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Der Tiger Sven Lindemann, rechts, holt den Laker Patrick Schommer, links, von den Beinen, beim Auf-/Abstiegsplayoff Eishockey Ligaqualifikationsspiel der NLA/NLB zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und den SCL Tigers am Montag, 6. April 2015, in der Diners Club Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Was passierte im Fall Schluep? Mit welchem Sportchef gehen die Lakers in die NLB-Saison? In welchen Farben? Bild: KEYSTONE

Nach dem Zeiter-Njet für kommende Saison: 3 Gerüchte (die natürlich jeder seriösen Grundlage entbehren) zum Lakers-Umbruch

ursin tomaschett



1. Die Zweifel an der Klub-Version im Fall Schluep

Ein Tweet, der flugs wieder zurückgezogen und 24 Stunden später noch einmal publiziert wird, versehen mit einem dürren Statement, in welchem der sofortige Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Lucas Schluep verkündet und als Grund anonyme Drohungen in Fan-Foren geltend gemacht werden. Ein Knall für die, zu dem Zeitpunkt nach der dritten Ligaqualifikationspartie akut abstiegsbedrohten Lakers, der sie ins Mark traf. Das war Mitte der vergangenen Woche.

«Zum Schutz seiner Person und mit Rücksicht auf seine Familie tritt Lucas H. Schluep mit sofortiger Wirkung zurück (...) Die Lakers verurteilen Gewalt, Drohungen, vor allem gegen Leib und Leben – auch in verbaler Form – aufs Schärfste.»

rapperswil-jona lakers

Tatsächlich war in einem Fan-Forum nach Spielschluss ein komprimittierender Beitrag publiziert worden – der Betreiber hatte ihn aber flugs gelöscht. Die Ironie der Geschichte: Bis im Sommer 2014 firmierte das Portal als offizielles Lakers-Forum und war über die Vereins-Website zugänglich. Dann entschied man, es dicht zu machen, und zwar ausgerechnet mit folgender Begründung: «Wir haben uns entschieden, unsere personellen Ressourcen anderweitig, d.h. vermehrt für Social-Media-Arbeit zu nutzen». Der langjährige Administrator führt es seither in Eigenregie.

Ein Geldgeber? Ein beliebiger Fan?

Dann die Gerüchte über einen Mann – wahlweise wird über einen finanziell potenten Geldgeber gemunkelt – oder auch einfach nur über einen beliebigen Fan – mit dem Schluep sich nach der richtungsweisenden dritten Pleite gegen den späteren Aufsteiger SCL Tigers ein Handgemenge geliefert haben soll.

Verwaltungsratsmitglied Konrad Müller bricht das ursprünglich für die Dauer der Ligaqualifikation geltende Redeverbot – sinnigerweise im «Zürcher Oberländer», wo er als Verlagsleiter tätig ist. Er sagt:

«Nach dem Spiel am vergangenen Montag wurde er (Lucas Schluep, Anm. d. Red) in der Vip-Lounge von einer fremden Person massiv beschimpft und fast tätlich angegriffen. Es war kein Sponsor, sondern einfach jemand der Zugang zur Lounge hatte. Schluep verteidigte sich, wurde aber nicht handgreiflich. Das Ganze passierte vor seinem Sohn – deshalb der Rücktritt.»

rapperswil-jona lakers

Allein: Personen aus dem Umfeld des 100er Clubs bestreiten diese Lesart des Vorfalls. Sie stützen die als Screenshot kursierende, vom angeblichen Angreifer X. niedergeschriebene Version. Demnach ging der Szenerie eine verbale Auseinandersetzung voraus, in die auch die Ehefrau des Geschäftsführers Roger Sigg involviert gewesen sei. Sie soll X., der sich über die Führungsriege des Vereins beschwerte, in der Frage der Tonalität gemassregelt haben. Dann sei Schluep aufgetaucht und habe sich in Bezug auf seinen – ebenfalls anwesenden – Sohn vorwerfen lassen müssen, sogar er schicke seinen Zögling zur Konkurrenz und spiele nicht bei den Lakers. Daraufhin habe Schluep seinen Kontrahenten am Ohr gepackt und ihm Prügel angedroht.

