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Apple Music spaltet die Schweizer Musikszene: Das sind die Gewinner und Verlierer

Mit dem Streaming-Dienst Apple Music wird der Tech-Konzern den Musikmarkt aufmischen. Einige Bands werden davon profitieren – für andere wird es richtig hart.



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So viel müssen wir streamen, dass die Künstler auf einen grünen Zweig kommen. Grafik: Watson/Sven Rüf

Heute startet in über 100 Ländern der Streaming-Dienst Apple Music. Musikfans und Apple-Jünger fiebern dem Service freudig entgegen – Schweizer Künstler haben gemischte Gefühle.

Denn es wird Gewinner und Verlierer geben. Musiker, die nur den Schweizer Markt beackern, haben nicht allzu gute Karten, da sie ohne internationale Reichweite kaum genug Streams machen, um allfällige Download-Einbussen zu kompensieren. Andreas Ryser, Präsident des Interessenverbandes IndieSuisse, meint: «Ich glaube, Streaming lohnt sich für die meisten Schweizer Künstler nicht.» Doch man könne sich der Technologie nicht verwehren, räumt er ein.

«Es kann sein, dass Apple mit den Streams ihr Download-Angebot kannibalisiert, das bisher sehr gut funktioniert hat.»

Andreas Ryser

Die Musiker befürchten, dass Apple mit seiner geballten Marktmacht noch mehr Leute dazu bringt, ihre Musik vor allem übers Streaming zu konsumieren, statt CDs zu kaufen oder für Downloads zu bezahlen. «Es kann sein, dass Apple mit den Streams ihr Download-Angebot kannibalisiert, das bisher sehr gut funktioniert hat», sagt Ryser. Dort könnten die Einnahmen einbrechen.

Letzte Woche wurde bekannt, wie viel Apple Indie-Musikern für jeden gratis gestreamten Song zahlt: 0,2 Cent. Das berichtet die «New York Times». Die Verhandlungen starteten kurz nachdem sich Taylor Swift öffentlich über die miesen Konditionen für Künstler beklagt hatte. Doch schon vor ihrem offenen Brief hatten sich viele Indie-Vertreter bei Apple beschwert und Druck ausgeübt.

Darauf einigte sich Apple mit den Unabhängigen – die Konditionen gelten für alle Independent-Labels der Welt, auch die in der Schweiz. Andreas Ryser begrüsst das Entgegenkommen: «Apple war immer fair zu den Künstlern, und das sind sie in diesem Fall auch», sagt er.

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Andreas Ryser von IndieSuisse.

Eine Chance für Schweizer Bands

Nicht im ganzen Land herrscht Skepsis. «Ich freue mich sehr auf Apple Music», sagt Christian Wicky, CEO des Indie-Labels Irascible und Sänger der Rockband Favez. Für Schweizer Bands, die auf einen internationalen Markt zielen, seien Streaming-Dienste ein Segen. «Einige Bands bei Irascible haben auf Spotify mehr Hörer im Ausland als in der Schweiz», so Wicky. Das führe zu mehr Konzerten und somit neuen Einnahmequellen.

«Apple ist eines der wenigen Tech-Unternehmen, die Musik nie gratis angeboten haben. Ich hoffe, der Rest wird folgen.»

Christian Wicky

Als grosse Errungenschaft sieht Wicky, dass es bei Apple Music – im Gegensatz zu anderen Diensten wie Spotify – kein Gratismodell geben wird. Darüber sind sich die Musikervertreter in der Schweiz einig. Apple hatte mit dem Gedanken gespielt, ist aber auf Druck der Industrie davon abgewichen: Sowohl Indie- als auch Major-Labels hatten sich dagegen gewehrt. «Apple ist eines der wenigen Tech-Unternehmen, die Musik nie gratis angeboten haben. Ich hoffe, der Rest wird folgen», sagt Wicky.

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Christian Wicky, Label-Chef von Irascible und Favez-Sänger.

Ein Umdenken in der Tech-Industrie könnte auch dazu beitragen, Konsumenten von der Gratismentalität wegzubringen. «Als Musiker finde ich es respektlos, wenn Leute Musik hören, ohne einen Rappen dafür zu bezahlen», sagt Wicky. 

Dass sich nicht alle über den Wandel zum Streaming freuen, kann er nachvollziehen. Bands mit internationaler Strahlkraft und solche, die in der Schweiz schon länger bekannt sind, können von Apple Music profitieren. Für Bands, die nur eine CD auf dem Markt haben, werde es hart. «Da ist es die Pflicht der Industrie, in junge Bands zu investieren», sagt Wicky.

