Hockey-Beben: Das Ende der Swiss League, wie wir sie kannten
Endlich steht der Vorschlag wie die Zukunft der Swiss League, einer Liga ohne Zukunft aussehen soll. Die Swiss League in der aktuellen Form wird in drei Jahren nicht mehr existieren.
Die zweithöchste Liga (Swiss League) hat in der aktuellen Struktur unlösbare wirtschaftliche Probleme. Auch sportlich ist sie alles andere als gut strukturiert. Das Wehklagen über die permanenten Schwierigkeiten und den Unwillen von Reformen begleitet das Schweizer Eishockey seit bald zehn Jahren wie das Glockengeläut die Kuhherde.
Die Swiss League gehört zum Verband (Swiss Ice Hockey). Eine Reform wäre also Sache des Verbandes. Aber getan hat sich in dieser Sache bis auf ein fast 100'000 Franken teures und längst schubladisiertes Papier einer Beratungsagentur nichts. Aber nun kommt Bewegung in die Sache.
Wie die Zukunft aussehen soll
Die Klubs der National League haben ein konkretes Projekt erarbeitet und beim Verband eingereicht. Die wichtigsten Punkte:
- Die Swiss League wird von heute 11 auf 24 Teams erweitert und in zwei Gruppen (Ost und West) aufgeteilt.
- Die 13 neuen SL-Teams werden von den 13 NL-Klubs zusammengestellt, die sich jetzt an der U21-Meisterschaft beteiligen (nur Ajoie hat noch kein U21-Team). Die U21-Meisterschaft wird aufgelöst und durch eine U23-Meisterschaft ersetzt, die zusammen mit den bereits bestehenden SL-Klubs (aktuell 11) neu die neue zweithöchste Liga bildet.
- In dieser neuen U23-Mannschaft sind zwei ältere Spieler oder zwei Ausländer erlaubt. Die selbständigen SL-Klubs können ihre Teams wie bisher zusammenstellen.
- Die U18-Meisterschaft bleibt wie bisher bestehen.
- Die MyHockey League bleibt die höchste Amateurliga.
Aufstieg weiterhin möglich
In der Swiss League stehen zurzeit rund 100 Spieler im Einsatz, die von NL-Klubs gelöhnt werden und zu Ausbildungszwecken leihweise bei SL-Klubs platziert werden. Der Ausbildungsfaktor ist allerdings erschwert: Die jungen Spieler müssen immer wieder den NL-Stammklub, die NL-Trainingsinfrastruktur und den Ort verlassen, wo sie ihre Ausbildung neben dem Eishockey absolvieren und sie bekommen in den SL-Teams meistens weder eine tragende Rolle noch entsprechend Eiszeit. Zudem ist die Integration ins Team durch das Hin und Her erschwert.
Die noch verbleibenden selbständigen SL-Klubs können ihre Spieler nach wie vor gut rekrutieren: Wer nicht mehr bei der U23-Meisterschaft spielberechtigt und nicht gut genug für die höchste Liga ist, wechselt zu einem der selbständigen SL-Klubs. Der Aufstieg über die Liga-Qualifikation ist nach wie vor möglich.
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Das Modell ist revolutionär und gut durchdacht. Es ist eine Hybrid-Liga aus höchster Nachwuchsmeisterschaft und Erwachsenenhockey, die sehr wohl funktionieren kann und, weil das Niveau höher ist, die Talente besser fördert und stärker fordert als bisher die U21-Meisterschaft.
National League arbeitet parallel an eigenständigem Projekt
Der politische Entscheidungsprozess für eine solche Reform könnte in zwei Jahren über die Bühne gebracht werden, wird jedoch zäh sein. Bereits regt sich beim Verband und bei etablierten SL-Klubs Widerstand gegen alle Reformpläne. Es ist der übliche Reflex: Was von der National League kommt, ist per Definition «böse». Machkämpfe halt.
Deshalb arbeitet die National League parallel an einem eigenständigen Projekt. Wenn der Verband und die SL-Klubs nicht mitziehen, dann ist vorgesehen, eine U23-Meisterschaft in Eigenregie, unter dem Dach der National League und unabhängig vom Verband und der Swiss League zu organisieren. Dann bleibt der Verband auf einer nicht lebensfähigen «Rest-Swiss League» sitzen.
Die Finanzierung ist für die NL-Klubs kein Problem: Diese neue U23-Meisterschaft ersetzt ja die U21-Nachwuchsliga, die bereits jetzt durch die Nachwuchsorganisationen der NL-Klubs finanziert wird.
Es geht um Geld
Es ist kein Zufall, dass die National League die längst fällige Reform jetzt durchsetzen will. Im Sommer 2027 läuft der Zusammenarbeitsvertrag zwischen dem Verband und der National League aus. Dieser Vertrag regelt die finanzielle Entschädigung, die der Verband für seine Dienstleistungen (u.a. Lizenzwesen, Schiedsrichter, Organisation Nachwuchs-Meisterschaften) von den NL-Klubs bekommt. Aktuell sind es etwas mehr als vier Millionen Franken pro Saison. Dieser Vertrag ist notwendig geworden, weil die TV-Gelder (rund 30 Millionen Franken im Jahr) für die nationale Meisterschaft nicht mehr dem Verband, sondern direkt der juristisch vom Verband unabhängigen National League ausbezahlt werden.
Die Absicht der NL-Klubs ist klar: Die Entschädigung an den prassenden Verband mit ausufernder Administration massiv reduzieren, so einen längst fälligen Sparkurs und eine Konzentration auf die wichtigen und nützlichen Verbandsaufgaben durchsetzen und den Reformdruck erhöhen.
Lüthi: «Für das Wohl der Liga»
Eine erste informelle Verhandlungsrunde hat soeben stattgefunden. Und da ist den Verbandsvertretern der Schreck in die Glieder gefahren: In der Liga-Delegation sitzt neben Liga-Manager Denis Vaucher, ZSC-Manager Peter Zahner und Liga-Präsident Matthias Berner als Leitwolf der Verhandlungs-Hardliner Marc Lüthi.
Tatsächlich hat der SCB-Manager, der ab 1. Mai sämtliche SCB-Verbindungen löst, dieses brisante Mandat angenommen. Lüthi bestätigt: «Das ist so und ich freue mich. Nun kann ich mich ohne Befangenheit für das Wohl der Liga einsetzen.»
Alles in allem ist es bis in zwei Jahren das Ende der Swiss League, wie wir sie bisher kannten.
