In Bure JU eskaliert ein Streit zwischen Panzergrenadieren und Infanteristen
Dass es zwischen verschiedenen Truppeneinheiten in der Schweizer Armee einen Konkurrenzkampf gibt, ist nichts Ungewöhnliches. Auf dem Waffenplatz Bure im Kanton Jura ist eine Auseinandersetzung zwischen Infanteristen und Panzergrenadieren nun aber eskaliert.
Ausgerartet ist der Streit demnach in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, wie 20 Minuten berichtet. Dabei ging gemäss Aussagen eines Soldaten, der in Bure aktuell seinen Dienst leistet, sogar so weit, dass Panzergrenadiere eine Blendgranate auf das Gelände der Infanteristen warfen.
Nicolas Formasi, Sprecher der Militärjustiz, bestätigt die Auseinandersetzung gegenüber «20 Minuten»: «In der Nacht auf Donnerstag ist es bei der Anlage Nalé zu einem leichten Kampf gekommen, wobei es auch zu leichten Verletzungen kam.» Ob aber tatsächlich eine Blendgranate geworfen wurde, ist gemäss Formasi «nicht sicher».
Gemäss dem Bericht ging der Streit am Freitag in die nächste Runde, die Rede ist von einer Rauchgranate in der Kaserne. Wer dafür verantwortlich ist, ist laut Formasi unklar, die Vorgänge seien Teil einer eingeleiteten Untersuchung.
Ein Soldat sagte zu «20 Minuten»: «Es gibt Rivalitäten unter den Kompanien, bei uns ist es dann etwas ausgeartet.»
Geklaute Munition bei Durchsuchung
Der Streit veranlasste die zuständige Militärführung zum Handeln. Es kam zu einer grossen Durchsuchung der ganzen Kaserne, die Platz für 1100 Personen bietet.
Bei der Durchsuchung, bei der Spürhunde zum Einsatz kamen, stellte die Militärpolizei dann bei rund 30 Soldaten entwendetes Armeematerial sicher: von Munition bis hin zu Rauchgranaten. Eine Person soll gemäss dem Bericht 200 Schuss Munition gestohlen haben.
Einer der zitierten Soldaten sagt: «Die Munition ist hier sehr leicht zugänglich. Es wird kaum kontrolliert, wer wie viele Schüsse hat und ob nach der Übung noch jemand Munition in den Taschen hat.» Es gäbe zahlreiche Möglichkeiten, etwas mitgehen zu lassen, so der Soldat.
Trotz der Vorfälle durften die Soldaten am Wochenende nach Hause gehen. Obwohl die Ermittlungen zu den Vorfällen laufen und nicht klar ist, ob bereits vor der Durchsuchung Material gestohlen wurde. Der Soldat sieht das kritisch:
Armee verteidigt Vorgehen
Gemäss einem Militärsprecher sei es allerdings nicht verhältnismässig, alle Wohnungen der in Bure stationierten Soldaten zu durchsuchen: «Der Untersuchungsrichter hat abgewogen, welche Massnahmen nötig sind.» Zudem könne man keine genauen Angaben zu dem gestohlenen Material machen.
Armeesprecher Stefan Hofer verweist gegenüber «20 Minuten» auch auf Sensibilisierungsmassnahmen der Armee: «Die Armeeangehörigen werden während der Rekrutenschulen und Wiederholungskurse im Umgang mit Waffen und Munition ausgebildet und sensibilisiert.»
Zudem kontrolliere die Militärpolizei regelmässig Infrastrukturen, darunter auch die Munitionsmagazine der eingesetzten Truppen sowie der Logistikbasis der Armee.
(ome)
