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SNB-Leitzins: Nationalbank senkt den Leitzins in der Schweiz erneut

Neu bei 1,25 Prozent: Die SNB senkt den Leitzins zum zweiten Mal in Folge

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) senkt den Leitzins erneut. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
20.06.2024, 10:1220.06.2024, 10:47
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Was hat die SNB entschieden?

Die SNB hat am Donnerstagmorgen verkündet, dass sie den SNB-Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent senkt. Die Zinsänderung gilt ab morgen, 21. Juni 2024.

Schon im März hatte die SNB als eine der ersten grossen Notenbanken weltweit den Leitzins gesenkt und damit überrascht. Zuvor hatte die SNB ab Juni 2022 den Leitzins von damals -0,75 Prozent in nur fünf Schritten auf 1,75 Prozent gehievt und danach zwei Mal unverändert belassen.

Wie begründet sie Nationalbank die Senkung?

Der zugrundeliegende Inflationsdruck sei gegenüber dem Vorquartal nochmals gesunken, erklärte die SNB ihren Entscheid am Donnerstag in einem Communiqué. Mit der Senkung des SNB-Leitzinses könne sie «die monetären Bedingungen» angemessen halten.

Die SNB werde die Entwicklung der Inflation weiter genau beobachten, hiess es am Donnerstag. Sie werde ihre Geldpolitik «wenn nötig» anpassen, um auch in der mittleren Frist Preisstabilität zu gewährleisten. Zudem sei sie weiter bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu sein.

Auch der zuletzt wieder erstarkte Schweizer Franken dürfte eine Rolle gespielt haben. Laut Direktoriumspräsident Thomas Jordan hat sich der Franken zwar von Januar bis Ende Mai abgewertet. Doch in den letzten Wochen hat er wieder deutlich an Wert gewonnen: Innerhalb des letzten Monats hat sich der Franken um mehr als 3,5 Prozent gegenüber dem Euro aufgewertet.

Dies sei vor allem auf politische Unsicherheiten in Europa zurückzuführen, so SNB-Präsident Jordan. Daher bleibe die Unsicherheit über die weitere Inflationsentwicklung erhöht.

Auf den Entscheid der Nationalbank reagierte er am Donnerstagmorgen bereits mit einer leichten Abwertung.

Was sagt die SNB zur Inflation?

Trotz allem meldet die SNB: Die Inflation ist seit der letzten Lagebeurteilung leicht angestiegen und lag im Mai bei 1,4 Prozent. Sie liegt damit immer noch im Bereich, der als Preisstabilität gilt – eine Inflation von bis zu 2 Prozent.

Zu diesem Anstieg haben demnach insbesondere eine höhere Teuerung bei den Mieten, bei den Dienstleistungen im Tourismusbereich und bei den Erdölprodukten beigetragen. Insgesamt wird die aktuelle Inflation hierzulande gemäss Nationalbank vor allem von der Teuerung der inländischen Dienstleistungen bestimmt.

Welchen Einfluss wird die Zinssenkung nun auf die Inflation haben? Die SNB schreibt: Unter Berücksichtigung der heutigen Zinssenkung sei die neue bedingte Inflationsprognose ähnlich wie jene im März. Und: «In der längeren Frist liegt sie leicht unterhalb der alten Prognose.» Dies widerspiegle etwas geringere Zweitrundeneffekte, also Inflationseffekte, die erst mit verzögerter Wirkung auftreten.

Der Schweizer Franken ist neben dem Kaufen und Verkaufen von Devisen die zweite Waffe der SNB in ihrem Kampf gegen die Inflation. Denn mit einer stärkeren heimischen Währung wird weniger Inflation aus dem Ausland importiert. Doch auch in anderen Ländern habe der Inflationsdruck zuletzt leicht nachgelassen, stellte die SNB fest.

Die prognostizierte Inflation in der Schweiz liegt – im Jahresdurchschnitt – demnach bei 1,3 Prozent für 2024, bei 1,1 Prozent für 2025 und bei 1,0 Prozent für 2026. Ohne die heute beschlossene Zinssenkung läge die Prognose gemäss SNB noch tiefer.

Die Prognosen der SNB beruhen stets auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum beim aktuellen Zinsniveau (neu also bei 1,25 Prozent) bleibt. Relativ tiefe Inflationsprognosen erhöhen somit den Spielraum für die Währungshüter, die Zinsen zu senken. Viele Ökonomen erwarten denn auch noch einen weiteren Zinsschritt an einer der nächsten Lagebeurteilungen.

