährigen Portugiesen plötzlich wieder in der Finanzpresse auf: Es soll sich mit dem Private-Equity-Unternehmen Warburg Pincus zusammengetan haben, um den portugiesischen Telekomanbieter für 6 Milliarden Euro aus der Altice-Gruppe herauszukaufen. Das jedenfalls vermeldete die «Financial Times». Ob das gelingt, ist fraglich. Mittlerweile heisst es, der saudische Telekomanbieter habe mehr geboten. Das Rennen ist aber noch nicht beendet.

Thomas Gottstein: Der glücklose Ex-Chef

Der CS-Konzernchef Thomas Gottstein erwartet nur geringe Kreditausf
Thomas Gottstein ist seit kurzem als Berater aktiv.Bild: sda

Seit dem 1. März 2024 kann Thomas Gottstein wieder arbeiten, die vertraglich mit seiner ehemaligen Arbeitgeberin CS vereinbarte Sperre ist abgelaufen. Ins Banking hingegen kann Gottstein vorerst aber nicht zurück, schliesslich ist die Untersuchung der Finanzmarktaufsicht (Finma) gegen ihn noch nicht abgeschlossen, die im Nachgang des Milliardendebakels um das Lieferkettenvehikel Greensill eingeleitet wurde. Kaum eine Bank wird jetzt einen Banker anstellen, der im Fokus der Finma steht. Dabei sei Gottstein, der heuer 60 wird, noch «voll im Saft», wie es ein Vertrauter sagt. Er wolle arbeiten.

Deshalb hat er sich jetzt selbstständig gemacht und ein Beratungsunternehmen gegründet: Thopago Advisory, eine Wortkreation aus den Anfangsbuchstaben seines vollen Namens Thomas Patrick Gottstein. Die Firma mit Sitz im Zürcher Seefeldquartier bezweckt laut Handelsregister «das Erbringen von Finanz-Beratungsdienstleistungen für natürliche und juristische Personen sowie Personengesellschaften in den Bereichen Fusion und Übernahme, Bewertung, Durchführbarkeitsstudie und Strategie, Finanzierung und Kapitalmarktlösung, Börsengang und Umstrukturierung».

Mit Thopago will Gottstein nun beim Börsengang von Sunrise mitmischen. Er sucht Investoren, die sich für die Aktien des Schweizer Telekomanbieters interessieren, der heute der US-Beteiligungsgesellschaft Liberty gehört. In wessen Auftrag genau Gottstein hier handelt, wollte sein Sprecher nicht sagen.

Ansonsten verbringe Gottstein viel Zeit mit seiner Familie - und auf dem Golfplatz Zumikon. Mit seinem Handycap von 0,7 hält er viele Neider aus der Schweizer Wirtschaftswelt noch immer auf Distanz.

Tidjane Thiam: Der spionageerprobte Ex-Chef

Tidjane Thiam, CEO of Credit Suisse, speaks at the Bloomberg Global Business Forum, Wednesday, Sept. 25, 2019, in New York. (AP Photo/Mark Lennihan)
Tidjane Thiam will Staatspräsident der Elfenbeinküste werden.Bild: AP

Kurz nach der CS-Rettung wusch sich der frühere Bankchef Tidjane Thiam prophylaktisch schon mal seine Hände in Unschuld. In einem Gastbeitrag in der «Financial Times» hielt er fest, dass die Credit Suisse - als er als Chef zurücktrat - «nach einer tiefgreifenden Restrukturierung gerade den höchsten Gewinn seit zehn Jahren erzielt» hatte. Und dass in den «folgenden Jahren einiges schiefgelaufen» sei, wie der französisch-ivorische Doppelbürger betonte.

Thiam, unter dessen Ägide die Risikokontrolle bei der CS nochmals merklich geschwächt wurde, musste letztlich seinen Chefposten im Februar 2020 räumen, weil er seinen damaligen Untergebenen und Nachbarn, den heutigen UBS-Banker Iqbal Khan, hatte beschatten lassen.

Seine Ambitionen hat das unrühmliche CS-Ende nicht gebrochen, im Gegenteil: Der 61-jährige Thiam will sich 2025 zum Staatspräsidenten der Elfenbeinküste wählen lassen und tourt als Chef der Oppositionspartei schon mal fleissig durchs Land.

André Helfenstein: Der zurückgestutzte Schweiz-Chef

Andre Helfenstein, CEO of Credit Suisse, briefs the media about the latest economic measures to fight the Covid-19 Coronavirus pandemic, on Wednesday, March 25, 2020 in Bern, Switzerland. (KEYSTONE/Al ...
Andre Helfenstein baut «seine» CS Schweiz ab.Bild: KEYSTONE

André Helfenstein hatte gehofft, dass seine Credit Suisse Schweiz eigenständig bleibt. Doch das war nie der Plan der UBS. Der 56-jährige Banker ist aber dennoch an Bord geblieben und muss nun als Chef der CS Schweiz diese in die Schweizer UBS integrieren. Die Übung dürfte sich über mehrere Jahre hinziehen. Ab April werden die ersten Filialen zusammengelegt, Ende 2026 soll die Integration der Schweizer Einheit gemäss Fahrplan abgeschlossen sein.

Nebenbei ist Helfenstein Vorstandsmitglied beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und der Zürcher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft. (aargauerzeitung.ch)

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38 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Denkerin2
16.03.2024 00:02registriert April 2022
Urs Rohner ist einer der Hauptschuldigen. Er hat soviele Jahre als Konzernpräsident gewirkt. Da trägt man die Verantwortung. Und er liess sich ja auch immer alles oder zumindest den Löwenanteil der exorbitanten Entlöhnung in bar auszahlen. Dies im Unterschied zu seinen Untergebenen, deren Bonus über mehrere Jahre nicht eingelöst werden konnte. Er war also von Anbeginn immer auf den Absprung vorbereitet, wenn er eine Situation als brenzlig genug eingestuft hätte. Bezeichnend ist auch seine Aussage, er und sein langjähriger Buddy und Rechts-Chef hätten eine „weisse“ Weste.
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Neruda
15.03.2024 23:58registriert September 2016
Dass die Uni St. Gallen Leute unterrichten lässt, die eine ganze Bank zu Grunde gerichtet haben durch ihre Inkompetenz, sollte als Grobfahrlässigkeit mit Haft bestraft werden? 😄

Unverantwortlich, eine neue Generation von diesen Taugenichtsen auf die Bevölkerung loszulassen. Denen sollte man wegen Staatsgefährdung die Finanzierung streichen.

In Deutschland würde sowas vom Verfassungsschutz beobachtet 😁
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winglet55
16.03.2024 02:00registriert März 2016
Hat Rohner zu Hause alle Spiegel demontieren lassen, damit er nicht sich selber in die Augen sehen muss? Etwas mehr Verantwortungsbewusstsein sollte man bei einem so hoch bezahlten Manager eigentlich erwarten dürfen!
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