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Luganos Alessio Bertaggia, Mitte, jubelt ueber sein 3:2, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem HC Davos, am Mittwoch, 23. Dezember 2015, in der Resega Halle von Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Lugano-Jubel gegen den HC Davos – auch am Spengler Cup?
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Der HC Lugano ist das perfekte Spengler-Cup-Team – darum sind die Tessiner in der Favoritenrolle

Lugano ist beim Spengler Cup der Favorit Nummer 1. Wenn die teuerste Mannschaft ausserhalb der NHL und der KHL nicht einmal mehr dieses Turnier gewinnen kann – was will sie dann überhaupt noch gewinnen?



Wenn der Hockeygott eine Mannschaft für den Spengler Cup erschaffen müsste, dann würde dabei der HC Lugano herauskommen. Und aus der grossen Schachtel mit dem Weihnachtsbaum-Schmuck würde er noch Doug Shedden hervorholen und als Trainer und Krönung dazustellen.

Seit dem Titel von 2006 hat Lugano keine Playoff-Serie gewonnen. Aber zwischen September und Februar ist Lugano spielerisch brillant. Erst in den Playoffs ist es mit der Herrlichkeit zu Ende. Beim Spengler Cup wird nicht Playoff-Hockey gespielt. Sondern offenes, schnelles Unterhaltungs-Hockey. Talent ist wichtiger als Taktik. Offensive besser als Defensive. Unterhaltung wichtiger als das Resultat. Mehr Zirkus als Leistungssport. Genau das Hockey, das Lugano eigentlich am liebsten spielt.

Weil im Zirkus die Stars das Programm machen, hat Lugano viele grandiose Solisten, die uns vortrefflich unterhalten und die, weil sie so teuer sind, auch bewundert werden. Allen voran natürlich die fünf ausländischen Stürmer, die beim Spengler Cup alle eingesetzt werden dürfen: die Schweden Linus Klasen (29), Tony Martensson (35) und Fredrik Pettersson (28), der Finne Ilari Filippula (34) sowie der Amerikaner Tim Stapleton (33), der in Biel nicht mehr glücklich war. Sie gehören zu den talentiertesten und besten Spielern ausserhalb der NHL – aber in Lugano hat noch keiner konstant so gut gespielt wie er eigentlich könnte.

Luganos Ilari Filppula, rechts, erzielt den 2:2-Ausgleich, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem HC Davos, am Mittwoch, 23. Dezember 2015, in der Resega Halle von Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Luganos Spektakelstürmer Filppula trifft gegen den HCD.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Shedden ist der perfekte Trainer für den Spengler Cup

Lugano darf sich für die Herausforderung Spengler Cup zudem verstärken. Weil sogar Doug Shedden selber die offensive Ausrichtung ein wenig unheimlich ist, hat er für das Turnier zwei Verteidiger und einen zusätzlichen Torhüter geholt: Der Amerikaner Dan Spang (32) und der Kanadier Ryan Glenn (35) stabilisieren als defensive Korsettstange die Defensive. Der Schwede Mark Owuya (26) kommt als zusätzlicher Goalie. Doug Shedden ist der perfekte Trainer für dieses Spektakel-Team – und für den Spengler Cup. Er hat als Klubtrainer in Europa noch nie etwas gewonnen und in der Schweiz ab den Playoff-Halbfinals stets verloren, wenn es darauf angekommen ist. Nur den Spengler Cup hat er einmal als Cheftrainer mit Team Canada gewonnen.

22.12.2015; Zuerich; Eishockey NLA - ZSC Lions - HC Lugano; Trainer Doug Shedden (Lugano) (Patrick Straub/freshfocus)

Bandengeneral mit Brüllpotenzial: Doug Shedden.
Bild: Patrick Straub/freshfocus

Doug Shedden lässt einfach strukturiertes, unkompliziertes nordamerikanisches Unterhaltungs-Hockey spielen und weiss besser als die meisten anderen Trainer, dass Hockey zum Unterhaltungsgeschäft gehört. Er ist Bandengeneral und Showmaster. Immer für eine Polemik zu haben. Kein anderer Trainer rühmt den Spengler Cup so sehr wie Doug Shedden. Kanadier sind zwar immer des Lobes voll, wenn sie irgendwohin eingeladen werden. Aber bei Luganos Trainer kommt das Rühmen aus tiefster Seele: «Es gibt einfach keine bessere Art, die Festtage zu verbringen als beim Spengler Cup. Der Ort in den Bergen, das Stadion, die Stimmung, das Hockey – alles passt perfekt.»

Wer gewinnt den Spengler Cup?