Kommt der Entscheid überraschend?

Jein. Zuvor waren sich Experten und Analysten nicht einig darüber, wozu sich die Nationalbank entscheiden könnte. Dies im Gegensatz zum letzten Mal, als der Entscheid zur erstmaligen Senkung seit Langem sehr überraschend kam.

Bei ihrer Prognose achtet die SNB auch immer auf die Leitzinsentscheide von anderen, grossen Nationalbanken. Dazu gehört zum einen die US-amerikanische Notenbank (Fed) sowie die Europäische Zentralbank (EZB). Beide entschieden sich zuletzt aber für einen unterschiedlichen Schritt: Die Fed hat Mitte Juni, vor allem aufgrund der immer noch relativ hohen Inflation in den USA, den Zinssatz weiter zwischen 5,25 und 5,5 Prozent – und damit auf dem höchsten Stand seit 23 Jahren – gelassen. Im Mai sank die Teuerungsrate in den USA um 0,1 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent. Sie liegt damit aber weiter ein gutes Stück von dem von der Fed angepeilten Inflationsziel von zwei Prozent entfernt.

Die EZB hingegen entschied sich Anfang Juni zu dem erwarteten ersten Zinsschritt nach unten. Nach knapp neun Monaten auf Rekordhoch verringerten die Euro-Währungshüter den Einlagenzins, den Banken für geparkte Gelder erhalten, um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Analysten, Ökonominnen sowie der Finanzmarkt waren sich im Vorfeld uneinig, ob es bereits jetzt zur nächsten Zinssenkung kommen würde. Für die meisten von ihnen ist der heutige Schritt nun aber nachvollziehbar und richtig.

So beurteilen Experten den Entscheid zur erneuten Zinssenkung nun:

Migros Bank:

«Die Ausgangslage für den heutigen Zinsentscheid war von besonders hoher Ungewissheit geprägt. Denn einerseits sprachen etwa die seit einem Jahr im Zielband befindliche Teuerung oder der zuletzt wieder deutlich stärkere Franken für eine neuerliche Lockerung der Zinsschraube. Andererseits legten die gemächliche Gangart der Europäischen Zentralbank (EZB) und die immer noch hartnäckig erhöhte Inflation in der Währungsunion eine Beibehaltung des Leitzinsniveaus nahe.»

Philipp Burckhardt, Lombard Odier

«Die SNB hat der Spekulation nun ein Ende gesetzt und eine weitere Zinssenkung [...] beschlossen. Damit steht der Leitzins nun bei 1.25 Prozent und somit 0.25 Prozent über dem gemäss unserer Einschätzung neutralen Zinssatz, bei dem die Geldpolitik weder expansiv noch restriktiv ist. Wie schon im März erachten wir für den Schritt die erstarkte Währung als Hauptgrund. Konjunkturindikatoren haben sich seit März besser entwickelt, während die Inflation abgeschwächt hat. Somit balancieren sich diese zwei Argumente in etwa aus.»

Philipp Merkt, PostFinance:

«Die Zinssenkung der SNB wird [...] vor allem dazu dienen, den Schweizer Franken vor einer zu starken Aufwertung zu schützen und so die Exportwirtschaft zu stützen.»

Brian Mandt, Luzerner Kantonalbank:

«Die SNB lockert die Zinszügel weiter und gibt der Wirtschaft damit Süsses. Sie betreibt damit eine vorausschauende Geldpolitik – so wie man es von jeder Notenbank erwarten würde. Die Zinssenkung stützt die Wirtschaft, indem sie unter anderem Kredite günstiger macht. Gleichzeitig ist die Gefahr, dass sie damit die Inflation anheizt, gering. Die Inflationsaussichten schätzen wir daher für die kommenden Monate positiv ein. [...]
Wir gehen daher davon aus, dass die SNB den Leitzins bis in einem Jahr auf ein Prozent senken wird.»

(lak/awp/sda)

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59 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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slash_
20.06.2024 10:41registriert Juni 2017
So, und jetzt hopphopp den Referenzzinssatz wieder anpassen und die Mieter wieder senken. Aber das muss der Mieter ja selbst merken. Tolles System.
5117
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Copyright
20.06.2024 10:05registriert März 2017
Good News…auch für Saron-Hypotheken Schuldner…
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