Hockey-Verband: «Von den Reformplänen würden nur die National-League-Klubs profitieren»
Der Schweizerische Eishockeyverband (SIHF) hat gar keine Freude an den von watson-Eismeister Klaus Zaugg enthüllten Reformplänen der National League. Diese sehen vor, dass die Swiss League mit den Nachwuchsteams der National-League-Klubs (bislang U21) auf 24 Mannschaften aufgestockt werden soll. Aus den U21-Equipen sollen U23-Teams mit zwei Verstärkungsspielern (älter als 23 Jahre oder ausländische Spieler) ergänzt werden.
Wie der Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey nun mitteilt, habe dieser Vorschlag der National League «grosse Irritation und Unverständnis ausgelöst». Insbesondere deshalb, weil die Liga den Verband gemäss dieser Mitteilung monatelang auf spätere Gespräche vertröstet habe. In diesen Gesprächen hätte die Zukunft der Swiss League auf Basis der Analyse einer externen Firma diskutiert werden sollen. «Umso befremdlicher ist es, dass nun ein weitreichender Vorschlag präsentiert wurde, ohne dass zuvor eine ernsthafte gemeinsame Diskussion stattgefunden hat», schreibt der Verband.
Die Idee der National League stelle einen tiefgreifenden Eingriff in die bestehende Struktur dar, bei dem primär die Perspektive des Profibetriebs betrachtet worden sei. «Eine nachhaltige Lösung für das Schweizer Eishockey muss jedoch ganzheitlich betrachtet werden», heisst es in der Stellungnahme.
Besonders irritiert zeigt sich der Verband von der Ankündigung der National League, im Falle einer Ablehnung eine eigene U23-Liga zu gründen. Swiss Ice Hockey sagt klar: «Dieses Vorgehen wirkt wie ein einseitiger Alleingang und steht im Widerspruch zum Anspruch, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.»
Der Verband stört sich auch daran, dass sich die National League mit diesem Vorschlag noch mehr in Richtung einer geschlossenen höchsten Spielklasse entwickle. «Es ist offensichtlich, dass von dieser Struktur in erster Linie die Klubs der National League profitieren würden», heisst es im Statement.
Der Vorschlag der National-League-Klubs sei zudem nicht einfach so umsetzbar. «Für die im Raum stehende Lösung wäre eine Statutenänderung des Verbands erforderlich. Sowohl der Nachwuchs-, Amateur- und Frauensport (NAFS) als auch die National League verfügen bei Statutenänderungen über eine Sperrminorität», erklärt der Verband.
Swiss Ice Hockey stellt sich hinter die vom Verband geführte Swiss League. Untersuchungen würden klar aufzeigen, welche zentrale Rolle die Liga im Entwicklungsweg von Spielern spiele. Rund neun von zehn National-League-Spielern seien über die Swiss League an das höchste Niveau herangeführt worden.
Der Verwaltungsrat des Eishockeyverbands fordert offene Gespräche, Transparenz und Lösungen, die von allen Beteiligten getragen werden. Er betont deshalb auch: «Die Swiss Ice Hockey Federation steht weiterhin bereit, konstruktiv an einer nachhaltigen Reform zu arbeiten.» (abu)