Bild

An der von Konrad Müller im «Zürcher Oberländer» präsentierten Version bestehen auch vereinsintern Zweifel. screenshot: zürcher oberländer

Affäre produziert nur Verlierer

Ist das «verteidigte sich»? «Nicht handgreiflich»? Konrad Müller will sich zu den sich – auch vereinsintern – hartnäckig haltenden Spekulationen nicht mehr äussern, auch nicht zur kommunikatorischen Salamitaktik des Vereins. Oder zur Frage, ob Schluep sich aus eigenen Stücken zur Demission entschied oder zur Mutmassung, diese sei ihm von anderen Verwaltungsratsmitgliedern nähergelegt worden.

Für ihn, lässt Müller ausrichten, sei der Fall abgeschlossen.

Dabei produzierte die Affäre nur Verlierer. Galt Lucas Schluep der kleinen, aber treuen Fangemeinde doch nach Jahren der Schuldzuschreibungen und Schikanen seitens der Hardliner-Fraktion im Verwaltungsrat als Ansprechpartner auf Augenhöhe. Als umgänglicher und smarter Vereinsrepräsentant, und als einer, der das mit dem Abstieg in die NLB endgültig gescheiterte Lakers-Projekt nicht mehr auf Biegen und Brechen durchzuboxen bereit schien.

2. Die Sportchef-Frage

Hinter den Kulissen wird fleissig am Gerüst der Mannschaft für die NLB-Saison gemeisselt. Personen aus dem näheren Umfeld des Betreuerstabs glauben zu wissen, dass die Tage von Spielerlegende Harry Rogenmoser als Sportchef gezählt sind. Dem aussichtsreichsten Kandidaten auf den Posten soll ein Angebot unterbreitet worden sein. Die Rede ist von einem weiteren ehemaligen Spieler. Übernähme er tatsächlich den Posten, handelte es jedenfalls eine weitere Personalie mit Zündstoff. Freilich: Ob dem sich wieder aufrappelnden Verein ein nächstes Experiment gut anstünde, darf bezweifelt werden.

KORRIGIERT SCHREIBWEISE VON ROGENMOSER - Lakers Sportchef Harry Rogenmoser, waehrend dem vierten Auf-/Abstiegsplayoff Eishockey Ligaqualifikationsspiel der NLA/NLB zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und den SCL Tigers am Donnerstag, 9. April 2015, im Ilfis Stadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Seit 2011 Sportchef bei den Lakers und zeitweilig auch Trainer: Harry Rogenmoser. Bild: KEYSTONE

Der Verein will zu den Spekulationen keine Stellung nehmen. Man verweist auf die laufenden Evaluationen.

3. Ist Eisblau Geschichte?

Was seit der Transformation des SCRJ in die Rapperswil-Jona Lakers (die 2005 auf dem Mist des langjährigen Patrons Bruno Hug gewachsen war und von diesem bedingungslos – manche sagen: mit Scheuklappen – vorangetrieben wurde) stets undenkbar schien, wird dem Vernehmen nach ernsthaft geprüft. Im Sponsoren-Umfeld sollen sich Verwaltungsratsmitglieder mehrfach dahingehend geäussert haben.

Le top scorer saint-gallois Stacy Roest laisse eclater sa joie lors du match de hockey LNA Geneve Servette contre SC Rapperswil-Jona, ce samedi 22 novembre 2003 a la patinoire des Vernets a Geneve. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Zurück zu den Ursprüngen? Ex-Topskorer Stacy Roest in Aktion – eine Aufnahme von 2003. Bild: KEYSTONE

Warum nicht? Der blühende Strauss mit all den mit der Lakers-Idee verknüpften Hoffnungen, die von der Vereinsführung über die Jahre kultiviert worden waren, ist verblüht. Und mit ihm die ganze Vision. Alte Farben, neues Glück? Der Verein hält sich bedeckt.

 

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