Wieder fehlt wenig: Wie Aarau von den «Unabsteigbaren» zu den «Unaufsteigbaren» wurde
29 Jahre hielt sich der FC Aarau ab dem Jahr 1981 in der Super League. Immer wieder hielt sich der FCA spektakulär in der höchsten Schweizer Spielklasse und konnte den Abstieg stets verhindern, so erhielt Aarau auch die ehrenvolle Bezeichnung: «Die Unabsteigbaren». Erst in der Saison 2009/10 konnte der Gang in die Challenge League nicht mehr verhindert werden. Drei Jahre später gelang zwar wieder die Rückkehr in die höchste Schweizer Liga, der Verein stieg 2015 aber wieder ab. Seither steckt Aarau in der Challenge League fest – dies, obwohl es dem Aufstieg mehr als nur einmal ganz, ganz nah war. Wir blicken auf die letzten elf Jahre zurück und darauf, wie aus den «Unabsteigbaren» die «Unaufsteigbaren» wurden.
2019: Das Unmögliche
Nachdem der FCA in den ersten drei Saisons nach dem Abstieg nie wirklich etwas mit dem Aufstieg zu tun gehabt hat, sieht es auch in der Spielzeit 2018/19 zunächst überhaupt nicht gut aus. Nach elf Spieltagen haben die Aarauer nur vier Punkte auf dem Konto und sind abgeschlagen Letzter. Doch dann wird eine fulminante Serie gestartet und in der restlichen Saison verliert Aarau nur noch eine von 25 Partien und springt drei Spieltage vor dem Saisonende tatsächlich noch auf den Barrageplatz.
Mit einem 1:0-Heimsieg gegen Absteiger Rapperswil-Jona am letzten Spieltag war es klar: Aarau spielt in der Barrage gegen Neuchatel Xamax um die Super-League-Rückkehr. Das Auswärtsspiel in Neuenburg wurde schnell zu einem gefühlten Heimspiel für den FCA und das Team von Trainer Patrick Rahmen führte bereits nach 45 Minuten mit 3:0. In der zweiten Halbzeit traf Aarau noch ein weiteres Mal und für gefühlt jeden Fan mit fussballerischen Grundkenntnissen war klar: Aarau kehrt in die Super League zurück.
Drei Tage später war in der Aarauer Innenstadt bereits alles vorbereitet für eine grosse Aufstiegsfeier und mehr als eine Flasche Champagner war kühl gestellt. Es geschah aber tatsächlich dies, was niemand mehr für möglich hielt. Zwischen der 20. und 38. Minute spielt sich Xamax in einen Rausch und führt plötzlich mit 3:0. Nur noch ein Tor fehlt, um im Gesamtskore auszugleichen. In der 72. Minute geschieht es dann tatsächlich und Geoffrey Tréand erzielt das 4:0. Zwar hat Marco Schneuwly noch vor der Verlängerung den Matchball auf dem Fuss, haut das Spielgerät aber aus wenigen Metern über das Tor. Im anschliessenden Elfmeterschiessen haben die Neuenburger die besseren Nerven und können den Abstieg verhindern. Bis heute möchte man rund um das Brügglifeld nicht auf den fatalen 2. Juni 2019 angesprochen werden.
2022: Platz drei statt direkten Aufstiegs
Als hätten sich die Aarauer nach dem Barrageschock 2019 erst einmal erholen müssen, haben sie auch zwei Jahre lang nichts mehr mit dem Aufstieg zu tun. In der Saison 2021/22 kommt es aber zu einem spannenden Dreikampf zwischen Aarau, Schaffhausen und Winterthur. Drei Mannschaften, welche in den letzten Jahren selten etwas mit den Spitzenrängen der Challenge League zu tun hatten.
