Brand in Freimaurer-Loge – ein Blick hinter die Kulissen des «Geheimbundes»
Der Brand brach in den frühen Morgenstunden des 26. Januar 2026 im Herzen der Zürcher Altstadt aus. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Gebäude bereits in Vollbrand. Mauern und Dachstuhl wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, zeitweise bestand Einsturzgefahr. Die Einsatzkräfte konnten das Feuer eindämmen, das Logenhaus ist jedoch vorerst unbenutzbar.
Das Gebäude am Lindenhof dient der Loge «Modestia cum Libertate» seit 1853 als Versammlungsort. Es handelt sich um die älteste und mit über 120 Mitgliedern grösste Freimaurerloge Zürichs. Ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1771 zurück. Viele ihrer Mitglieder spielten im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Schweiz, unter anderem im Umfeld der Bundesstaatsgründung von 1848. Entsprechend gross ist der ideelle und historische Verlust durch den Brand.
Freimaurer: zwischen Mythos und Realität
Die Freimaurerei gehört zu den ältesten brüderlichen Vereinigungen der Welt. Sie versteht sich als ethisch-philosophischer Bund, dessen Mitglieder an ihrer persönlichen Entwicklung arbeiten. Historisch belegt ist die Gründung der ersten Grossloge 1717 in London. Von dort aus verbreitete sich die Bewegung in Europa und darüber hinaus. In der Schweiz entstand die erste Loge 1736 in Genf, später folgten weitere in anderen Städten.
Heute existieren weltweit mehrere Millionen Freimaurer. Eine zentrale Weltorganisation gibt es nicht. Stattdessen sind die Logen national organisiert und untereinander nur lose vernetzt. In der Schweiz fungiert die 1844 gegründete Schweizerische Grossloge Alpina als Dachverband. Sie vereint rund 3’500 Mitglieder in 85 Logen. Daneben bestehen eigenständige Frauen- und gemischte Logen.
Werte und Rituale: Was machen Freimaurer?
Freimaurerlogen treffen sich regelmässig zu Vorträgen, Diskussionen und rituellen Arbeiten. Ziel ist die ethische Weiterentwicklung der Mitglieder. Zentrale Werte sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Diese Ideale gehen auf das Gedankengut der Aufklärung zurück. Historisch waren zahlreiche bekannte Persönlichkeiten Freimaurer, darunter Mozart oder George Washington.
Die Aufnahme erfolgt stufenweise in den Graden Lehrling, Geselle und Meister. Rituale und Symbole wie Zirkel und Winkelmass greifen auf die Tradition der mittelalterlichen Steinmetze zurück. Über den genauen Ablauf der Zeremonien bewahren die Mitglieder Stillschweigen. Diese Verschwiegenheit trägt wesentlich zum Ruf der Freimaurerei als Geheimbund bei. Die Logen selbst betonen jedoch, dass ihre Ziele offen humanitär seien und lediglich interne Abläufe vertraulich behandelt würden.
Engagement über die Loge hinaus
Neben der internen Arbeit engagieren sich viele Logen auch gesellschaftlich. Die Zürcher Loge «Modestia cum Libertate» organisiert öffentliche Veranstaltungen und unterstützt soziale Projekte über eigene Stiftungen. Auch international sind Freimaurer an karitativen Initiativen beteiligt. Wohltätigkeit gilt jedoch nicht als Hauptzweck, sondern als Ausdruck des freimaurerischen Selbstverständnisses.
Freimaurerei in Zürich und der Schweiz
In Zürich bestehen mehrere Logen mit insgesamt rund 500 Mitgliedern. Die grösste davon ist «Modestia cum Libertate». Die meisten Logen der Schweizerischen Grossloge Alpina sind reine Männerbünde. Parallel dazu existieren in der Schweiz seit Jahrzehnten Frauenlogen und gemischte Logen, die organisatorisch unabhängig sind.
Die Freimaurerei war in der Schweiz nicht immer unumstritten. 1937 kam es sogar zu einer Volksabstimmung über ein landesweites Verbot, das jedoch klar abgelehnt wurde. Seither sind Logen rechtlich als gewöhnliche Vereine organisiert. Heute pflegen viele Logen einen offeneren Umgang und laden zu Informationsanlässen ein, auch wenn ein Teil der geheimnisvollen Aura geblieben ist.
Wer kann Mitglied werden?
Traditionell gilt der Grundsatz des «freien Mannes von gutem Ruf». Bewerber müssen volljährig, unabhängig und unbescholten sein. Ein bestimmtes religiöses Bekenntnis ist in der Schweiz nicht zwingend. Atheisten sind nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sofern sie die ethischen Grundwerte teilen.
Die Freimaurerei wirbt nicht aktiv um Mitglieder. Interessierte müssen selbst den Kontakt suchen. Nach Gesprächen, Empfehlungen und einer geheimen Abstimmung entscheidet die Loge über die Aufnahme. Neue Mitglieder verpflichten sich zu Diskretion, auch wenn die Zugehörigkeit nicht grundsätzlich geheim gehalten werden muss.
Der Brand am Lindenhof wirft damit nicht nur Fragen zur Zukunft eines historischen Gebäudes auf, sondern rückt auch eine traditionsreiche Gemeinschaft ins öffentliche Blickfeld, die sonst bewusst im Hintergrund bleibt.