Schon zum siebten Mal reist Shedden nun ans Turnier. Fünfmal war er mit Team Canada hier (zweimal als Cheftrainer), vor einem Jahr mit dem KHL-Lotterteam aus Zagreb und jetzt, sozusagen als Krönung, als grosser Bandengeneral mit dem HC Lugano. Der Turniersieg ist möglich, Lugano ist gemessen an seinem spielerischen Potenzial sogar Turnierfavorit. Ist ein Turniersieg sportlich realistisch? Ja, natürlich. Ein gutes NLA-Team mit einem schlauen Coach kann heute den Spengler Cup selbst gegen KHL-Spitzenteams gewinnen. Servette hat 2013 und 2014 das Turnier gewonnen und Lugano ist jetzt nur dabei, weil Servette freiwillig auf die Titelverteidigung verzichtet. Dabei ist Servette noch nicht einmal Schweizer Meister geworden.

Finnen haben in Davos noch nie gewonnen

Ist Jokerit Helsinki denn nicht eine Nummer zu gross für Lugano? Das finnische Spitzenteam spielt in der KHL und steht dort in der Westgruppe auf dem zweiten Platz. Aber noch nie hat ein finnisches Team den Spengler Cup gewonnen. Weil sich die Finnen so schwer mit der Anpassung an die Höhenlage und die Partykultur tun. Nein, gegen Jokerit fordern wir einen Sieg.

Und wie ist es mit Jekaterinburg? Das Team aus der Stadt, in der einst der letzte Zar von Russland umgebracht worden ist, steht in der Ostgruppe der KHL auf Platz 7 von 14 Teams – keine Spitzenmannschaft also und kein Kandidat für den Turniersieg. Ein stark russisch geprägtes Spektakel-Team. Die mit Abstand charismatischste Persönlichkeit spielt nicht, sie steht an der Bande. Trainer Andrei Razin (42) ist eine russische Extremvariante von Doug Shedden. Der ehemalige Stürmer hat sich im letzten Frühling in der zweiten russischen Liga mit dem gegnerischen Coach fünf Minuten lang geprügelt und stand am Schluss mit nacktem Oberkörper da. Doug Shedden sollte ihn provozieren.

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Ob Jekaterinburgs Coach Razin auch in Davos den Chippendales Konkurrenz macht?
YouTube/Alex2146

Der HCD hat die Champions League im Kopf

Und was ist mit Schweizer Meister Davos? Kein Problem. Lugano besiegt den HCD ja auch immer wieder in der Qualifikation, zuletzt am Mittwochabend (3:2). Der Spengler Cup ist dieses Jahr für die Davoser ausnahmsweise sowieso nicht das Mass aller sportlichen Dinge. Am 12. und 19. Januar steht der HCD im Halbfinale der Champions Hockey League gegen Frölunda (Schweden) im Einsatz. Nicht der Spengler Cup, sondern die europäische Krone ist das grosse Ziel. Es geht bei Davos deshalb auch darum, nun mit den Energiereserven sorgsam umzugehen. Vollgas wird nicht in jeder Partie möglich sein. Bereits eine Finalteilnahme wäre beim 20. Turnier mit Arno Del Curto an der Bande eine Überraschung.

Aber Team Canada! Ach was. Einst dominierte das kanadische Personal die NLA. Inzwischen sind die Schweizer so gut geworden, dass sie mit den NLA-Kanadiern, die auch jetzt wieder das Team Canada prägen, längst auf Augenhöhe spielen. Es wäre für Doug Shedden die Mutter aller Blamagen, wenn er ausgerechnet vom gescheiterten SCB-Trainer Guy Boucher ausgecoacht würde.

ZUR ENTLASSUNG VON SCB TRAINER GUY BOUCHER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Berns Headcoach Guy Boucher beim Eishockeyspiel der National League A SC Bern gegen den Lausanne HC in der PostFinance Arena in Bern am Freitag, 13. November 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

In Bern entlassen, ist Guy Boucher nun auf Revanche aus.
Bild: KEYSTONE

Stürzen die Adler ab?

Und Mannheim? Auf den ersten Blick ein grosser Gegner. Das erfolgreichste Team in der ewigen Rangliste der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Der exzellent gemanagte Klub hat, wie Lugano, unbegrenzte finanzielle Mittel und gilt als bestes Hockeyunternehmen in Deutschland. Mit NHL-Strukturen. Aber es ist halt nur eine Mannschaft aus der Operetten-Liga DEL. Die höchste Deutsche Liga erreicht bei Weitem nicht die sportliche Qualität der NLA. Mannheim ist Kandidat für den letzten Platz.

Alles klar? Nein. Prognosen haben es so an sich, dass sie, sobald sie die Zukunft betreffen, nicht mehr verlässlich sind. Trotzdem: Alles andere als ein Turniersieg ist für Lugano eine Enttäuschung.

Die Spengler-Cup-Sieger im neuen Jahrtausend

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