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Robert Mayer am vergangenen Wochenende.
Robert Mayer am vergangenen Wochenende.
Bild: KEYSTONE
Josi und Brunner als Hoffnungsträger

Gut möglich, dass Robert Mayer ein WM-Held wird

Mit Roman Josi und Damien Brunner haben wir am Freitag gegen Tschechien gewonnen (3:1), ohne Roman Josi hingegen gestern verloren (1:2). Das sagt (fast) alles über unser WM-Team. Gut möglich, dass der neue Held des Teams Robert Mayer heissen wird.
28.04.2014, 07:4128.04.2014, 09:38

Die beiden Testspiele gegen Tschechien am Freitag in Neuenburg (3:1) und gestern in Basel (1:2) haben die Limiten der Schweizer aufgezeigt. Die Tschechen (ohne NHL- Stars) waren ein perfekter Testgegner: nicht talentierter. Aber robust, defensiv stabil und taktisch smart.

Andres Ambühl im Kampf um den Puck gegen Martin Ruzicka und Radek Smolenak.
Andres Ambühl im Kampf um den Puck gegen Martin Ruzicka und Radek Smolenak.
Bild: freshfocus

Recht ähnlich werden die Teams spielen, die wir bei der WM besiegen müssen, um in die Viertelfinals zu kommen: Weissrussland, Deutschland, Lettland und Kasachstan. Auch da werden wir als Favorit Mittel und Wege finden müssen, um einen defensiv eingestellten Gegner besiegen zu können.

Schweizer NHL-Cracks als Hoffnungsträger

Diese beiden Spiele gegen Tschechien haben aufgezeigt, dass wir offensiv nach wie vor zu wenig gut sind, um im Schmetterlingsstil einen Gegner zu überrennen. Es funktioniert nur, wenn wir die gegnerischen Verteidigungen entweder vom Eis arbeiten oder durch schnelle Konterstösse ausspielen können. Im Sturmlauf ist es nicht möglich und mehr als drei Tore dürften die Ausnahme sein. In Neuenburg ist es gelungen. In Basel nicht. Das hat seine Logik.

In Neuenburg machten die NHL-Stars Roman Josi und Damien Brunner die Differenz. Wir gewannen 3:1. Gestern schonte der Nationaltrainer die beiden und wir haben in Basel 1:2 verloren.

Roman Josis Spielintelligenz ist nicht zu ersetzen.
Roman Josis Spielintelligenz ist nicht zu ersetzen.
Bild: freshfocus

Die wichtigste Rolle in dieser Mannschaft spielt Roman Josi, nicht von ungefähr bei der letzten WM als wertvollster Spieler (MVP) ausgezeichnet. Er ist defensiv und noch viel mehr offensiv die Schlüsselfigur der Mannschaft. Seine Dominanz und vor allem seine Schlauheit beim Einfädeln der Gegenangriffe werden von keinem anderen Schweizer auch nur annähernd erreicht. Wir haben so viele international taugliche Spieler, dass wir jeden Ausfall verkraften können – aber nicht jenen von Roman Josi. Mit ihm ist es möglich, in der Gruppe mit Russland, Finnland, den USA, Deutschland, Lettland, Weissrussland und Kasachstan den vierten Platz und damit die Viertelfinals zu erreichen. Aber nicht ohne hin.

Damien Brunner ist in viel besserer Form als zuletzt beim olympischen Turnier. Wenn er die aktuelle Form bis zur WM (9. bis 25 Mai) konservieren kann, dann haben wir mit ihm einen Vollstrecker, der in knappen Spielen die Differenz machen kann. Kein anderer unserer Stürmer hat sein freches Selbstvertrauen, seine Schnelligkeit und sein Gespür für die Entwicklung von Spielsituationen. Im ersten Spiel machte er mit dem ersten Schuss das 1:0 und war auch beim 2:0 beteiligt. Wir siegten 3:1. In Basel war er nicht dabei und wir verloren 1:2.

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Zeit für neue Helden

Heute bietet Sean Simpson für die restliche WM-Vorbereitung – am 2. Mai gegen Deutschland, am 6. Mai gegen Kanada – die Stürmer Simon Bodenmann, Victor Stancescu (Kloten), Reto Schäppi, Luca Cunti (ZSC Lions) und die Verteidiger Yannick Weber (Vancouver), Eric Blum und Mathias Seger (ZSC Lions) auf. Mit ziemlicher Sicherheit hätten die Schweizer mit diesen Spielern die zweite Partie gegen Tschechien nicht verloren – aber keiner dieser nachrückenden Spieler hat das Format von Roman Josi. Bodenmann, Cunti, Seger und Blum gehörten zum WM- Silberteam und werden, wenn sie fit sind, auch zum WM-Team für Minsk gehören. Auf der Goalieposition zeichnet sich ab, dass wir bei der WM so spielen werden wie in Neuenburg und Basel. Mit Leonardo Genoni (Davos) und Robert Mayer (Hamilton/AHL) als Nummer 1 und 2.

Martin Gerber (Kloten), Tobias Stephan (Servette) und Lukas Flüeler (ZSC) haben abgesagt. In den NHL-Playoffs braucht Colorado (mit Reto Berra) nur noch einen Sieg für die nächste Playoffrunde. Weil Anaheim die zweite Runde bereits erreicht hat, ist Jonas Hiller kein Thema mehr für die WM. Damit zeichnet sich ab, dass wir bei er WM ohne unsere Silberhelden von Stockholm (Gerber, Berra, Stephan) auskommen müssen.

Robert Mayer könnte schon bald der neue WM-Held sein.
Robert Mayer könnte schon bald der neue WM-Held sein.
Bild: freshfocus

Aber Helden kommen und gehen: Nach sieben Jahren in Nordamerika in den Junioren- und Farmteamligen (kein NHL-Einsatz) ist Robert Mayer (24), in Kloten ausgebildet, bei uns beinahe vergessen gegangen. Er spielte für die Schweiz bei der U-18- und bei der U-20-WM und wechselte schon 2007 ins nordamerikanische Juniorenhockey. Sein bisher einziger Einsatz in der Schweiz vor dem Länderspieldebüt in Basel: Er bestritt für Servette als zweiter Goalie neben Tobias Stephan den Spengler Cup und stand beim Finalsieg der Genfer gegen ZSKA Moskau im Tor.

Das vergessene Talent

Nun hat Robert Mayer am Sonntag bei seinem Nationalmannschaftsdebüt in Basel so gut gespielt, dass er bei der WM die Nummer 1 oder 2 und ein neuer WM-Held werden kann. Für uns überraschend. Aber nicht für ihn: Er hat bereits vor mehr als einem Jahr gesagt, die Nationalmannschaft sei sein Ziel. Und das hat er nun erreicht.

Robert Mayer ist das vergessene Goalie-Talent. Letzte Saison stand vorübergehend seine Rückkehr in die NLA zur Diskussion und er hatte bei Biel bereits einen Vertrag unterschrieben ehe er sich dazu entschied, in der Organisation der Montréal Canadiens einen neuen Zweijahresvertrag zu unterschreiben. Er verdient im Farmteam 100'000 Dollar pro Saison. In der NHL, wo er noch nie spielte, käme er auf 625'000 Dollar. Wahrscheinlich ist Robert Mayer der meist unterschätzte Schweizer Goalie.

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