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Eishockey: Die Klubs der National League tappen in die Abstiegsfalle

Ajoies Spieler sind enttaeuscht im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Ajoie, am Montag, 28. Februar 2022, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Pet ...
Kann sich Ajoie im Vergleich zu letzter Saison nicht steigern, ist das Abstiegs-Risiko gross.Bild: keystone
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Ein Lotto-Sechser für die Swiss League oder wie die NL-Klubs in die Abstiegsfalle tappen

Die National League knüpft ihre Finanzhilfe für die Swiss League an fünf Ausländer in der Liga-Qualifikation. Was auf den ersten Blick wie ein arger Nachteil für die zweithöchste Liga aussieht, ist in Tat und Wahrheit ein sportlicher Lotto-Sechser für die Swiss League. Der Aufstieg wird so einfach sein wie seit Jahren nicht mehr.
06.07.2022, 02:1906.07.2022, 14:46

Zuerst ein paar staubtrockene Erläuterungen zum Modus: Zwei Jahre lang ist der Abstieg wegen der Pandemie ausgesetzt worden. Deshalb hat es nur zwei Aufsteiger (Ajoie, Kloten), aber keinen Absteiger gegeben. Und so kommt es, dass die höchste Liga nun zum ersten Mal in der Geschichte (seit 1908) 14 Teams umfasst.

Im nächsten Frühjahr gibt es nun wieder den Auf-/Abstieg: Die 13. und 14. nach der Qualifikation tragen den Playout-Final aus. Der Verlierer muss gegen den Swiss-League-Meister zur Liga-Qualifikation antreten.

Enttaeuschte Klotener im siebten Eishockey Spiel der Ligaqualifikation der National League zwischen dem EHC Kloten und den SC Rapperswil-Jona Lakers, am Mittwoch, 25. April 2018, in der Swiss Arena in ...
2018 fand die bisher letzte Liga-Quali statt – Kloten unterlag den Lakers und stieg ab.Bild: KEYSTONE

Für die National League ist klar, nach welcher Formel diese Liga-Qualifikation gespielt wird. In der höchsten Liga sind nächste Saison sechs Ausländer (zehn Lizenzen) erlaubt. In der Swiss League wird mit zwei Ausländern gespielt. Die NL-Klubs wollen die Liga-Qualifikation mit fünf Ausländern austragen. Sie knüpfen die Finanzhilfe, die nächste Saison jedem SL-Klub nicht ganz 80'000 Franken einbringen wird, an diesen Modus.

Einige SL-Bürogeneräle sind empört. Der NL-Klub habe ja während der ganzen Saison bereits sechs Ausländer. Und nun müsse man als SL-Klub für die Liga-Qualifikation von zwei auf fünf Ausländer nachrüsten. So gebe es keine Chancengleichheit.

Es gibt tatsächlich keine Chancengleichheit. Aber zu Lasten des Klubs auf der höchsten Liga. Die Aufstiegswilligen in Olten oder Visp sollten jubeln und sich ob der Regelung mit fünf Ausländern in der Liga-Qualifikation die Hände reiben. So wird der SL-Meister eine Aufstiegschance von mindestens 80:20 haben. Die NL-Klubs tappen blindlings in die Abstiegsfalle.

Weil zum Zeitpunkt der Liga-Qualifikation keine internationalen Transfers mehr möglich sind, wird für die aufstiegswilligen SL-Klubs ein nationales Transferfenster geöffnet: Sie dürfen Ausländer von den Klubs erwerben, die ihre NL- oder SL-Saison bereits beendet haben. Für den Playout-Verlierer der NL geht dieses Fenster nicht auf. Er kann für die Liga-Qualifikation keine neuen Ausländer mehr engagieren. Wahrlich ein Lotto-Sechser für die SL-Klubs. Nur haben sie noch gar nicht gemerkt, welches Glück sie mit einer solchen Regelung haben.