«Es ist respektlos, wenn Leute Musik hören, ohne einen Rappen dafür zu bezahlen.»

Christian Wicky

Dafür braucht es Geld. Und davon ist in den Zeiten des digitalen Wandels immer weniger vorhanden – obwohl Musik immer besser verfügbar ist und dank tragbaren Geräten viel mehr gehört wird. Gemäss dem Branchenverband der Musiklabels (IFPI) betrug im Jahr 1995 der Umsatz mit Tonträgern in der Schweiz 317 Millionen Franken. 2014 waren es noch 84,8 Millionen.

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Grafik: IFPI Schweiz

Würden sich alle Konsumenten, die regelmässig Musik streamen, daran gewöhnen, zu bezahlen, könnte der Negativtrend wohl etwas abgefedert werden. Das Apple-Music-Abo soll knapp 13 Franken pro Monat kosten. «Das ist weniger als ein Gin Tonic», sagt Christian Wicky. «Es ist ein wunderbar demokratisches Prinzip. Jeder beteiligt sich mit einem kleinen Beitrag.»

Wissenswertes zur Grafik

Unsere Infografik soll die Unterschiede zwischen der alten und neuen Welt des Musikkonsums veranschaulichen. Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen, da es sich um Durchschnitts- und Schätzwerte handelt – in der Realität variieren die Konditionen stark. Die Zahlen ergeben sich aus Berechnungen des Blogs Information is Beautiful und Gesprächen mit Schweizer Musikern.

Der Betrag, den ein Musiker für einen kostenlosen Apple-Play-Stream erhält, ergibt sich folgendermassen: Apple zahlt 0,002 US-Dollar pro Stream, das sind 0,0018 Schweizer Franken. Gemäss Information is Beautiful bekommen Musiker rund 20 Prozent des Streaming-Erlöses: also 0,00036 Franken.

Dieser Betrag bezieht sich lediglich auf Gratis-Streams, solche also, die von einem User während der kostenlosen Testphase getätigt werden. Wie viel Apple für die Streams der Bezahl-Abos zahlt, ist nicht bekannt. Gemäss Christian Wicky, Chef des Indie-Labels Irascible, dürfte es jedoch rund zehn Mal so viel sein.

Die Grossen verdienen bereits anständiges Geld

Wenn wir ein wenig über den Tellerrand hinausblicken, sehen wir, dass sich Streaming durchaus lohnen kann. Die erfolgreichsten Songs werden bei Spotify bis zu 25 Millionen Mal pro Woche gespielt. Bei den 0,7 Cent, die das Unternehmen pro Stream bezahlt, kommt man auf 175'000 Dollar. Das ist eine beachtliche Summe – obwohl nur ein Bruchteil davon an den Künstler geht.

Doch das betrifft vor allem Musiker, die bei einem der drei Major-Labels Universal, Sony Music und Warner unter Vertrag stehen. Für die «Big Three», die zwischen 75 und 80 Prozent des weltweiten Marktes kontrollieren, gelten auch bei Apple Music andere Regeln. Über die Konditionen ist nichts bekannt, doch es ist davon auszugehen, dass die Stars wie Pharrell Williams, der seine Single «Freedom» exklusiv auf Apple Music rausbringt, von Apple saftige Vorschüsse erhalten.

Das bietet Apple Music

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    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 03.07.2015 14:44
    Highlight Highlight Was mir eigentlich im Artikel etwas gefehlt hat, sehe ich erst jetzt beim Durchlesen der AGB von Apples Streamingsdienst - die oftmals übliche Schlangenfänger-Tour! Wer ein Gratis-Abo für drei Monate will, muss sich meist schon mit genug Geld auf dem Konto beim Abschluss der Gratismonate für allfällige Folgemonate ausweisen, sonst : "Sie haben nicht genügend Zahlungsmittel." Und, was ich noch viel stierer finde : Nach drei Monaten MUSS das Probeabo durch den User schriftlich und eigenständig gekündigt werden, sonst wird er anschliessend automatisch zahlungspflichtig und der Betrag wird dann wohl ultrapünktlich und ohne weiteres zutun oder nachfragen abgebucht 😒! Man müsse das Abo bei den "Einstellungen kündigen" heisst es, wenn man etwas tiefer in die AGBs eindringt, nur : ich sehe bei den Einstellungen auf dem iPad oder iPhone keine solche Stelle, sie wird wohl erst beim Download des Probeabos ersichtlich, (zumindest bleibt das zu hoffen), wobei man aber eh schon beim lösen des Probeabis genügend Stutz auf dem Konto haben muss.

