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Knall beim Hockeyverband: Fasel feuert seine rechte Hand

In seinem letzten Amtsjahr als Präsident des Weltverbandes IIHF hat René Fasel doch noch einen Eklat im eigenen Haus. Er hat seinen langjährigen Generalsekretär Horst Lichtner per sofort freigestellt.



Neben dem Präsidenten ist in der Regel der Generalsekretär der mächtigste und wichtigste Mann eines internationalen Sportverbandes. Weil er mit allen Gängen und Läufen vertraut ist und jede Ecke im Fuchsbau einer global operierenden Sportorganisation kennt. So ist es auch im Eishockey.

IIHF General Secretary Horst Lichtner and IIHF President Rene Fasel, from left, during the press conference at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Saturday, May 25, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Ihre Wege trennen sich: Horst Lichtner (l.) und René Fasel. (Archivbild von 2019) Bild: KEYSTONE

Der internationale Verband IIHF mit Hauptsitz in der Villa Freigut in Zürich – wahrscheinlich der architektonisch schönste Sitz eines Sportverbandes – wird seit 1994 von René Fasel geführt.

Seit 2006 ist der eingebürgerte Deutsche Horst Lichtner (63) als Generalsekretär seine rechte Hand. Er hatte sich vor dem Wechsel aufs Hockey-Glatteis als Vermarkter und Administrator im internationalen Fussball-Business bestens bewährt.

Der kluge Diplomat René Fasel und der durchsetzungsstarke Horst Lichtner haben sich perfekt ergänzt. Nach einem geflügelten Wort, das einst für General Ulrich Wille und seinen Stabschef Theophil von Sprecher galt: «Was Fasel will und Lichtner spricht, da gehorche schnell und murre nicht.» Horst Lichtner galt neben René Fasel als zweitmächtigster Mann im internationalen Hockey-Geschäft.

Das war er zumindest bis vor ein paar Tagen. Wer nun beim IIHF-Hauptsitz in der Villa Freigut anruft und Horst Lichtner an den Apparat möchte, wird vertröstet. «Herr Lichtner ist im Urlaub. Bitte rufen Sie doch in zwei oder drei Wochen wieder an.» Und die Kommunikationsabteilung meldet, alles sei im grünen Bereich: «Herr Lichtner pflegt um diese Zeit Urlaub zu machen. Rufen sich doch später wieder an.»

Horst Lichtner ist im Urlaub. Das stimmt. Aber unfreiwillig-freiwillig. Er ist freigestellt worden.

Fasel schweigt

René Fasel scheint zu hoffen, den Eklat irgendwie aussitzen zu können. Möge das grosse Spiel in seinem Hause unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem kurzen Einakter gespielt und nicht zu einem Shakespeare-Theater werden. Also verweigert der sonst so redselige Vorsitzende jede Auskunft zum Thema.

Er weilt in diesen Tagen als IOC-Mitglied an den Spielen in Tokyo und gibt weder telefonisch noch per SMS, per WhatsApp oder per E-Mail Auskunft. Wenn der grosse Kommunikator auf allen Kanälen schweigt, dann brennt irgendwo der Baum oder jemand ist auf glattem Eis ausgerutscht.

Für Transparenz sorgt nun Franz Reindl (66). Die deutsche Hockey-Ikone gehört zum Council (also der IIHF-Regierung) und ist einer der Kronfavoriten für die Nachfolge von René Fasel. Er sagt auf Nachfrage wahr, klar und unmissverständlich: «Ja, es stimmt. Ich kann Ihnen bestätigen, dass Horst Lichtner freigestellt worden ist. Bis auf Weiteres führt Gion Veraguth die IIHF-Geschäfte. Über die Gründe der Freistellung machen wir keine Angaben.»

Was er nicht sagt: Es geht nach dieser Funktionsenthebung nun wohl auch um eine bäumige Abfindung für den langjährigen Bürogeneral. Horst Lichtner muss sich wahrscheinlich keine Sorgen um seine Altersvorsorge machen.

Die Harmonie weicht der Unruhe

Der Generalsekretär und langjährige Vertraute von René Fasel von einem Tag auf den anderen weg. Ein hockeypolitisches Weltbeben. Was sind die Gründe? Nach mehr als 20 Jahren der internen Harmonie ist beim Eishockey-Weltverband in den letzten Monaten eine gewisse Unruhe zu spüren. Mit dem Ablauf der Regierungszeit von René Fasel geht die erfolgreichste Ära in der Geschichte der 1908 gegründeten Organisation zu Ende. Im September wird Fasels Nachfolger gewählt und auf allen Ebenen gilt es, sich in Position zu bringen.

Ein neuer Präsident wird voraussichtlich seine Gewährsleute in den schönen Büros der Villa Freigut unterbringen wollen. Seit längerer Zeit gehen Gerüchte um, Horst Lichtner, eigentlich zur Neutralität verpflichtet, versuche, bei der Nachfolgeregelung von René Fasel am grossen Rad zu drehen. Es kann also durchaus sein, dass er ins hockeypolitische Räderwerk geraten ist.

Einer sollte Schweizer sein

Interims-Generalsekretär Gion Veraguth (54) ist ein freundlicher, kluger, hochqualifizierter und allseits respektierter und hundertprozentig loyaler Finanzfachmann und Hockey-Fan: Jahrelang war er beim EHC Seewen (MySports League) als umsichtiger Sportchef und tüchtiger Assistenz-Trainer an der Front. Wir können also sagen, dass der EHC Seewen zumindest vorübergehend ein Machtzentrum des internationalen Hockeys wird.

Gion Veraguth dürfte nach seinem «Feuerwehr-Einsatz» wieder in sein Büro als Finanzdirektor zurückkehren und sich in seinen Zahlenbeigen vergraben. Als Topkandidat für die Nachfolge von Horst Lichtner gilt der ehemalige Gottéron Captain Christian Hofstetter (54), der aktuelle IIHF-Sportdirektor. Bei der IIHF-Führung gilt eigentlich ein «ungeschriebenes Gesetz»: Entweder der Präsident oder der Generalsekretär sollte ein Schweizer sein, der mit den juristischen und kulturellen Besonderheiten der Schweiz im Allgemeinen und des Züribietes im Besonderen vertraut ist.

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