Am zweitletzten Spieltag gewinnt Aarau das Spitzenspiel gegen Schaffhausen und stösst damit auf den ersten Platz vor. Drei Punkte beträgt das Polster der Aarauer vor der 36. Runde auf Winterthur und Schaffhausen. Weil Winti und Schaffhausen das bessere Torverhältnis haben, braucht Aarau einen Punkt gegen Vaduz, um sich den Aufstieg zu sichern. «Dies wird sich der FCA doch nicht noch mal nehmen lassen», denkt sich die ganze Fussball-Schweiz mal wieder.
Es kommt aber, wie es kommen muss: Die Vaduzer avancierten im ausverkauften Brügglifeld zum Spielverderber und setzten sich überraschend mit 2:1 durch. Weil Winterthur und Schaffhausen ihre Hausaufgaben erledigen, rutscht Aarau noch auf den dritten Platz ab.
2025: Schon wieder ein 0:4 in der Barrage
Auch als die Super League 2023 von zehn auf zwölf Mannschaften aufgestockt wurde, hatte Aarau bis zum letzten Spieltag Hoffnung, musste sich aber schlussendlich hinter Yverdon-Sport, Lausanne-Sport und Stade Lausanne-Ouchy mit dem vierten Platz zufriedengeben.
In der Saison 2024/25 erinnerte dann vieles an die Spielzeit 2018/19. Nach einem verpatzten Start in die Saison spielen sich die Aargauer in einen Rausch. Neun Partien hintereinander ging der FCA als Sieger vom Platz und träumt schon wieder vom Aufstieg. Auf die Siegesserie folgte aber eine fatale Unentschiedenserie und Thun konnte sich von den Aargauern absetzen. Mit der Barrage erhielt das Team von Trainer Brunello Iacopetta eine zweite Chance auf den Aufstieg.
Superligist GC lässt dem FCA im Hinspiel aber nicht den Hauch einer Chance und siegt mit 4:0. Zwar kann Aarau das Rückspiel für sich entscheiden, aber mit einem 1:0 wird die gleiche Wende, wie sie Xamax sechs Jahre zuvor vollbrachte, deutlich verpasst.
2026: Zweimal ganz nah, zweimal gescheitert
Wenn man denkt, schlimmer kann es nicht mehr kommen, dann legt der FC Aarau gleich doppelt nach. Langsam, aber sicher kann man im Brügglifeld von einem Aufstiegsfluch sprechen. Am zweitletzten Spieltag siegt Aarau beim direkten Konkurrenten Vaduz und übernimmt die Tabellenspitze.
Wieder müssen am letzten Spieltag nur die Hausaufgaben erledigt werden. Mit einem Sieg ist der Aufstieg für den FCA sicher und schnell geht der Leader gegen Yverdon-Sport auch mit 2:0 in Führung. Doch nach dem ersten Gegentreffer steigt die Nervosität und Aarau verspielt den direkten Aufstieg tatsächlich ein weiteres Mal.
Einmal mehr muss Aarau in die knifflige Barrage. Wie ein Jahr zuvor kommt es erneut zum Duell mit GC und dieses Mal ist nach einem torlosen Hinspiel noch alles offen vor der entscheidenden Partie.
Die Grasshoppers starten aktiver in das Rückspiel und gehen im eigenen Stadion nach einer halben Stunde in Führung. Die Aarauer reagieren durch Elias Filet, der mit einem Fallrückzieher die Partie ausgleicht.
In der 88. Minute kommt es plötzlich noch besser für die Aarauer. Young-Jun Lee fliegt nach einer Tätlichkeit vom Platz und der FCA startet mit einer Überzahl in die Verlängerung. In dieser sieht mit Linus Obexer aber auch noch ein Aarauer die Rote Karte und kurze Zeit später geht GC nach einem Elfmeter wieder in Führung. Die Aarauer versuchen nochmals alles, aber ein Tor gelingt nicht mehr. Die «Unaufsteigbaren» bleiben in der Challenge League und müssen in der kommenden Saison den zwölften Versuch starten, um eines Tages in die Super League zurückzukehren.
