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«Ich bin ein animalischer Dude!»: Cro spricht über sich, seinen Film, sich ...

Seit Jahren verbirgt sich Carlo Waibel unter einer Pandamaske und ist Cro. Jetzt kommt sein Film «Unsere Zeit ist jetzt» in die Kinos. Dafür war er in Zürich und hat mit uns gesprochen. Ohne Maske.
04.10.2016, 14:4605.10.2016, 09:23

Carlo ist hübsch. Sehr hübsch. Ein schmales, klares, sensibles Gesicht, schöne Haut, kein einziger Pickel scheint unter der ewigen Maske (Stinkt die eigentlich nicht? So von innen?) gesprossen zu sein, enorm warme Augen. Die Panda-Maske, die aus Carlo seit fünf Jahren den Rapper Cro macht, liegt zusammengefaltet neben ihm. Fotografieren verboten.

«Opa meinte: ‹Mach dich rar, Junge!› So mach ich's.»
Carlo aka Cro.

Als er vor dem Zürcher Park Hyatt Hotel aus der Limousine steigt, trägt er den fetten Leoparden-Mantel, in dem er gerade alle roten Teppiche für seinen Film «Unsere Zeit ist jetzt» absolviert. Wieso der Mantel? «Ich bin ein animalischer Dude, tierisch gut.»

Panda-Rapper im Leo-Mantel vor dem Zürcher Corso.
Panda-Rapper im Leo-Mantel vor dem Zürcher Corso.Bild: KEYSTONE

Carlo-Cro, 26, sieht aus wie ein Balletttänzer. Neben ihm sitzt der Regisseur Martin Schreier und der sieht nun wie ein echter Rapper aus. Massiv. Minimal bedrohlich. Ist aber natürlich ganz lieb. Ob Carlo auch lieb sei, will die jüngste der anwesenden Journalistinnen wissen.

«Ich hab 'ne Meinung dazu», sagt Schreier, «der Carlo ist ein ganz emotionaler Mensch, der halt auch ein bisschen in diesem Hip-Hop-Business gefangen ist, wo Gefühle jetzt vielleicht nicht ganz so hoch angesehen werden.» – «Das klingt grad voll schwul, hör auf damit!», sagt Carlo. 

«An alle Jungs: Ich bin knallhart! Aber wenn Mädchen da sind, dann werd ich halt nett, charmant, bescheiden.»
Knallhart, jaja.

Trailer zu «Unsere Zeit ist jetzt»

Carlo-Cro und Schreier sind also hier wegen dem Film mit und über Cro. Ein Film wie eine weitere Pandamaske: Zwar geht es zwei Stunden lang um Cro, aber am Ende weiss man kein bisschen mehr über ihn als vorher. Ist natürlich Absicht.

Obwohl: Man sieht Cro im Film ausführlich ohne Maske. Allerdings nur den alten Cro in etwa dreissig Jahren. Und wer ist denn nun der alte Panda? Wer kommt nach grossen Drogenpartys aus einem Haufen nackter Frauen gekrochen und Rebecca Mir, die aus «Germany's Next Topmodel», schiesst ein Foto? Til Schweiger. Wer sonst.

Til Schweiger ist auch Produzent und Drehbuch-Geburtshelfer von «Unsere Zeit ist jetzt». Weshalb der Cro-Film am Ende auch die neue Til-Schweiger-Komödie geworden ist. Okay, Til Schweiger hasst die miesen Mistkäfer von der Presse. Das ist klar, das darf er. Aber tatsächlich scheint jeder Mensch im deutschen Filmbusiness gern mit ihm zu arbeiten. Ist Til toll?

Diese Rapper-Fantasien lässt sich Til Schweiger (als alter Cro) gern gefallen.
Diese Rapper-Fantasien lässt sich Til Schweiger (als alter Cro) gern gefallen.Bild: warner

«Til ist ein ganz dufter, zugänglicher, lieber netter Kerl. Ein Filmemacher mit ganz grossem Herz, mit ganz grosser Leidenschaft, die ich bei ganz wenig Leuten, gerade auch jungen so schon gesehen habe. Til schneidet bis nachts um vier ohne Mittagspause und so», schwört Schreier.

