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Drücken dem Playoff-Final ihren Stempel auf: Sven Andrighetto und Denis Malgin.
Drücken dem Playoff-Final ihren Stempel auf: Sven Andrighetto und Denis Malgin.Bild: IMAGO / Andreas Haas
Eismeister Zaugg

Wenn zwei ZSC-Stars ihr Geld wert sind und ein Licht am Ende des Tunnels

Die ZSC-Stürmer Denis Malgin und Sven Andrighetto machten bisher die offensive Differenz im Final. Zugs Grégory Hofmann nicht. Nun hat er am Montagabend im Hallenstadion eine letzte Chance. Keine Polemik. Eine sachliche Analyse.
25.04.2022, 11:1025.04.2022, 12:16

Verlassen wir zur Einführung kurz das Glatteis. Wir begeben uns an den Stadtrand von Cham bei Zug. Auf die grüne Wiese. Und wir stehen vor einem modernen, rechteckigen Gebäude. Es strahlt einen ganz besonderen Charme aus. Wie eine architektonisch gelungene, luftige Mischung aus dem Pentagon und dem Atomforschungszentrum (CERN) bei Genf.

Dieses Gebäude trägt den Namen OYM. Die Bezeichnung steht für On Your Marks («Auf die Plätze»). Das Startkommando für die Sprinter. Das OYM dient dem Wohl vieler Athletinnen und Athleten und dem EV Zug. Die Vision, offiziell formuliert: «Spitzensportlern unter idealen Trainings-, Präventions-, Rehabilitations- und Ernährungsbedingungen die individuell maximale Performance-Steigerung ermöglichen – auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und interdisziplinären Forschungserkenntnissen basierend.» Kurzum: Es ist das modernste Athletik-Zentrum der Welt. Erdacht, erschaffen und finanziert von Zugs Präsident Hans-Peter Strebel.

Das OYM-Trainingszentrum in Cham

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Das OYM-Trainingszentrum in Cham
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Wenn es also irgendwo möglich ist, den perfekten Hockeyspieler und ein Meisterteam zu formen – dann wohl hier. Der Meister verfügt über die beste, modernste sportliche Infrastruktur der gesamten Hockey-Welt. Niemand wird besser trainiert und betreut als die Zuger. Sie können Spiele aus allen möglichen Gründen verlieren, aber ganz sicher nicht wegen fehlender Kondition.

Letzte Saison hat es funktioniert. Die Zuger sind 2021 zum zweiten Mal nach 1998 Meister geworden und Grégory Hofmann war der beste Schweizer Skorer der «Operetten-Playoffs» 2021. Fünf der acht Tore im Final gegen Servette erzielten die Zuger im letzten Drittel. Sven Andrighetto schied im Halbfinal mit seinen ZSC Lions gegen die Genfer aus. Aber da hatte er Denis Malgin noch nicht an seiner Seite.

So gesehen ist es eine wahrlich bittere Ironie, dass die Zuger nun im Final 2022 dreimal hintereinander ein Spiel im letzten Drittel verloren haben. Sechs der sieben Tore in diesem Final erzielten die ZSC Lions im Schlussdrittel. Das Torverhältnis in den letzten Dritteln: 6:0 für die ZSC Lions.

Die Zürcher waren in allen drei bisherigen Finalpartien physisch besser. Sie erweckten den Eindruck, wilder, zäher, rauer, ausdauernder, kräftiger und «böser» zu sein. Was wahrlich erstaunlich ist: Sie mussten auf dem Weg in den Final drei Spiele mehr austragen als die Zuger und fünf Partien wurden erst in der Verlängerung entschieden. Diese Überzeit ergibt zusammengerechnet etwas mehr als 74 Minuten. Eigentlich haben die ZSC Lions sogar vier Spiele mehr in den Knochen.

Der Laie, der nichts vom OYM und der letzten Saison weiss, sagt ohne jede Bosheit: Aha, Konditionsmängel! Die Zuger brauchen einen besseren Konditionstrainer. Sie sind athletisch zu wenig gut betreut. Aber Chefcoach Dan Tangnes sieht kein Konditions- oder Energie-Problem. Dieses Nachlassen sei Kopfsache. Natürlich muss er das so sagen. Alles andere wäre eine Verhöhnung der Vision, die hinter dem OYM steht.

Auch wenn es nicht möglich ist, zu beweisen, dass die Zuger bisher im Final nicht an Konditionsmängeln gescheitert sind: Dan Tangnes hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit recht. Und damit sind wir bei der Faszination des Eishockeys: Der Erfolg ist nicht käuflich und Spiele werden nicht nur mit den Händen, Armen, Beinen und Füssen entschieden.

Es gibt Qualitäten, die selbst im OYM nicht lern- und antrainierbar sind: pures Talent und Winnermentalität. Oder den Final für einmal nicht auf die Torhüter, sondern auf Titanen der Offensive reduziert: Die ZSC Lions haben Denis Malgin (25) und Sven Andrighetto (29). Die Zuger Grégory Hofmann (29).