    Fazit : Apple kann mich mal, ich werde weiterhin andere (KOSTENLOSE) Streamingdienste in Anspruch nehmen 😜!
  • alex DL 02.07.2015 22:04
    Highlight Highlight Ich bin grundsätzlich kein Freund pauschalisierender Aussagen, bei den Vertretern der Musikindustrie komme ich aber nicht drum herum. Immer wieder machen neue Leaks von Verträgen zwischen Labels mit Anbietern klar, dass lediglich eine Kuh, die auf Hochleistung gezüchtet und dann geschlachtet hat nun noch melken will. Jungs, ihr habts verbockt, seht streaming als eine Chance für Vielfalt und Kreativität die letzlich wieder die Kunst und nicht den Profit in den Vordergrund stellt.
  • Ragl 01.07.2015 14:46
    Highlight Highlight ///«Es ist respektlos, wenn Leute Musik hören, ohne einen Rappen dafür zu bezahlen.»
    Christian Wicky
    ////

    Wie soll das gehen? Ich bezahl ja sogar für Festplatten Abgaben.... Leerträgervergütung.... Kensch Christian?
  • Luca Petrecca 01.07.2015 08:13
    Highlight Highlight Ach jetzt kommt mal runter. Solange ich für jedes kleine Konzert einen 30er hinblättern muss, soll mir keiner mit «respektlosigkeit» und «zu wenig zahlen» kommen. Den auch wir wollen Musik, ohne dabei bankrott zu gehen.
  • Der Tom 30.06.2015 19:15
    Highlight Highlight Ich hab nur selten CH Musik gekauft. Von jetzt an erhalten CH Musiker also mehr Geld von mir weil ich auf jeden Fall rumstöbern werde.
  • Migu Schweiz 30.06.2015 16:47
    Highlight Highlight Man sollte mal aufhören die Streamingdienste schlechtzumachen, den bei einem Air im ukw radio gibts für 100000 Zuhörer nur um die 8 CHF, Zuhörerzahlen variieren natürlich, aber leben kann man davon auch nicht
  • Ni De 30.06.2015 13:36
    Highlight Highlight was ist denn der unterschied zw radio und gratis-stream? also finanziell. dass man keine fixe playlist hat ist klar
    • Achja 30.06.2015 15:06
      Highlight Highlight Würde mich auch interessieren. könnt ihr das recherchieren?
    • Roman Rey 30.06.2015 16:21
      Highlight Highlight Gute Frage.

      Ich nehme mal an, das funktioniert wie beim normalen Radio: Dass Apple Abgaben an die Verwertungsgesellschaften wie SUISA zahlt, welche wiederum die Labels bezahlen.

      Bin mir aber nicht sicher. Ich gehe dem nach.
  • fischbrot 30.06.2015 11:57
    Highlight Highlight Ach.. die Schweiz hat eine Musikszene?
    • Roman Rey 30.06.2015 14:28
      Highlight Highlight Wo lebst du?
    • fischbrot 30.06.2015 15:27
      Highlight Highlight Kommentar hierauf unnötig ;-)
  • olizont 30.06.2015 11:49
    Highlight Highlight CHF 3.-- mal 33 CD's machen bei mir nicht CHF 100.-- :) #tüpflischisser
    • Roman Rey 30.06.2015 12:06
      Highlight Highlight Ein Fall für den Presserat! #Lügenpresse :)
  • Achja 30.06.2015 11:28
    Highlight Highlight Kleines Rechenbeispiel:
    Ich kaufte eine neue CD mit 10 Songs. Meine Freude ist gross und ich Hore sie 50mal im ersten Jahr. In den nächsten 5 Jahren noch ca. 5mal. Dann verschwindet sie in der Sammlung und wir für die nächsten 25 Jahre, je einmal rausgeholt. Total höre ich also 100x10 Songs. Das gibt bei 3fr. pro CD 0.003fr. pro Song. Dies entspricht in etwa dem Betrag des Streamings. Ich empfinde die Preise also durchaus als gerechtfertigt.
    Gratis Striemig geht für mich jedoch auch überhaupt nicht!!
    Auch wäre es schön wen sie Newcomer und um bekante Musiker mehr fördern würden.
    • Roman Rey 30.06.2015 12:03
      Highlight Highlight Interessante Rechnung. Zum Gratis-Streaming: Da sieht es tatsächlich anders aus. Wir haben eine alternative Grafik gemacht mit dem Betrag, den Apple den Indie-Lables für die kostenlos gestreamten zahlt. Ungefähr diese Konditionen hätten auch für den Gratis-Dienst gegolten, hätte ihn Apple tatsächlich durchgesetzt.
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