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Schweiz

Forschende stellen Einjähriges Berufkraut als invasive Art infrage

Forschungsteam stellt fest: Diese Pflanze ist für die Schweiz offenbar doch kein Problem

25.03.2026, 15:3725.03.2026, 15:37

Schweizer Forschende stellen die Einstufung des Einjährigen Berufkrauts als invasive Art in Frage. Die wegen ihrer Schädlichkeit für die heimische Biodiversität bekämpfte Pflanze ist offenbar harmlos.

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Das Einjährige Berufkraut ist offenbar harmlos.Bild: www.imago-images.de

Das teilte das Forum Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) am Mittwoch mit. Das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus) ist in der Schweiz als invasive gebietsfremde Art eingestuft.

Ein Forschungsteam der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) konnte in einer Studie keinen Nachweis dafür finden, dass das Einjährige Berufkraut der Artenvielfalt schadet.

Für die Untersuchung hat das Team zehn Wiesen analysiert. Dort verglichen die Forschenden kleine Flächen mit unterschiedlich viel Berufkraut. Manche Flächen waren frei von der Pflanze, andere waren zu mehr als der Hälfte damit bedeckt. Die Auswertung der Daten von insgesamt 40 Messflächen ergab, dass die Artenzahl und die Ausgeglichenheit der heimischen Pflanzenarten nicht von der Dichte des Berufkrauts beeinflusst wurden.

Selbst bei einer Deckung von bis zu 55 Prozent durch den Neophyten sei kein negativer Effekt auf die Vielfalt der übrigen Pflanzen nachweisbar gewesen. Bei einem Diversitätsmass stellten die Forschenden sogar einen minimal positiven Effekt fest, wie sie in der Fachzeitschrift «Tuexenia» berichteten.

Ein teurer Kampf für nichts?

Die Ergebnisse der Studie stehen im Widerspruch zur aktuellen Praxis in der Schweiz. Das Einjährige Berufkraut wird hierzulande als schädlicher invasiver Neophyt eingestuft und steht auf der Liste der verbotenen Organismen der eidgenössischen Freisetzungsverordnung.

Behörden und Naturschutzorganisationen bekämpfen die Pflanze laut dem Forum Biodiversität teilweise mit hohem Aufwand. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass auch andere wissenschaftliche Untersuchungen aus Europa zu ähnlichen Ergebnissen gekommen seien und ebenfalls keinen oder sogar einen positiven Effekt des Berufkrauts auf die Artenvielfalt gefunden hätten. (dab/sda)

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63 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Antinatalist
25.03.2026 16:11registriert September 2019
Dieser Irrtum entsrpingt einmal mehr der Landwirtschaft. Weil deren Vieh das einjährige Berufkraut verschmäht, wurde es für böse erklärt. Wie so oft. Was das BLW für schlecht befindet, muss das BAFU dann für invasiv erklären. Weil BAFU und BLW beide demselben Bundesrat unterstehen, besteht da auch keine ernsthafte Abwägung. Was schlecht für die Landwirtschaft ist, ist schlecht für die Natur. Was aber für die Natur schlecht ist, aber der Landwirtschaft nicht schadet, wird als unproblematisch gesehen. So läuft das in der Schweiz. Darum auch der letzte Platz im europäischen Biodiversitätsranking.
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ste_17
25.03.2026 19:48registriert Januar 2017
"Selbst bei einer Deckung von bis zu 55 Prozent durch den Neophyten sei kein negativer Effekt auf die Vielfalt der übrigen Pflanzen nachweisbar gewesen."

Und wie ist es bei einer Deckung über 55%? Bei 70, 80 od.90%?
Diese Frage wäre wichtig.Das Problem des Einjährigen Berufkraut ist,dass es sich sehr schnell verbreitet.
Interessant wäre,dieselben Wiesen über mehrere Jahre hinweg zu beobachten.Die Wiese mit 55% Einjährigem Berufkraut wird wahrscheinlich im Folgejahr einen noch höheren Anteil davon haben. Und im Jahr darauf einen noch höheren usw.
Was passiert dann mit der Biodiversität?
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