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Gestern gewann der HCD in Lugano.
Gestern gewann der HCD in Lugano.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Davos ist Transfersieger – warum das wichtig für unser Hockey ist

Der HCD segelt in ruhigen sportlichen Gewässern und die Mannschaft für nächste Saison steht. Nun hat HCD-Sportdirektor Raëto Raffainer mehr Zeit für die internationale Hockeypolitik. Kann er die Lücke, die René Fasel hinterlassen wird, wenigstens ein klein wenig füllen?
18.01.2021, 12:0518.01.2021, 12:25

Eine Krise ist auch eine Chance. HCD-Sportdirektor Raëto Raffainer hat sie zur Erneuerung seiner Mannschaft genützt. Fabrice Herzog wechselt zu Zug, Samuel Guerra zügelt nach Lugano, Luca Hischier hat er bereits gegen Biels Valentin Nussbaumer eingetauscht und Dario Meyer nach Kloten abgeschoben.

Neu kommen Julian Schmutz (von Langnau), Raphael Prassl und Axel Simic (von den ZSC Lions) sowie Thomas Wellinger von Lugano. Nun wartet er noch auf die Antwort von Rappis «Verteidigungsminister» Dominik Egli, der mit Martin Plüss von einem prominenten Agenten vertreten wird. Wenn Egli kommt, braucht der HCD nächste Saison keinen ausländischen Verteidiger.

Strebt eine internationale Karriere an: Raëto Raffainer.
Strebt eine internationale Karriere an: Raëto Raffainer.Bild: keystone

Der HCD-Sportchef hat also seine Hausaufgaben gemacht. Davos gilt jetzt schon als Transfersieger (und der SCB als Transferverlierer – aber das ist eine andere Geschichte). Nun kann sich Raëto Raffainer vermehrt seiner politischen Arbeit zuwenden. Er strebt die Wahl ins IIHF-Council an, das Führungsgremium des Eishockey-Weltverbandes IIHF. Die Wahl hätte im letzten Herbst stattfinden sollen. Aber der Kongress musste wegen der Virus-Krise um ein Jahr auf den Herbst 2021 verschoben werden.

Schweizer Vertretung keine Selbstverständlichkeit

Das Wahlprozedere beginnt wieder von vorne. Raffainer muss vom Verband (Swiss Ice Hockey) aufs Neue offiziell zur Wahl vorgeschlagen und vom HCD freigegeben werden. Diese Schritte sind nun erfolgt. Der HCD-Sportdirektor sagt: «Der Verband und der HCD-Verwaltungsrat haben mir erneut grünes Licht gegeben.» Er darf also antreten. Er würde im Falle einer Wahl weiterhin für den HCD arbeiten.

Seit der Wahl von René Fasel ins IIHF-Council im Herbst 1986 und seinem Aufstieg zum Präsidenten 1994 ist die Schweiz im wichtigsten politischen Gremium des Welteishockeys vertreten. Keine Selbstverständlichkeit. Schweden hat beispielsweise keinen Sitz mehr in der Hockey-Weltregierung und strebt mit grossem Aufwand die Rückkehr an. Vertreten sind im zwölfköpfigen Gremium (plus Präsident) Finnland, Kanada, Russland, Frankreich, Tschechien, Weissrussland, Deutschland, die USA, China, Dänemark, Ungarn, Polen und die Schweiz.

IIHF-Präsident Fasel beendet seine Funktionärslaufbahn.
IIHF-Präsident Fasel beendet seine Funktionärslaufbahn.Bild: KEYSTONE

Mit Fasels Rückzug aus der Hockeypolitik im Herbst wird die Hockey-Schweiz ihren politischen Einfluss und einen Sitz im IOC verlieren. Unsere Vertreter sitzen dann nur noch in Ämtern bei der Champions Hockey League (Peter Zahner präsidiert den Verwaltungsrat) und beim Zusammenschluss der europäischen Proficlubs, der von Marc Lüthi geführt wird. Beides hockeypolitisch weitgehend ohnmächtige Organisationen. Alle wichtigen Entscheidungen im internationalen Hockey (u.a. Regeländerungen, Vergabe der WM-Turniere) laufen über die IIHF. Der IIHF-Sitz in Zürich ist neben dem NHL-Büro in New York die Machtzentrale des Welthockeys.