Beginnen wir die Analyse mit einer Frage: Wie gut sind die sechs Ausländer des NL-Klubs, der die Qualifikation auf dem 13. oder 14. Platz abgeschlossen und dann auch noch den Playout-Final verloren hat? Richtig: miserabel. Mit ziemlicher Sicherheit hat der Sportchef des NL-Klubs, der in die Liga-Qualifikation muss, seine zehn Ausländerlizenzen bereits im Januar alle verbraucht. Wenn sein Team nun trotzdem in die Liga-Qualifikation muss, dann kann das nur heissen: Die Ausländer sind nicht gut genug.

Der Sportchef des SL-Meisters hingegen kann nun für die Liga-Qualifikation sein siegreiches Team mit drei zusätzlichen Ausländern gar noch verstärken. Das Risiko ist beinahe gleich null: Es sind Ausländer, die er monatelang in den beiden höchsten Ligen beobachten konnte. Er kann unter mehr als 40 Männern auswählen. Weil ihre Klubs in den beiden höchsten Ligen die Meisterschaft zum Zeitpunkt der Liga-Qualifikation bereits beendet haben.

Natürlich ist nicht jeder Ausländer bereit, die Saison noch mit einem Einsatz in der Liga-Qualifikation zu verlängern. Trotzdem wird es kein Problem sein, erstklassige NL-Ausländer zu finden, die für etwas Feriengeld ihre Saison als Gast in einem Siegerteam um zwei oder drei Wochen verlängern.

Lugano's Top Scorer Mark Arcobello during the preliminary round game of the National League Swiss Championship between HC Lugano and HC Fribourg-Gotteron at the Corner Arena in Lugano, on Saturda ...
Letzte Saison hätte sich der Swiss-League-Meister etwa mit Mark Arcobello verstärken können, der mit Lugano im Viertelfinal gescheitert ist.Bild: keystone

Eine Mannschaft, die von Sieg zu Sieg gebraust ist (deshalb hat sie ja die Swiss League gewonnen), kann nun mit drei formidablen Ausländern verstärkt werden. Und da sie erfolgreich ist, können wir davon ausgehen, dass die zwei Ausländer, die schon geholfen haben, die SL-Meisterschaft zu gewinnen, auch vorzüglich sind. Der SL-Meister wird fünf gute bis sehr, sehr gute Ausländer haben.

Der NL-Klub hingegen, mit mehr als 30 Niederlagen im Kopf und in der Seele, mit fünf Ausländern, von denen mindestens drei nicht genügen, und wahrscheinlich auch einem neuen Trainer, wird gegen ein intaktes SL-Meisterteam mit fünf formidablen Ausländern vor einer fast unlösbaren Aufgabe stehen.

Es wäre für den NL-Klub einfacher, wenn die Liga-Qualifikation nur mit zwei Ausländern gespielt würde. Weil wahrscheinlich zwei seiner sechs Ausländer (mit ziemlicher Sicherheit sind es sogar zehn, weil in der Krise alle zehn Lizenzen gelöst worden sind) gut genug wären. Die Aufstiegschancen für den SL-Meister stehen in der Liga-Qualifikation unter diesen Voraussetzungen im nächsten Frühjahr bei 80:20. Mindestens.

Also, liebe SL-Klubvertreter: Hört auf zu jammern. Freut euch. Wichtig ist, dass ihr euch rechtzeitig bei euren Wunschausländern meldet, die ihr dann für die Liga-Qualifikation als Verstärkung verpflichten wollt. Mein Tipp: Chris DiDomenico rechtzeitig anrufen.

Die wirtschaftlichen Voraussetzungen mögen in der Swiss League nächste Saison schwieriger und rauer sein. Aber die sportlichen sind gut. Wir werden im nächsten Frühjahr erstmals seit 2018 (die Lakers «versenkten» Kloten in der Liga-Qualifikation) wieder einen Aufsteiger und einen Absteiger haben.

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