Der Kombination aus dem Genie von Denis Malgin und dem wilden Siegeswillen von Sven Andrighetto waren die Zuger bisher nicht gewachsen. Auch Leonardo Genoni nicht. Bei sechs der sieben Tore hatten sie den Stock im Spiel. In der zweiten und dritten Partie haben sie für alle vier Treffer der ZSC Lions gesorgt. Grégory Hofmann hat im Final bisher zwei Tore erzielt. Das 1:0 im ersten und im dritten Spiel. Die Gesamtbilanz in diesen Playoffs: 16 Punkte für Malgin und für Andrighetto. Erst 8 für Hofmann. Der Laie sagt ohne jede Boshaftigkeit: Der Malgin und der Andrighetto haben mehr Biss als der Hofmann.

Auch wenn wir eine solch polemische Einschätzung nicht teilen: Ein Körnchen Wahrheit steckt halt doch drin. Wir können stundenlang debattieren, wer nun talentierter oder bissiger sei. Es gibt keine Messeinheit, die wir als Beweis ins Feld führen können. Aber es gibt einen Unterschied zwischen den beiden offensiven ZSC-Titanen und Grégory Hofmann, der statistisch erfassbar ist.

Denis Malgin hat sich vier Jahre lang in Nordamerika in der NHL und in den Farmteams durchgebissen. Sven Andrighetto hat sechs Jahre in der NHL und in der AHL und ein Jahr in der KHL hinter sich. Beide haben immer bis zum Vertrags- und Saisonende durchgehalten.

Gregory Hofmann (Mitte) brach in Columbus seine Zelte rasch wieder ab.
Gregory Hofmann (Mitte) brach in Columbus seine Zelte rasch wieder ab.Bild: keystone

Grégory Hofmann hat sein Nordamerika-Abenteuer diese Saison nach 24 Spielen abgebrochen, den Vertrag aufgelöst und ist vorzeitig zum EV Zug zurückgekehrt und hat bis 2028 verlängert. Hat er deshalb weniger Biss als Denis Malgin und Sven Andrighetto? Diese Frage ist polemisch. Es gehört sich nicht, darauf zu antworten. Es wäre respektlos.

Aber: Denis Malgin und Sven Andrighetto haben bisher im Final die offensive Differenz gemacht. Grégory Hofmann noch nicht. Er bekommt heute Abend im Hallenstadion noch einmal eine Chance. Packt er sie nicht und die ZSC Lions werden Meister, dann dürfen wir ein wenig polemisieren: Der Malgin und der Andrighetto waren im Final 2022 ihr Geld wert. Der Hofmann war es nicht. Ende der Polemik. Die drei gehören zu den bestbezahlten Spielern der Liga.

Um diese Ausgangslage weiss Grégory Hofmann. Und er sagt auf die Frage, was nun zu tun sei: «Das nächste Spiel gewinnen.» So einfach ist es. Und doch so schwierig. Noch nie ist ein Playoff-Final nach einem 0:3-Rückstand gewonnen worden. Aus dieser schier ausweglosen Lage schöpft Dan Tangnges Energie. Der Grossmeister der Psychologie sagt: «Wir haben die Chance, etwas Einmaliges zu vollbringen. Das ist das Licht am Ende des Tunnels …»

Und eine Frage werden wir so oder so nie beantworten können: Was wäre, wenn Sven Andrighetto und Denis Malgin ihre Tore im Final 2022 gegen Jakub Kovar erzielten müssten? Und Grégory Hofmann gegen Leonardo Genoni? Wir wollen nicht grübeln.

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NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Jacques #23
25.04.2022 10:18registriert Oktober 2018
Der Einzelspieler-Fokus wird der Qualität beider Mannschaften nicht gerecht.

Und die Qualität der gesamten Mannschaft ist es, die Meisterschaften entscheiden und das ist am Schluss das Faszinierende.

Also Baltisberger, Schäppi, Geering, Marti. Wenn die Gruppe ineinadergreift, diese sich ausrichtet und Fahrt aufnimmt auf ihre besondere Mission, dann werden Kräfte und Überzeugungen frei, die im Ego Programm nicht antrainiert werden können.

Dieses Bewusstsein, diese Energie, dieser Hunger ist nicht im Bereich des Messbaren. Jefoch in jeder Meister- Truppe zu finden.

Das Puzzle wird eins.
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Thomas Meister
25.04.2022 10:56registriert April 2019
Klar, spielen sich im Moment Ghetto und Malgin in den Fokus. Aber der ZSC hat die drei Spiele nicht nur deswegen gewonnen. Im Viertel- und Halbfinal war die dritte und vierte Linie des EVZ besser als jene von Lugano und Davos. Im Final kommt von diesen Linien so gut wie gar nichts da der ZSC auf diesen Positionen ebenfalls sehr gut aufgestellt ist. Die Linie um Kovar ist komplett abgetaucht. Kovar bekommt keinen Raum und so fehlen Hofmann die Pässe. Im Gegenzug liefert die Ghetto Linie ab und kann immer noch einen Gang höher schalten. Mal sehen wie Zug den Titel in der Halle vermeiden will.
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Bravo
25.04.2022 11:23registriert Juli 2018
Man könnte aber auch auf die Begleiter der Leitwölfe schauen und konstatieren, dass Holleinstein eindeutig besser in Form ist als Simion.
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