«Til Schweiger rockt hart.»
Regisseur Martin Schreier.

Okay. Und der Film? Sein Thema ist Cro. Und dass Cro eine krasse Projektionsfläche für allerlei Fantasien ist. Das geht so: Cro will im Film einen Film über sich selbst machen lassen und sucht via Wettbewerb Regietalente. Er findet gleich drei, einen Beau (David Schütter), eine Aspergerin (Peri Baumeister) und einen Comic zeichnenden Bürogummi (der Basler Marc Benjamin).

Der Beau entwirft Cros Zukunft als Til Schweiger, die Aspergerin macht was Diskretes mit GoPro, der Bürogummi zeichnet, wie Cro zu seiner Maske kam. Es ist ein riesiges, lautes, lustiges Chaos aus allen möglichen Genre-Filmen und Film-Genres, eine totale Knalltüte, alle leben ihren Traum, logisch, denn «heute werden Erinnerungen geschaffen». Baumeister, Schütter und Benjamin sind hinreissend, Cro dagegen (immer mit Maske natürlich) ein einigermassen mässiger Schauspieler, aber er muss ja auch eher die Klammer ums Ganze und den Soundtrack liefern. Und? Mag er das? 

Ganz diskret, diese Red-Bull-Werbung während eines Bewerbungsgesprächs. 
Ganz diskret, diese Red-Bull-Werbung während eines Bewerbungsgesprächs. Bild: warner

«Schauspielern find ich schon cool, aber leider verliert da alles ein bisschen an Magie. Wenn ich n' Lied mach, geht es ganz schnell, oft ist die Entstehung schon magisch. Wenn man im Studio steht, und die Sonne geht unter, und alle spielen irgendwas, und die Kopfhörer drauf und so ganz drin, und dann kommt diese Sängerin von links in dein Ohr, der Moment entsteht, magisch, und boom, aufgenommen, magisch, man hört sich danach an, magisch.»

«Beim Film ist es oft so: Drei Jahre lang sägen und klopfen, Seile aufhängen, im Ketchup rühren  ... »
Film, für Carlo-Cro eine Welt ohne Magie.

Im Ketchup rühren? Ach so, er meint Filmblut. Gut. Geduld ist nicht so seins. «Ich bin gerne schlicht und schnell.» Was natürlich ein Understatement ist. Cros Tiefe liegt gerade in seiner Leichtigkeit. In seiner Lied für Lied salopp formulierten Sehnsucht nach einem ultra romantischen Ausreisser-Märchen mit Prinzessin.

Wo wir schon beim Märchen-Erzählen sind: Wie ist das denn so mit Cro auf Tour? «Stellt's euch ruhig RICHTIG krass vor.» Und wie sieht er sich selbst in dreissig Jahren? «Keine Ahnung, ich bin ja kein Prophet, aber ich würd sagen: höher, besser, glücklicher, NOCH schöner!»

«Unsere Zeit ist jetzt» läuft ab 6. Oktober im Kino.

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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Randy Orton
04.10.2016 19:02registriert April 2016
Cro mag Talent gehabt haben, auch wenn mir seine Musik nie gefallen hat (zu seichter Mainstream-Pop, der sich den Anstrich von krassem HipHop geben will). Leider ist er einfach zur Marketingmaschine umfunktioniert worden, anstatt ernsthaft Musik zu produzieren. Überall macht er Werbung für alles mögliche (auf Facebook, in seinen Songs, im Film) und in seinen Interviews merkt man, dass das Geld mittlerweile der Antrieb für sein Tun ist, die Musik mehr Mittel zum Zweck wurde und ihm die Markenwiedererkennung nun wichtiger ist, als Kunst zu machen, was ich sehr schade finde.
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