Die Schweiz besetzt zwar mit Gion Veraguth (Finanzdirektor), Christian Hofstetter (Sportdirektor) und Danny Kurmann (Schiedsrichterchef) in der IIHF wichtige Positionen. Aber sie sind als IIHF-Angestellte dem Gesamtinteresse verpflichtet und hüten sich richtigerweise vor jeder Form der politischen Einflussnahme wie der Teufel vor dem geweihten Wasser.

Dank Transfer-Arbeit nun Zeit für den Wahlkampf

So droht der Schweiz nach dem Ausscheiden von René Fasel die Schrumpfung zum hockeypolitischen Zwerg, der künftig vor allem mit internen Streitereien zwischen Liga und Verband sowie absurden Reformen beschäftigt sein wird. So gesehen wäre die Wahl von Raëto Raffainer ins IIHF-Council für unser Hockey von grosser politischer Bedeutung. Deshalb ist es gut, dass er seine Transfer-Hausaufgaben erledigt hat und sich nun mit dem Wahlkampf beschäftigen kann.

Schön wär's gewesen: WM-Boss Gian Gilli mit Maskottchen Cooly in Lausanne.
Schön wär's gewesen: WM-Boss Gian Gilli mit Maskottchen Cooly in Lausanne.Bild: KEYSTONE

Wie stehen seine Chancen? Der Kongress wird den Nachfolger von René Fasel und die zwölf Council-Mitglieder wählen. Der Kongress besteht aus den Vertretern aller 81 IIHF-Mitgliederländer. Die abgesagte WM 2020 in Zürich und Lausanne wäre für Raffainer wichtig gewesen. «Ich hätte während drei Wochen Gelegenheit gehabt, den Vertretern der verschiedenen Länder meine Ideen aufzuzeigen.» Also Wahlkampf zu betreiben. Der persönliche Kontakt war schon immer der Sauerstoff im Wahlkampf. Der Verband hatte im Hallenstadion eine Loge gemietet, um während der WM Gäste zu bewirten.

Der Chef ist oft ein «Kleiner»

Das alles ist nun im Vorfeld des Kongresses im nächsten Herbst nicht mehr möglich. Wahlkampf in Zeiten der Reise- und Kontaktbeschränkungen ist ein bisschen wie Liebe am Telefon. Raffainer hat durch seine Tätigkeit als Verbands-Sportdirektor viele und gute internationale Verbindungen. Ob das reicht, wird sich beim Herbstkongress zeigen. Fasel ist 1986 im Alter von 36 Jahren ins IIHF-Council gewählt worden. Raffainer ist mit 39 also im richtigen Alter, um eine hockeypolitische Karriere zu beginnen.

Im Mittelpunkt des Interesses steht beim Kongress die Wahl des neuen Präsidenten. René Fasel (70) hält sich wohlweislich mit Ratschlägen und Einschätzungen zurück und verzichtet auf eine Einmischung in seine Nachfolgeregelung. Als die drei aussichtsreichsten Kandidaten gelten in dieser Reihenfolge: Frankreichs Verbandspräsident Luc Tardif (67), der deutsche Verbandspräsident Franz Reindl (66) und Tschechiens Goalie-Legende Petr Briza (56).

Seit 1969 wird die IIHF von Präsidenten aus «kleinen» Hockeyländern geführt: vom Briten John Ahearne (bis 1975), vom Deutschen Günther Sabetzki (bis 1994) und vom Schweizer René Fasel. Diese Herkunft hat es den Präsidenten erleichtert, zwischen Interessen der «Hockey-Grossmächten» erfolgreich zu vermitteln.

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Flachzange aka Vod Katitten
18.01.2021 12:39registriert September 2020
China, Dänemark, Ungarn, Polen

Das who is who der Hockeygrossmächte
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Amarillo
18.01.2021 13:05registriert Mai 2020
Tja, mal abwarten, wie der Chronist die Transfers mit etwas Abstand beurteilt. Der Wind dreht bekanntlich recht schnell, und der unverzichtbare Bombentransfer von heute ist der zerbrechliche Lotterspieler von morgen. Das ist nicht spezifisch auf die Transfers des HCD gemünzt, sondern gilt allgemein.
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Dr no
18.01.2021 13:10registriert Mai 2018
Transfersieger? Also netto stehen sie nicht unbedingt stärker da.... nygren kann nicht einfach so ersetzt werden...
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