Nagelsmann reagiert nach WM-Blamage wieder patzig – und spricht über seine Zukunft
Der Frust stand Julian Nagelsmann nach dem Ausscheiden an der Weltmeisterschaft in Nordamerika ins Gesicht geschrieben. Es herrsche eine Niedergeschlagenheit im Team, alle seien enttäuscht, erklärte der deutsche Nationaltrainer nach der Niederlage gegen Paraguay im Sechzehntelfinal.
Scharfe Kritik am eigenen Team
Die Gründe für die grosse Enttäuschung waren für den 38-Jährigen klar: «Manche Teams können mit einfachen Mitteln gewinnen. Das musst du in jeder Situation verteidigen – und wenn du das nicht machst, kann der Gegner mit einer Aktion in Führung gehen.» So geschehen in der 42. Minute durch einen Kopfball von Paraguays Julio Enciso. Danach lief Deutschland an, kam bis zur 120. Minute aber nur zum 1:1-Ausgleich durch Kai Havertz, der in der 54. Minute fiel.
Nagelsmann kritisierte sein Team im Interview mit dem ZDF danach scharf: «Unser Spielvortrag war extrem langsam. Es hat ewig gedauert, um von einem Flügel auf den anderen zu verlagern.» Danach habe Deutschland mit der Brechstange versucht, den Ausgleich zu erzielen, und das hat mittels eines Kopfballs dann auch geklappt. «Wir mussten die Bälle scharf in den Strafraum bringen und das hat dann auch geklappt. Aber wir hätten es viel häufiger machen können», so Nagelsmann.
Nagelsmann reagierte erneut gereizt
Auf die Nachfrage, weshalb sein Team den Schwung nach dem Traumstart ins Turnier mit dem 7:1-Sieg gegen Curaçao nicht habe mitnehmen können, reagierte Nagelsmann wie schon in anderen Interviews während und im Vorfeld der WM patzig. Zwischen ihm und Moderatorin Lili Engels entwickelte sich dann folgender Dialog:
Nagelsmann: «Wie ich schon gesagt habe, der Spielvortrag war zu langsam.»
Engels: «Aber Sie haben den Gegner ja so erwartet. Sie haben sich ja genau auf ein solches Spiel eingestellt. Wieso haben Sie trotzdem keine Lösungen gefunden?»
Nagelsmann: «Das habe ich doch gerade gesagt, der Spielvortrag war zu langsam, das hab ich doch jetzt schon dreimal gesagt.»
Für grossen Ärger sorgte bei Nagelsmann zudem die Schiedsrichterentscheidung nach dem vermeintlichen Tor zum 2:1 von Jonathan Tah in der Verlängerung. Dieses wurde von Schiedsrichter Jalal Jayed zurückgenommen, weil er auf den Videobildern ein Foul von Deutschlands Waldemar Anton an Paraguay-Goalie Orlando Gill sah. Die Experten sind sich einig, dass dies ein Fehlentscheid war. Nagelsmann sieht dies ebenfalls so: «Keine Ahnung, was er da gesehen hat. Das ist nicht mal ansatzweise ein Foulspiel. Es ist ein Witz, ein Vollskandal!»
Sein Team habe keine gute Leistung gezeigt und hätte auch ohne das aberkannte Tor gewinnen müssen. Dennoch ärgerte ihn die Situation enorm: «Es wäre das 2:1 zu einem ganz wichtigen Zeitpunkt gewesen. Ich erinnere mich an das Spanien-Spiel an der EM 2024 zurück. Da hätten wir einen Penalty bekommen müssen. Manchmal ist man in der Lage, viele Chancen herauszuspielen, und manchmal muss man dreckig gewinnen.»
Die Zukunft beim DFB? Nagelsmann spricht Klartext
Obwohl Nagelsmann beim Deutschen Fussball-Bund noch einen Vertrag bis 2028 hat, stellt sich nun die Frage nach seiner Zukunft. Bei einem Vorrundenaus hätte der DFB den Vertrag auflösen können. Es ist unklar, ob dies auch nach dem Ausscheiden im Sechzehntelfinal so ist. Für Nagelsmann ist aber klar: «Ich stehe zur Verfügung. Wenn der DFB das möchte, mache ich auch die EM 2028. Wenn nicht, müssen mir die Verantwortlichen das sagen.» Einen Rücktritt schliesst er aus: «Ich bin keiner, der wegläuft.»
Von Seiten des Verbands und aus dem Team bekam der Trainer aber sofort Rückendeckung. DFB-Sportdirektor Rudi Völler sagte: «Er ist immer noch ein Toptrainer und ein Kämpfer. Ich weiss, dass es jetzt gerade viele nicht verstehen werden, aber ich bin noch immer überzeugt, dass er der richtige Mann für den Job ist.» Er schob aber nach: «Ich bin nicht alleine der DFB, es ist nicht nur meine Entscheidung.»
Captain Joshua Kimmich erklärte: «Wir wissen, dass wir auf dem Platz stehen.» Unruhe sei jetzt normal, aber: «Keiner von uns sitzt jetzt in der Kabine und gibt ihm die Schuld daran.» Auf die Frage, ob er glaube, dass Nagelsmann zurücktrete, antwortete der 31-Jährige klar: «Ich hoffe natürlich nicht.»
Nach der nächsten grossen Enttäuschung für Deutschland, das an den beiden letzten Weltmeisterschaften in der Gruppenphase gescheitert ist, ist die Frage nach der Zukunft des Trainers aber nur eine von vielen. Letztmals stand der viermalige Weltmeister und dreifache Europameister an der EM 2016 in einem Halbfinal. Seither blieb er stets hinter den Erwartungen zurück. Der Frust darüber ist nicht nur bei Nagelsmann riesig. (nih)
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