Mercedes dominiert erneut – wieso die Formel-1-Saison so gut wie entschieden ist
Die Dominanz von Mercedes setzt sich auch zu Beginn des zweiten Rennwochenendes der neuen Formel-1-Saison fort. George Russell sichert sich im Sprint-Qualifying die Pole vor seinem Teamkollegen Kimi Antonelli. Die anderen Autos konnten da nicht mithalten. Weltmeister Lando Norris war als Dritter über sechs Zehntelsekunden langsamer als Russell – in der Königsdisziplin des Motorsports sind das Welten.
Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass die Mercedes-Boliden dem Rest des Felds deutlich überlegen sind. Der deutsche Rennstall mit Sitz im englischen Brackley hat den mit Abstand besten Umgang mit der Regel-Revolution gefunden. Das könnte auch an einem Schlupfloch, das Mercedes angeblich gefunden hat und sich zu Nutze macht.
Mercedes weist Gerüchte über Regelschlupfloch zurück
So solle der achtfache Konstrukteurs-Weltmeister einen Weg gefunden haben, das Verdichtungsverhältnis im Motor, wenn dieser läuft, auf 18:1 zu erhöhen. Dies könnte ein Plus von bis zu 15 PS bedeuten. Erlaubt sind lediglich 16:1 – doch wird nur in kaltem Zustand gemessen und in diesem hält Mercedes das Verhältnis eben ein. Der Weltverband FIA setzte auf Drängen der Konkurrenz deshalb eine Regeländerung durch, wonach das Verdichtungsverhältnis nun auch in warmem Zustand gemessen wird. Ab dem 1. Juni wird dies der Fall sein.
Bis dahin könnte die Weltmeisterschaft aber bereits entschieden sein, wenn Mercedes weiterhin so dominiert. Sieben von 24 Rennen werden bis Ende Mai gefahren, dazu die Hälfte der sechs Sprints. Schon zum Auftakt in Australien waren Russell und Antonelli konkurrenzlos. Im Qualifying war der 28-jährige Brite fast acht Zehntelsekunden schneller als der erste Nicht-Mercedes-Pilot. Zu Beginn konnte Charles Leclerc zwar die Führung übernehmen, weil sein Ferrari deutlich besser startet als die Autos der anderen zehn Teams, auf lange Sicht kann aber auch die Scuderia nicht mit Mercedes mithalten. Derzeit ist nicht abzusehen, dass die Dominanz der Deutschen vor der Regeländerung endet.
Und wenn man Mercedes Glauben schenken mag, wird sich auch diese nicht gross auf die Performance auswirken. Denn gemäss dem Fachmagazin «Auto Motor Sport» überschreitet der Rennstall die vorgeschriebene Grenze überhaupt nicht und nehme die Regeländerung deshalb gelassen. Mercedes habe lediglich einen Weg gefunden, dass das Verdichtungsverhältnis im Vergleich zum kalten Zustand im Fahrbetrieb nicht sinkt, wie dies bei anderen Teams der Fall ist, was diese bereits bestätigt haben. Sie bewegen sich im Bereich von 15:1 bis 15,5:1. Damit würde Mercedes weiterhin im Vorteil bleiben.
Erinnerungen an Brawn GP werden wach
Es erinnert stark an Brawn GP, das in seiner einzigen F1-Saison 2009 gerade zu Beginn komplett dominierte und sieben der ersten acht Rennen gewann. Grund war der spezielle Unterboden mit einem sogenannten Doppel-Diffusor, der den Abtrieb und damit die Kurvengeschwindigkeit erhöhte. Als die Konkurrenz diesen nachgebaut hatte, war Jenson Button im Brawn bereits unaufholbar enteilt.
So könnte es nun auch mit Mercedes passieren. Erst im nächsten Jahr werde das Verdichtungsverhältnis nur noch bei laufendem Motor gemessen. Dann können die restlichen Teams ihre Motoren so bauen, dass der Wert 16:1 im kalten Zustand überschritten wird und bei laufendem Motor dann unter die erlaubte Grenze sinkt. Für die Spannung in der aktuellen Saison verheisst das aber nichts Gutes.
Während Fahrer wie Max Verstappen oder Lando Norris die neue Formel 1 wahlweise mit Aussagen wie «Formel E auf Steroiden», «Anti-Rennsport» oder «ätzend» diskreditieren, lachen sich Russell, Antonelli und ihr Team ins Fäustchen. Ganz zufrieden ist aber selbst Mercedes mit dem neuen Reglement nicht. Besonders eine Regel beim Start sorgt für Ärger.
«Egoistisches und albernes» Ferrari
So hätten die weiter vorne gestarteten Fahrer einen Nachteil gehabt, weil sie in der ersten Runde nicht gleich viel Energie zurückgewinnen durften wie jene weiter hinten. Dazu muss man wissen, dass es ein Limit gibt, wie viel Energie pro Runde zurückgewonnen werden darf. In Australien war die Messlinie inmitten der Startaufstellung, wodurch der vordere Teil des Felds diese bereits vor dem Start überquert hatte. Die nach der Aufwärmrunde zurückgewonnene Energie zählte also bereits zur ersten Runde des Rennens, während dies bei den hinteren Autos nicht der Fall war, weil ihr Zähler beim Überqueren der Messlinie zurückgesetzt wurde.
Es sei eine sehr eigenartige Regel, lamentierte Russell. Viele Teams wollten diese deshalb anpassen, doch wurde die nötige Mehrheit nicht erreicht. Russell: «Wie man sich vorstellen kann, wollten einige Teams, die einen guten Start hatten, nichts ändern, was ich etwas albern finde.» Russell nannte erst kein Team und sprach lediglich von «egoistischen Ansichten» einiger Leute. Später fügte er gegenüber Sky Sports an: «Leider ist es manchmal so, dass, wenn man etwas zum Wohle des Sports ändern will, ein Team aber gerade einen Wettbewerbsvorteil hat, wie Ferrari im Moment beim Start, dieses Team nichts ändern möchte.»
